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20.01.2015

16:49 Uhr

USA in der Zukunft

Eine Supermacht will nach Hause

VonNils Rüdel

Amerika will nicht mehr überall auf der Welt mitmischen. Doch es wird weiter gebraucht. Handelsblatt.com startet eine Serie zu Zukunftsthemen – und verändert sich selbst: Vom 28. Januar an erleben Sie ein neues Design.

Getty Images

DüsseldorfDer Sonntag nach den Terroranschlägen in Paris: Fast 50 Staats- und Regierungschefs zeigen sich gemeinsam vor den Kameras der Welt, um ein Zeichen zu setzen gegen die Gräueltaten islamistischer Mörderbanden. Nebenan demonstrieren mehr als eine Million Menschen. Ein Ereignis für die Geschichtsbücher - bei dem einer auffällig fehlte: Barack Obama. Weder der US-Präsident noch ein anderer hoher Repräsentant aus Washington wollte die weite Reise antreten.

Die ganze Welt geht gegen den Terror auf die Straße, und ausgerechnet Amerika schwänzt? Ein unglaublicher Fehler des sonst so auf Symbolik bedachten Präsidenten. Es ist auch ganz und gar unverständlich, weil es einen gängigen Vorwurf untermauert, der Obama zu Hause von den oppositionellen Republikanern gemacht wird: Dass Amerika durch ihn schwach geworden sei. Mit einem außenpolitischen Dilettanten und Zauderer an der Spitze, den die politischen Antagonisten und die Schurken dieser Welt nicht erst nehmen.

Indizien dafür scheint es genug zu geben: Durfte nicht Syriens Präsident Baschar al-Assad Obamas „rote Linie“ übertreten und ungestraft Giftgas gegen das eigene Volk einsetzen? Musste nicht Libyens Muammar al-Gaddafi Franzosen und Briten mehr fürchten als die Amerikaner, die sich im Hintergrund hielten? Konnte nicht die Terrormiliz IS sich monatelang im Irak und in Syrien ausbreiten und Köpfe abschneiden, ehe Obama Luftangriffe befahl? Und Wladimir Putin: Hat er nicht in Osteuropa Landesgrenzen verschoben – und dafür aus Washington höchstens einen Tadel und ein paar symbolische Sanktionen aufgebrummt bekommen?

Daten und Fakten über die USA

Fläche

Mit einer Fläche von 9.809.155 Quadratkilometern sind die Vereinigten Staaten laut Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) der drittgrößte Staat der Erde.

Bevölkerung

Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) betrug die Gesamtbevölkerung der USA im Jahr 2013 rund 317 Millionen Einwohner.

Hauptstadt

Die Hauptstadt der USA ist Washington D.C. Die Stadt selbst hat etwa 646.000 Einwohner, im Großraum haben sich etwa 5,7 Millionen Menschen niedergelassen. (Stand: 2014)

Staatsform

Die Staatsform der USA ist eine föderale und präsidentielle Republik.

Präsident

Barack H. Obama ist der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er befindet sich in seiner zweiten Amtszeit.

BIP

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA beläuft sich nach Angaben des Auswärtigen Amts auf etwa 16,72 Billionen US-Dollar. (Stand: 2013)

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten lag im Juli 2014 bei 6,2 Prozent. Vor der Wirtschaftskrise lag die Quote im Jahr 2007 noch bei 4,6 Prozent, 2010 stieg sie zwischenzeitlich auf 9,6 Prozent an.

Außenhandel

Die USA sind nach Angaben des Auswärtigen Amts weltgrößter Absatzmarkt für Importgüter und standen als Exporteur 2013 (nur Waren) hinter China an zweiter Stelle.

„Wir haben uns zu Zuschauern gemacht“, klagte kürzlich Außenpolitik-Legende Henry Kissinger. Doch warum ist Amerika so häufig nur noch Zuschauer und nicht mehr Akteur? Ein Grund, und da haben die Kritiker Recht, ist, dass Obama nicht gerade ein leidenschaftlicher Außenpolitiker ist. Er kann flammende Reden halten, handelt aber oft konzeptlos und reaktiv. Ihm fehlt Fortune.

Ein anderer Grund ist sein Realismus: Der Präsident hat erkannt und lebt vor, dass die Jahre des Interventionismus vorbei sind. Keinen Isolationismus strebt er an, wohl aber eine Politik der nüchternen Abwägung von Interessen. Ansonsten liegt Obamas Fokus auf der Innenpolitik. Dieser wird der Präsident am Abend in seiner Rede zur Lage der Nation wohl auch fast seine gesamte Aufmerksamkeit schenken.

