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23.09.2014

15:18 Uhr

Auto 4.0

Wenn Alt und Neu zusammenarbeiten

Nur Autos bauen war gestern: Die digitale Revolution hat auch für die Autobranche massive Auswirkungen. Im Ringen um neue Mobilitätskonzepte formen sich neue Allianzen von „old“ und „new economy“.

Das Denken geht weg vom Thema „Wie verkaufe ich ein Auto?“ und hin zur Frage „Wie kann man das Auto am besten in einer Mobilitätskette nutzen?“ dpa

Das Denken geht weg vom Thema „Wie verkaufe ich ein Auto?“ und hin zur Frage „Wie kann man das Auto am besten in einer Mobilitätskette nutzen?“

StuttgartEs ist eine Allianz von „old“ und „new economy“. Vor Jahren noch schien so etwas, das vor wenigen Wochen die Runde machte, kaum vorstellbar: Ein Autoriese wie Daimler übernimmt einen App-Anbieter - um sich mit der Taxivermittlungs-App MyTaxi besser für die Mobilität der Zukunft zu positionieren. Wie die gesamte Industrie stecken auch die Autohersteller im digitalen Umbruch. Das Auto 4.0 kommt.

Für die Unternehmen ist dies nicht weniger als eine Zeitenwende: Sie verstehen sich längst nicht nur mehr als reine Hersteller, sondern als Mobilitätsdienstleister. Die beiden Megatrends: alternative Antriebe wie Elektroautos sowie das „vernetzte und integrierte Auto“, das mit Hilfe von anderen Angeboten wie Apps zum öffentlichen Nahverkehr, zu Mitfahrzentralen oder zu Taxifirmen verbunden wird.

Heikle Datenströme im Fahrzeug: Der überwachte Autofahrer

Heikle Datenströme im Fahrzeug

Der überwachte Autofahrer

Auto und Internet wachsen schnell zusammen. Experten fürchten nicht nur um die Sicherheit der Daten. Es ist auch unklar, wem diese eigentlich gehören.

Daimler hat nun gehandelt und baut mit der Komplettübernahme von MyTaxi seine Mobilitätsdienstleistungen aus. Dazu zählt bereits das Carsharing-Angebot „Car2Go“. Das Ziel: Mobilität soll „einfacher“ und „integrierter“ werden. Mit der Tochter Moovel wollen die Stuttgarter die unterschiedlichsten Verkehrsmittel vereinen: Auto, Bahn, Straßenbahn, Bus, Mitfahrgelegenheiten, Taxen. In Nordamerika übernimmt Moovel gerade die ähnlich aufgezogene Mobilitätsplattform RideScout, die dort in etwa 70 Städten funktioniert.

Auch andere Hersteller wie BMW oder Volkswagen arbeiten derzeit an Zukunftskonzepten. Es geht dabei auch darum, der jüngeren Generation, die Autos oft längst nicht mehr als Statussymbol betrachtet, Alternativen zum klassischen eigenen Wagen zu bieten. Außerdem sollen auf diesem Weg neue Technologien ausprobiert werden.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Das Denken gehe weg vom Thema „Wie verkaufe ich ein Auto?“ und hin zur Frage „Wie kann man das Auto am besten in einer Mobilitätskette nutzen?“, erklärt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Die neuen Mobilitätskonzepte seien ein wichtiges Thema für die Autobauer mit „enormen Möglichkeiten“.

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