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07.10.2014

10:47 Uhr

Claas, Michelin, GE

Wie Sie Rendite aus dem „Internet der Dinge“ ziehen

VonChristiane Pütter
Quelle:CIO

Landmaschinenbauer rüsten Traktoren mit Sensoren aus, Reifenhersteller überwachen digital die Reifenleistung. Eine neue Studie von Accenture zeigt, wie Unternehmen mit dem Internet der Dinge lukrative Angebote kreieren.

Beim Nutzmaschinen-Hersteller Claas laufen dank neuer Sensortechnologie Mähdrescher und Traktoren per Autopilot. pr

Beim Nutzmaschinen-Hersteller Claas laufen dank neuer Sensortechnologie Mähdrescher und Traktoren per Autopilot.

DüsseldorfDen Begriff vom Internet der Dinge (IoT) präzisiert die IT-Beratungsfirma Accenture als Industrial Internet of Things (IIoT). In der Studie „Driving unconventional growth through the industrial internet of things“ schreiben die Analysten über die neuen Chancen, die die Technologie Unternehmen bietet.

Das Adjektiv unkonventionell fasst die Forderungen der Analysten zusammen: Vor allem geht es darum, die eigenen Produkte und Dienstleistungen in einen neuen Zusammenhang zu stellen. Beispiele dafür gibt es laut Accenture in jeder Branche. So stattet die Firma Claas ihre landwirtschaftlichen Maschinen mit Sensoren aus. Zudem schließt sich der Traktor-Hersteller mit anderen Unternehmen zusammen und offeriert unter dem Namen 365FarmNet Betriebs-Software für Bauern.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Michelin, als Reifenhersteller bekannt, unterstützt Manager von Lastwagenflotten. Die digitale Produktlinie Michelin Solutions bietet quasi „Reifen-as-a-Service“ an. Nach dem Pay-per-Use-Prinzip kontrollieren Sensoren die Leistung der einzelnen Reifen. Möglich ist das, weil Entscheider über die klassischen Grenzen hinausgedacht haben. Die Experten von Accenture sprechen hier von Produkt-Service-Hybriden. Die Entwicklung solcher Ideen folgt laut der Analyse einem Sieben-Punkte-Plan, der Folgendes umfasst:

1. Denken in alle Richtungen: Am Anfang dürfen ruhig wilde Spekulationen stehen. Unternehmen sollten sich fragen, welche Services rund um welche Produkte ihren Kunden nutzen könnten. Weitergedacht, können sie sich fragen, was den Kunden ihrer Kunden nutzen könnte. Dazu gehört auch eine sachliche Bestandsaufnahme dessen, wie weit das Unternehmen auf diesem Weg schon ist und wie es die nötigen Skills entwickeln kann.

2. Das Umfeld der Partner beobachten: Weil der eigene Erfolg auch von Partnern und Zulieferern abhängt, muss deren Umfeld beobachtet werden. Zum einen können über dieses Umfeld neue Kunden erreicht werden, zum anderen könnten Partner der Partner im eigenen Umfeld wildern.

3. Design und Entwicklung der Plattform angehen: Von der technologischen Seite her ist zu prüfen, welche Plattform das Unternehmen braucht. Entscheider müssen festlegen, ob und welche Zugriffsmöglichkeiten Externe (Entwickler, Zulieferer, Kunden) haben sollen. Eine weitere Frage lautet, welche Services man über welche Kanäle anbieten will.

4. Die finanzielle Seite betrachten: In den finanziellen Fragen geht es statt wilder Spekulationen um möglichst realistische Betrachtungen künftiger neuer Umsätze. Die Kosten des Transformationsprozesses gehören in diese Betrachtung ebenso wie die Gestaltung von Preisen und Margen.

5. Die neuen Angebote verkaufen: Unternehmen müssen ihre Vertriebspartner von den Vorteilen der neuen Angebote überzeugen. Konflikte können entstehen, wenn das Unternehmen Services jetzt online anbieten will, die zuvor über einen Vertriebspartner gelaufen sind.

6. Sich in Rechts- und Datenschutzfragen auf den neuesten Stand bringen: Wer seine haptischen Produkte um digitale Services erweitert, betritt in Rechtsfragen möglicherweise Neuland. Gesetzliche Vorgaben und Datenschutzbestimmungen sind zu beachten.

7. Den Menschen nicht vergessen: Wer bisher handfeste Maschinen produziert hat und diese nun um digitale Dienstleistungen erweitert, mutet den Mitarbeitern erhebliche Umstellungen zu. Sie dürfen nicht auf der Strecke bleiben. Schließlich soll die Produktivität steigen.

Accenture schreibt dem Industrial Internet of Things (IIoT) großes Potenzial zu. Nach den Zahlen der Analysten haben Unternehmen 2012 etwa 20 Milliarden US-Dollar rund um das IIoT ausgegeben. 2020 werden es 500 Milliarden sein, und das halten die Analysten noch für eine konservative Schätzung.

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