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06.01.2014

09:32 Uhr

Auf der CES

Wenn die Zahnbürste mit dem Smartphone spricht

VonChristof Kerkmann

Verkehrswarnungen lassen die Uhr vibrieren, eine SMS setzt den Staubsauger in Gang: Auf der Elektronikmesse CES ist zu sehen, wie vernetzte Haushaltsgeräte und Fitness-Gadgets das Leben erleichtern. Dieses Mal wirklich.

dpa

Las VegasMit einer Flunkerei fing es an. Thomas Serval glaubte seiner kleinen Tochter nicht, dass sie die Zähne geputzt hatte – konnte es aber nicht kontrollieren. Das brachte den damaligen Google-Mitarbeiter auf eine Idee: eine Zahnbürste, die mit Sensoren die Putzaktivitäten misst und ans Smartphone des Vaters funkt. Das Resultat zeigt der Franzose derzeit auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas: Die erste vernetzte Zahnbürste, die für 100 bis 200 Dollar auch Erwachsene zur Hygiene motivieren soll.

Wer keinen Spaß an technischen Spielereien hat, wird das Gerät vielleicht seltsam finden. Doch es steht für einen Trend, der weit über das Nerd-Badezimmer hinausreicht: Auf der CES, die in der Branche traditionell die Themen fürs neue Jahr vorgibt, werden so viele vernetzte und smarte Produkte zu sehen sein wie noch nie.

Abermillionen von Notebooks, Tablet-Computer und Smartphones sind längst online. Doch das Internet wächst weiter: Auch Heizungen und Türschlösser, Backöfen und Wäschetrockner lassen sich heute anschließen, das Auto sowieso – Sensoren und Sender machen es möglich. So können Nutzer mit einer App den Tankstand abfragen oder auf dem Heimweg das Wohnzimmer anheizen, beim Joggen den Blutdruck messen und aus dem zweiten Obergeschoss den Trockner im Keller starten. Geht es nach der Technologiebranche, wird in Zukunft alles smart.

Die Trends der CES

CES als Barometer

Die Elektronik-Industrie versammelt sich Anfang Januar in Las Vegas zur großen Branchen-Show CES. In diesem Jahr werden die Trends noch stärker vom Umbruch des Geschäfts durch das Internet beherrscht. Die Messe gilt als Barometer für die Branche.

Das vernetzte Heim

Alle Geräte in einem Haushalt vom Kühlschrank bis hin zur Licht-Technik sollen miteinander verbunden und zum Beispiel über Smartphones steuerbar sein. Es gibt keinen Standard und stattdessen viele Insellösungen. Die deutsche Firma Bosch will das ändern, Samsung hofft, als Smartphone-Spitzenreiter seine Plattform durchzusetzen.

Tragbare Technologien

Google ist mit seiner Datenbrille Glass zwar nicht auf der Messe, tragbare Technologien sind trotzdem ein großer Trend. Einerseits geht es um Geräte, die Daten anzeigen können, etwa smarte Uhren und Brillen, andererseits um Sensoren, die beispielsweise den Puls oder das Tempo beim  Joggen messen.

Internet der Dinge

Damit die Technik verbunden werden kann, braucht sie Anschluss ans Netz. So werden schon bald deutlich mehr Geräte als Menschen miteinander kommunizieren. Es entstehen große Möglichkeiten, den Alltag mit intelligenter Technik zu erleichtern, zugleich fallen viel mehr Daten über die Nutzer an.

Schärfer fernsehen

HD war gestern, lautet die Ansage der Branche. Das neue Schlagwort ist Ultra-HD, bei dem das Bild vier Mal mehr Pixel hat. Die Anbieter hoffen, damit den zuletzt schleppenden Absatz von TV-Geräten wieder in Schwung zu bringen. Noch sind die Preise aber deutlich höher und es fehlt an Inhalten in so guter Qualität.

