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09.10.2014

13:52 Uhr

Billiger, kleiner, schneller

Der Siegeszug von Kollege Roboter

VonChristoph Lixenfeld
Quelle:CIO

Sie können alles, brauchen keine Pausen, keinen Feierabend, arbeiten im Dunkeln und erobern immer mehr Fabriken: Was der Siegeszug der Roboter, auf die auch Google, Amazon und Honda setzen, für die Wirtschaft bedeutet.

Größter Importeur solcher Maschinen ist China, was nur auf den ersten Blick überrascht. dpa

Größter Importeur solcher Maschinen ist China, was nur auf den ersten Blick überrascht.

DüsseldorfWenn wir an Roboter denken, dann stellen sich die meisten von uns noch immer merkwürdige Wesen vor, die zwar eine menschenähnliche Statur haben, sich aber ruckelig bewegen und holprig sprechen - wenn überhaupt. Mit der Realität im Jahr 2014 hat das wenig zu tun: Moderne Roboter sind in ihrer äußeren Erscheinung oft viel weiter vom Menschen entfernt als in der beschriebenen Klischeevorstellung, dafür in ihren Fähigkeiten näher an ihm dran. Sie sind sensibel, dialogfähig, flexibel. Und sie dringen in immer mehr Bereiche unseres Lebens ein, ersetzen Arbeitsplätze, verändern Geschäftsmodelle.

Wohin diese Reise geht, und welch riesigen Chancen in der Robotertechnologie stecken, das hat das ‚Center for Sensing & Mining the Future‘, ein Thinktank der Boston Consulting Group, jetzt detailliert untersucht. Wir dokumentieren die wichtigsten Ergebnisse.

Roboter werden schon seit Jahren in kriegerischen Auseinandersetzungen genutzt oder dazu, die Folgen von Kriegen zu lindern, etwa wenn sie Landminen unschädlich machen. Aber Roboter können auch servieren, saubermachen, tanzen, ja sogar Geige spielen, pflegebedürftige Menschen baden oder Medikamente verteilen. Kurz gesagt sind sie technisch längst in der Lage, unzählige Jobs zu übernehmen, die bisher Menschen vorbehalten sind - und das in Regel zu wesentlich niedrigeren Kosten.

Tiere, Menschen und Roboter erobern das Weltall

Erster Affe

Erste Versuche, Affen ins All zu schicken, gehen bis ins Jahr 1948 zurück. Am 11. Juni startete der Rhesusaffe „Albert I“ an Bord einer Rakete in Richtung Weltraum. Bereits ein Jahr später folgte ein weiterer Versuch mit „Albert II“, der eine Höhe von mehr als 130 Kilometern erreichte. Der Affe starb beim Aufprall auf die Erde.

Erster Hund

Seit Beginn der 1950er Jahre wurden auch Hunde ins Weltall geschickt. Das erste Lebewesen, das gezielt in eine Erdumlaufbahn gebracht wurde, war im November 1957 die russische Hündin Laika. Das Tier überlebte die Reise nicht.

Erste Frau

Mit 26 Jahren flog die russische Kosmonautin Valentina Tereschkowa im Juni 1963 als erste Frau in den Weltraum. Sie startete mit dem Raumschiff „Wostok VI“ und umkreiste in fast drei Tagen 48 Mal die Erde.

Erster Deutscher

Im August 1978 brach der DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn mit dem Raumschiff „Sojus 31“ zur Raumstation „Saljut 6“ auf. Nach 124 Erdumkreisungen und einer Flugdauer von sieben Tagen, 20 Stunden und 49 Minuten kehrte er wieder zur Erde zurück.

Erster Tourist

Der US-amerikanische Unternehmer und Multimillionär Dennis Tito reiste 2001 als erster Weltraumtourist zur Internationalen Raumstation ISS – für rund 20 Millionen US-Dollar.

Erster Roboter

Der japanische Mini-Astronaut „Kirobo“ sprach 2013 als erster zweibeiniger Roboter im All zu den Erdbewohnern. Der kleine Blechmann soll den Forschern auf der ISS Gesellschaft leisten und gilt als guter Zuhörer.

Die neuen Helfer werden für drastisch steigende Produktivität sorgen und zugleich regionale Unterschiede bei Lohnkosten und Verfügbarkeit bestimmter Skills einebnen. Mit entsprechenden Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen oder Regionen: Beispielsweise sind in Zukunft Länder mit vielen Roboter-Spezialisten und der entsprechenden Infrastruktur für Investoren eher interessant als solche mit billigen Arbeitskräften.

Die Boston Consulting Group (BCG) glaubt, dass diese Entwicklung unsere globale Ökonomie nachhaltig verändert, und zwar mit beeindruckendem Tempo: Nach Schätzungen der Experten und verschiedenen Branchenverbänden steigen die globalen Ausgaben für Robotertechnologie von 15 Milliarden Dollar im Jahre 2010 auf 67 Milliarden 2025. Befeuert wird dieses Wachstum von einer Kombination aus technischem Fortschritt und fallenden Preisen für die erforderlichen Komponenten. Und weil Roboter billiger und kleiner werden, können sie in immer mehr Lebensbereiche vordringen.

Abgesehen von gefährlichen Einsätzen in Krisengebieten führten Roboter über Jahrzehnte in erster Linie einfach, repetitive Tätigkeiten aus, beispielsweise das Lackieren von Türen in der Automobilindustrie. In solchen Bereichen sind Automaten schlicht billiger als Menschen. Mittlerweile tun sie aber auch häufig Dinge, die sie besser können. Bei der schwedischen Charkman Group zum Beispiel schneiden und verpacken Roboter große Mengen von Salami, Schinken und anderen Fleischprodukten. Ihr Vorteil liegt - abgesehen vom Arbeitstempo - darin, dass sie vollkommen keimfrei sind.

Auch die Einsatzgebiete jenseits der Fertigungsindustrie weiten sich immer mehr aus, weil wichtige Player an den Nutzen von Robotern glauben. Amazon zum Beispiel zahlte 775 Millionen Dollar in bar für Kiva Systems, einen Hersteller von Logistik-Robotern, die Lagerarbeiter beim Kommissionieren und Verpacken der bestellten Ware ersetzen können. Amazon hatte Kivas‘ Roboter bereits seit Jahren im Einsatz, kündigte nach der Akquisition im Jahre 2012 an, die Anzahl der eingesetzten Automaten von 1.400 auf 10.000 steigern zu wollen.

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