Auch wenn Obama nach außen hin Amerikas Führungsrolle beschwört – er weiß, dass Uncle Sam nicht mehr überall mitspielen will und kann. Zwei gescheiterte Kriege mit Tausenden Toten und Milliardenkosten haben den missionarischen Eifer der Neokonservativen um George W. Bush, die Demokratie in aller Welt auch mit der Waffe zu verbreiten, verstummen lassen. Sie haben Amerika ermüdet und die Skandale von Abu Ghreib bis Guantanamo den Ruf der USA in der Welt schwer beschädigt. Genug jetzt, scheinen die Amerikaner zu denken. Der Weltpolizist, Friedensnobelpreis an der Uniform, hat Gefallen an dem Gedanken gefunden, einfach Pistole und Marke abzugeben und sich in den Ruhestand zu verabschieden.

Für Deutschland und Europa ist das keine gute Nachricht. Der wütende Terror, die Folgen des Klimawandels, die Ukraine-Krise, Irans Atomprogramm, der Nahost-Konflikt, die Ängste der Nachbarn Chinas vor dem Riesenreich, Ebola oder die bedrohte Offenheit der Seewege – Amerika wird in dieser unübersichtlichen Welt weiter gebraucht. Auch ein noch weiter integriertes Europa wird es nicht alleine schaffen, die in 70 Jahren gemeinsam aufgebaute liberale Weltordnung zu verteidigen.

Kommentare (12)

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Herr garry Auspa

20.01.2015, 17:18 Uhr

Wir haben volles Verstaendniss fuer die Haltung der Obama Administration.
Immer wenn in der Welt etwas passiet,sollen die Amis einschreiten und etwas tun.Natuerlich auf ihre Kosten und auf Kosten des US Steuerzahlers.
Hier gibt es ,wie ja auch angedeutet eine Menge Probleme zu loesen,die alle eine Menge Geld kosten.
Ausserdem gab es viele Opfer in den Kriegen im Irak und Afghanistan.Geaendert hat sich dort nicht sehr viel,oder es wurde schlechter wie zuvor.
Wundert es Europa ,dass die US Buerger muede werden ,immer fuer die Anderen den Dreck wegzuschaufeln.
Uns nicht.
Wir brauchen keine Missionare mehr.
Die Spionage in allen Bereichen ist nicht immer was sie sein sollte und die Mittel heilgen nicht den Zweck.
Aber andere sollten mal auch ins vielgelobte Russland and nach China schauen und sich dort ueber die Gewohnheiten aufreegn.
Korruption und Bereicherung gbt es ja dort genuegend.
Von Hilfe in Krisengebieten hoere ich da ziemlich wenig.
Zum Schluss.
Man haut nicht immer auf seine "Freunde" drauf und erwartet in der Krise aber Soforthilfe,weil man Geld und Menschen schuetzen will.

Herr Vittorio Queri

20.01.2015, 17:23 Uhr

>> Eine Supermacht will nach Hause >>

Diese Supermacht ist NICHT mehr Alleine zu Hause. Und das ist gut so.

Der verbrecherische Staatsterrorismus, den die Yankees mittels ihrer Geheimdienste und Medienpropaganda der Welt aufgebürdet haben, ist nicht mehr tragbar !

Die Amis sollen sich zurückziehen und inne gehen.....sie haben andere Probleme, als einen weltweiten Staatsterror zu organisieren.

Sie könnten sich zum Beispiel um ihre fast 100 Mio. armer Menschen kümmern, die auf Suppenküchen angewiesen sind. Das ist nämlich DRITTE Welt und hat mit einer Supermacht nichts am Hut !

USA war gestern. Es kommen andere....zum Glück !!!

Herr Dr. Michael Klein

20.01.2015, 17:25 Uhr

Die USA haben im 21. Jahrhundert sieben Länder ganz oder teilweise zerstört und wurde dabei von der "westlichen Zivilisation" und den westlichen Bilderbergmedien unterstützt.

Bankster-Marionette Obama wurde aufgrund seines Versprechens gewählt, das Folterzentrum der US Army in Guantanamo aufzulösen – ein Versprechen, das er auch sechs Jahre später noch nicht eingelöst hat.

Bankster-Marionette Obama wurde im ersten Monat seiner Amtszeit mit dem Nobelpreis ausgezeichnet und führte weiter Krieg in Afghanistan, Ägypten, Libyen und in jüngster Zeit in Syrien und der Ukraine!

Das sollte jeder im Kopf haben, der "Amerika" beurteilt.
Die Vereinigten Staaten von Amerika haben heute nur noch wenig mit Demokratie zu tun.

Die Oligarchie, die unter der dünnen Fassade von "Demokratie" die politische Kontrolle übernommen hat, hat das industrielle und soziale Gefüge der Vereinigten Staaten ruiniert.

Die wahren Terroristen sitzen heute in den westlichen Regierungen, Geheimdiensten und Banken!

Diese Oligarchen stehen hinter dem Transatlantischen Handels- und Investitionsabkommen und der Deregulierung von Banken, damit sie die Erde weiter ausplündern können.

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