Smarte Autos

Das Internet macht sich auch im Auto breit. Die Smartphones werden immer besser in die Fahrzeug-Elektronik eingebunden, damit die Nutzer können auf ihre gewohnten Apps zurückgreifen können. Am Ende der Entwicklung steht das selbstfahrende Auto, das immer mehr Gestalt annimmt.

3D-Drucker

Bislang kommen 3D-Drucker hauptsächlich in der Industrie zum Einsatz, doch die Technologie wird immer erschwinglicher. Auch Designer, Architekten und Bastler können sich inzwischen einfache Geräte leisten. Die CES widmet der neuen Produktionstechnik eine ganze Halle.

Nun reden die Hersteller schon seit Jahren vom vernetzten Haus, am besten samt Kühlschrank mit Internetanschluss, der rechtzeitig Milch nachbestellt – und verschweigen lieber die Verkaufszahlen. Doch es spricht viel dafür, dass viele smarte Objekte in den nächsten Jahren tatsächlich die Welt erobern. Denn inzwischen steht alles für die Vernetzung bereit: Billige Sensoren und Sender, schnelle Internetverbindungen – und das Smartphone als Fernbedienung für die digitale Welt. Fortschritt ist auch bei den Standards zum Datenaustausch zu erwarten.

Sensoren sind die Sinnesorgane der smarten Produkte. Die Zahnbürste etwa misst die Putzbemühungen mit Bewegungs- und Lagesensoren. Doch die Fühler können längst mehr: Sie bestimmen den Ort, messen Töne, Licht und Temperatur, aber auch Herzschlag, Leitfähigkeit der Haut und Muskelaktivität. „Man kann Sensoren zu deutlich niedrigeren Preisen als früher einbauen“, sagt Shawn DuBravac, Chefökonom des US-Branchenverbandes CEA. Konnektivität werde dadurch zu einem Standard-Feature. Praktisch alles kann vernetzt werden.

Einen Blick in diese Zukunft offenbart die CES schon 2014: Da sind Fitness-Uhren zu sehen, die Puls und Blutdruck messen; T-Shirts, die den Schlaf des Babys überwachen; oder Wetterstationen mit Smartphone-App. In der Industrie helfen die Sensoren, Schäden zu verhindern: So gibt es Raffinerien, in denen Sensoren aufpassen, ob alle Leitungen dicht sind.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

06.01.2014, 10:47 Uhr

Da kann die NSA zusammen mit dem Innenministerium unliebsamen kritischen Zeitgenossen die Heimelektronik abtellen.Ein weiteres Anwendungsfeld wäre das Navi stillzuegen, oder sie gleich in die Hände der NSA zu lotsen.
Einen Herrn Mollath, der sich mit den Banken anlegte, müsste man dann nicht mehr in die Psychatrie einweisen, man würde ihn mit dem Navi einen Felshang hinablotsen.

Schöner Überwachungsstaat!

zarakthuul

06.01.2014, 11:11 Uhr

Humbug bleibt Humbug, auch wenn er noch so smart daherkommt.
Wozu soll ich aus der 2.Etage den Trockner im Keller per "Smart-App" anstellen. Das erledige ich doch wenn ich die Wäsche eingefüllt habe. Solchen Unsinn versucht die Industrie dem Verbraucher aufzuschwatzen, doch der ist klüger als viele Marketing-"Experten" glauben.
So haben die "Smart-Meter" genannten Stromzähler bisher auch nur eine bescheidene Verbreitung gefunden. Einfach weil Kosten, Nutzen und Risiken in keinem vernünftigen Verhältnis stehen. Da hätten die Hersteller mich gleich fragen können, ich hätte es ihnen auch schon vor 10 Jahren sagen können - Unsinn!

Freigeist

06.01.2014, 13:06 Uhr

Kann es sein, dass wir alle zu "Kontroll-Freaks" mutieren? Oder dass wir es toll finden, kontrolliert zu werden? In der Tat ist vieles "Unsinn", weil es am Sinn des Lebens meilenweit vorbei driftet ...

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