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16.09.2014

14:19 Uhr

Digitalisierte Geschäftsprozesse

Die Lotsen gehen an Bord

VonSteffen Ermisch

Ein millionenschweres Förderprogramm soll die Digitalisierung im Mittelstand vorantreiben. Denn der hat großen Nachholbedarf in Sachen Onlinemarketing und Social Media.

Der Mittelstand hat in Sachen Onlinemarketing und Socialmedia noch Nachholbedarf. ap

Der Mittelstand hat in Sachen Onlinemarketing und Socialmedia noch Nachholbedarf.

KölnOb Dachdecker, Tischler oder Elektriker - viele Handwerksbetriebe verzichten auf die Chance, online neue Kunden zu gewinnen. Erst die Hälfte von ihnen hat eine eigene Homepage, ergab jüngst eine Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Die Ergebnisse passen zu einer Studie der Initiative „Antrieb Mittelstand“, einem Projekt der Telekom und des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, vom vergangenen Jahr: Danach haben Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern großen Nachholbedarf in Sachen Onlinemarketing und Social Media.

Naturgemäß finden sich Ratschläge zu Themen wie diesen zuhauf im Internet. Kostenlose Unterstützung gibt es aber auch offline: 38 über die Republik verteilte Informationsbüros wollen Mittelständler noch bis Oktober 2015 bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse unterstützen. Beteiligt sind Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Forschungszentren und Universitäten. Sogenannte E-Business-Lotsen organisieren Vorträge zu IT-Themen, erstellen Ratgeber und bieten individuelle Informationsgespräche an.

Erfolgsfaktoren für Web-Shops

Front-End und Back-End

Sie müssen nahtlos miteinander integriert sein. Das heißt, wenn der Besucher im Shop eine Bestellung auslöst, muss dieser Prozess in den nachgelagerten Warenwirtschafts-, Kundenwirtschafts- und Produktmanagementsystemen sauber abgebildet werden.

Multi- und Cross-Channel

"In Zukunft wird es immer wichtiger sein, mehrere Kanäle gleichzeitig zu bedienen und diese gut miteinander zu vernetzen", so Reupert. Beispielsweise können integrierte Prozesse in den Webshops von Einzelhändlern eine Funktion bieten, über die der Besucher herausfindet, ob ein Artikel in einer bestimmten Filiale vorrätig ist. "Denn nach wie vor informieren sich viele Kunden im Internet und kaufen dann doch im stationären Handel."

Mobile Enablement

Der Trend zum Smartphone hält an und darum ist es für Shop-Betreiber elementar, den Shop-Content auch mobil zur Verfügung zu stellen, um Kunden nicht an technisch fortschrittlichere Konkurrenten zu verlieren.

Produktdatenqualität

Studien haben gezeigt, dass rund ein Drittel der Kaufabbrüche in einem Web-Shop auf der Produktdetailseite erfolgen. Daher ist die Qualität von Produktbeschreibungen und Produktbildern elementar wichtig. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, rät Reupert: Besser als die Mitbewerber über Produkte informieren, bessere Usability und effektive Suchmaschinenoptimierung.

Quelle: Achim Reupert, Experte des Dienstleisters Nionex, auf Mittelstandsmanager.de

Finanziert werden die Angebote aus der Staatskasse mit knapp 25 Millionen Euro. Öffentliche Kritik an dem Programm ist nirgends zu hören - wohl auch, weil die E-Business-Lotsen penibel darauf achten, den Consultingfirmen und IT-Systemhäusern keine Konkurrenz zu machen. „Wir geben Informationen und Tipps, leisten aber keine konkrete Beratung“, sagt Holger Schneider, Projektleiter beim E-Business-Lotsen Ruhr. „Beispielsweise sagen wir Unternehmen, ob der Einsatz einer bestimmten Art von Software für sie sinnvoll ist. Einzelne Anbieter empfehlen wir aber nicht.“

Anfragen kommen von Unternehmen aller Branchen, auch inhaltlich ist die Bandbreite groß, sagt Bernd Heß, Leiter des Lotsen-Teams Pfalz: „Oft werden allgemeine Informationen zu Themen wie Onlinemarketing gebraucht. Die Unternehmen kommen aber auch mit sehr konkreten Problemstellungen auf uns zu.“ So habe man einer Agentur Hinweise gegeben, wie sich ihre Social-Media-App optimieren lässt. Ein Reifenhändler dagegen brauchte Tipps bei der Umstellung auf elektronische Rechnungen.

Hinter jeder Lotsen-Stelle steht eine Handvoll Berater mit bestimmten Fachgebieten. „Wenn wir selbst nicht weiterhelfen können, vermitteln wir an andere Spezialisten im bundesweiten Netzwerk“, sagt Heß. Wie viele Unternehmen insgesamt die Dienste der E-Business-Lotsen seit dem Start im Oktober 2012 in Anspruch genommen haben, ist nicht bekannt. Überlastet scheinen die Büros nicht zu sein - der Projektleiter für die Pfalz spricht von „500 Informationskontakten“, im Ruhrgebiet waren es „mehrere Hundert Anfragen“.

Das bisher eher verhaltene Interesse führt dazu, dass sich die Lotsen mitunter viel Zeit nehmen können. Über 15 Einzeltermine hat Kirsten Nixdorf-Eckes in Anspruch genommen. Die ehemalige Sekretärin vertreibt seit über einem Jahr im Internet einen selbst entwickelten Halter für Kochtopfdeckel. In der Lotsen-Stelle bekam sie Tipps für den Onlineshop. So erfuhr sie, wie das Impressum aussehen muss, welche Regelungen es zum Widerrufsrecht gibt und wie man einen Facebook-Auftritt aufbaut.

„Damit war ich gerüstet, um dann eine Agentur mit der Umsetzung beauftragen zu können“, erläutert Nixdorf-Eckes. Die persönlichen Gespräche halte sie für viel zielführender als eine Internetrecherche. „Online findet man zwar alles. Aber man weiß nicht, was wirklich wichtig ist.“

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