Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.09.2014

15:55 Uhr

Erfolgreiche Start-ups

Nie mehr Schlange stehen auf der Autobahn

VonJens Koenen

Der Navi-Markt ist gesättigt, trotzdem will Graphmasters die Routenberechnung revolutionieren. „Wir wollen der neue Standard der Routenberechnung werden“, kündigt Gründer Christian Brüggemann an.

Dicht an dicht stehen Autos in der Rushhour auf der Stadtautobahn A100 in Berlin. Genau das will ein Start-up ändern. dpa

Dicht an dicht stehen Autos in der Rushhour auf der Stadtautobahn A100 in Berlin. Genau das will ein Start-up ändern.

Bescheidenheit ist nicht unbedingt die Sache von Christian Brüggemann. „Wir wollen der neue Standard der Routenberechnung werden“, gibt der Gründer von Graphmasters das Ziel vor. Angesichts des eigentlich gesättigten Navi-Markts ist das eine echte Herausforderung.

Doch Brüggemann hat Biss. Und so wird er nicht müde, die Werbetrommel für seine Idee zu rühren. Nahezu jeden Preis der deutschen Gründerszene hat er mit Graphmasters mittlerweile gewonnen, auch bei der Gründerinitiative Weconomy war er im vergangenen Jahr erfolgreich.

Brüggemann will Staus verhindern. Schon als Student tüftelte er an einem neuen Algorithmus für die Verkehrssteuerung. Seine Analyse: „Alle Navi-Systeme haben die gleiche Datenbasis. Wir haben so viele Staus, weil sich so viele Fahrer auf ihre digitalen Geräte verlassen.“

Christian Brüggemann will mit seinem Start-up Graphmasters den Navi-Markt revolutionieren. PR

Christian Brüggemann will mit seinem Start-up Graphmasters den Navi-Markt revolutionieren.

Genau das will Brüggemann ändern. Seine Lösung: Graphmasters legt für jede Straße eine bestimmte Kapazität fest. Diese wird mit den von den Fahrern auf ihrem Navi angeforderten Ausweichrouten verglichen. Ein Algorithmus berechnet dann, wann eine Strecke als ausgelastet gilt, und weist den nächsten Fahrern eine alternative Route zu.

„Wir haben viele Simulationen in der Rushhour durchgeführt. Wir konnten die Fahrzeuge doppelt so schnell durch den Verkehr lenken“, so Brüggemann. Der Haken: Am besten arbeitet das System, wenn es die Daten von möglichst vielen Autofahrern verarbeiten kann. Graphmasters muss also an die etablierten Unternehmen der Branche heran. Erste Schritte sind bereits getan. So arbeitet Graphmasters seit kurzem im Testbetrieb mit dem Autozulieferer Bosch zusammen.

Start-up gegen den Stau

Graphmasters will Verkehr verbessern

Das Start-up Graphmasters will den Verkehr schneller fließen lassen. Nutzer übermitteln ihr Fahrtziel und ihre Position, das System berechnet die ideale Strecke – und zwar nicht nur für einen Teilnehmer, sondern für alle. Die Routen werden dafür aufeinander abgestimmt.

Zwei Routenvorschläge

Die Graphmasters-App Greenway macht zwei Routenvorschläge: Einen normalen – und den „Greenway-Weg“. Der verspricht eine schnellere Verbindung und damit weniger Spritkosten.

Informatiker am Werk

Die Gründer sind allesamt Informatiker – Iulian Nitescu und Christian Brüggemann beschäftigten sich schon im Studium mit Graphentheorie, die der Technologie zugrunde liegt. Später stießen Sebastian Heise, Elia Franke und Helge Holzmann hinzu. Nach einigen erfolgreichen Programmierwettbewerben gründeten sich im Februar 2013 das Unternehmen.

Big Data im Hintergrund

Um die Berechnungen in Echtzeit zu ermöglichen, setzt Graphmasters Big-Data-Technologie ein. Diese ermöglicht die Verarbeitung großer Datenmengen in Echtzeit, darunter die Positionsdaten der Autos und die aktuellen Verkehrsinformationen.

Hannover, Bukarest und Lausanne

Derzeit hat Graphmasters elf Mitarbeiter. Das Entwicklungsteam sitzt in Hannover, ein Büro ist in Bukarest – einer der Gründer kommt aus der rumänischen Hauptstadt. Mit der renommierten Technik-Universität EPSL in Lausanne ist das Start-up eine Partnerschaft eingegangen, um sich in Sachen Verkehrsforschung zu verstärken.

Geldgeber gesucht

Graphmasters ist auf der Suche nach einem Risikokapitalgeber. Derzeit finanziert sich das Start-up hauptsächlich über Ressourcen der Gründer.

Auch die Berliner Sablono GmbH, ein anderer Gewinner des Weconomy-Wettbewerbs, zeigt, wie eng die Welten der jungen und der etablierten Unternehmen verbunden sind. Die erst im vergangenen Jahr von drei Bauinformatikern der TU Berlin gegründete Firma bietet eine Software an, mit der aus dem Ruder laufende Zeitpläne und Kosten bei Bauprojekten verhindert werden sollen.

„Dass Bauprojekte eine Katastrophe sein können, muss man wohl nicht mehr erläutern“, sagt Lukas Olbrich, Mitgründer und Geschäftsführer des Start-ups, mit einem Grinsen. „Wir gehen davon aus, dass Terminpläne, die mit unser Software erstellt werden, um das Tausendfache exakter sind als die herkömmlichen“, verspricht Olbrich.

Damit nicht genug. Auch Daten zur Dokumentation des tatsächlichen Bauablaufs seien viel schneller und besser darzustellen als mit herkömmlichen IT-Werkzeugen. Seit Juni 2013 ist auch eine mobile Version des „Controllingtools“ auf dem Markt. Und das Interesse ist groß, auch bei etablierten Unternehmen. So hat sich neben dem High-Tech-Gründerfonds und Hasso-Plattner-Ventures auch der Softwarespezialist Nemetschek Allplan an der Firma beteiligt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×