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23.03.2006

15:45 Uhr

Trotz Gewalt auf Schüler-Handys

Handyverbot an Schulen findet nur wenig Zuspruch

Nachdem auf den Handys von Schülern an einigen bayerischen Schulen Gewaltvideos, Pornos und Sodomie-Szenen gefunden wurden lässt das Kultusministerium des Freistaats nun ein generelles Verbot für Mobiltelefone an Schulen juristisch prüfen. Andere Bundesländer zeigten sich einer dpa-Umfrage zufolge am Donnerstag wegen der Vorfälle in Bayern durchaus besorgt, lehnten ein generelles Handyverbot an Schulen jedoch ab.

HB HAMBURG. In Hamburg haben seit der Änderung des Schulgesetzes 2003 Schulleiter und Lehrer die Möglichkeit, Mobiltelefone bis zum Schulschluss einzusammeln, wenn dadurch der Unterricht gestört wird. Von einem allgemeinen Handyverbot an Schulen hält die zuständige Senatorin Alexandra Dinges-Dierig (CDU) allerdings nichts, weil dies nur „mit Leibesvisitationen der Schüler vor dem Unterricht durchgesetzt werden könnte“, wie ihr Sprecher Alexander Luckow betonte. Im übrigen seien beim Handy-Problem vor allem die Eltern gefragt, die das Gerät in der Regel finanziert hätten.

Das baden-württembergische Kultusministerium lehnt ein Handy- Verbot oder Handy-Razzien an Schulen ebenfalls ab. „Es wird kein Verbot geben“, sagte die Sprecherin Susanne Neib. Das sei nicht durchführbar. Schüler müssten auch ihre Eltern anrufen dürfen, zum Beispiel wenn diese sie abholten. Gewaltvideos auf Handys seien zudem „wohl eher Einzelfälle, man darf jetzt auch nicht übertreiben“.

Das Benutzen von Handys in Schulen ist auch in Rheinland-Pfalz ein brisantes Thema. „Das ist eine Problematik, die in den Schulen geregelt werden muss“, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Tilman Boehlkau. So habe es in den vergangenen Monaten in Bitburg und Trier Gewaltszenen zwischen Schülern gegeben, die die Jugendlichen auf ihren Handys aufgezeichneten. An vielen Schulen gebe es inzwischen Regelungen, wie und wann das Mobiltelefon benutzt werden dürfe. Ein generelles Handyverbot an rheinland-pfälzischen Schulen würde Boehlkau zwar begrüßen, „aber dass halte ich für nicht durchführbar“.

An den Schulen in Sachsen-Anhalt sind nach Angaben des Kultusministeriums bisher keine Fälle von Gewaltvideos auf Schüler- Handys bekannt geworden. Deshalb sei die Prüfung eines Handyverbots wie in Bayern zur Zeit kein Thema, sagte eine Ministeriumssprecherin. Nach Auffassung des GEW-Landesvorsitzenden Thomas Lippmann müssen verbindliche Regeln für den Umgang mit Handys an Schulen aufgestellt werden. „Ein einfaches Verbot hilft nicht. Man muss Regelungen finden, die auch bei den Schülern Akzeptanz finden.“

Dem Thüringer Kultusministerium sind derzeit keine Verdachtsmomente oder Fälle von Handy-Missbrauch an Schulen bekannt. Bereits bei Verdachtsfällen würde die Polizei eingeschaltet, sagte ein Ministeriumssprecher. Im Unterricht werde das Thema Handy und Gewalt fächerübergreifend behandelt.

Anders ist dagegen die Situation in Lübeck (Schleswig-Holstein): Dort haben einige Schulen bereits Handyverbote erlassen, nachdem Gewaltvideos auf den Mobiltelefonen von Schülern aufgetaucht waren. So dürfen an der Grund- und Hauptschule Moisling seit einigen Wochen keine Handys mit zur Schule gebracht werden. „Wir hatten Hinweise, dass auch an unserer Schule und vor allem im benachbarten Jugendzentrum solche Videos kursierten. Vor allem zum Schutz der jüngeren Schüler haben wir das Verbot erlassen, übrigens mit Rückendeckung der Eltern“, sagte Schulleiterin Ingrid Thodt.

Eltern, die ihre Kinder aus Sicherheitsgründen nicht ohne Mobiltelefon auf den Schulweg schicken wollen, müssen das der Schule schriftlich mitteilen. „Die Kinder hinterlegen dann ihre Telefone während des Unterrichts im Sekretariat. Das klappt prima“, sagte Thodt. Das Schulamt der Hansestadt plant eine Fachkonferenz, um Lehrer und Eltern für den Umgang mit dem Thema zu schulen. „Wir arbeiten ganz eng mit der Polizei zusammen. Über Handyverbote kann und muss jede Schule selbst entscheiden“, sagt Schulrat Eckard Lück. „Nach unserer Kenntnis sind die bekannt gewordenen Fälle aber Einzelfälle“, betont er.

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