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11.09.2014

15:56 Uhr

Franz Fehrenbach

„Wir haben eine Riesenchance bei der Digitalisierung“

VonJens Koenen, Hans-Jürgen Jakobs

Es fehlt ein ganzheitliches Konzept zur wirksamen Förderung der Gründerszene, findet Franz Fehrenbach, der Chef des Bosch-Aufsichtsrats. Er fordert einen Pakt, um die Chancen der Digitalisierung optimal nutzen zu können.

Bosch-Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach: Der 65-Jährige ist Vorsitzender des Lenkungskreises der Wissensfabrik. Andy Ridder für Handelsblatt

Bosch-Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach: Der 65-Jährige ist Vorsitzender des Lenkungskreises der Wissensfabrik.

Der Ort begeistert Franz Fehrenbach immer wieder aufs Neue. Kein Wunder: Der Blick aus den großen Fenstern des Hauses Heidehof über den Park der angrenzenden Bosch-Villa bis runter ins Tal auf Stuttgart ist wunderschön. Es ist ein inspirierender Flecken im Grünen. Nebenan hat Firmengründer und Erfinder Robert Bosch gelebt. Der richtige Ort, um mit Franz Fehrenbach über Gründer und Unternehmertum in Deutschland zu sprechen.

Herr Fehrenbach, Sie sind groß geworden in einem Konzern mit festen Regeln und Abläufen. Was fasziniert Sie an Start-ups, also an eher wilden Unternehmen?
In fast 40 Jahren bei Bosch habe ich mich selbst immer auch als Unternehmer im Unternehmen gefühlt. Ich habe immer so gehandelt, wie ich es getan hätte, wenn ich Eigentümer von Bosch wäre.

Aber es gibt doch riesige Kulturunterschiede zwischen kleinen und großen Unternehmen.
Für mich ist immer wieder beeindruckend, wenn ich sehe, mit welchem Elan und mit welchem kreativen Denken Jungunternehmer an die Sache rangehen. Diese Dynamik gibt es aber auch in großen Organisationen, obwohl der größte Feind des Fortschritts in Konzernen die Langsamkeit ist, die Bürokratie. Deshalb nehmen große Unternehmen oft neue Ideen raus aus der Linienorganisation und bilden eigene, unabhängige Bereiche, quasi interne Start-ups.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Was genau können Konzerne von Web-Firmen lernen?
Kreativität und Offenheit für Neues, sich die Freiheit zu nehmen, auch mal ganz quer zu denken. Großunternehmen haben funktionierende Prozesse. Das ist einerseits ein großer Vorteil, beispielsweise für die Produktqualität, andererseits kann das ein Hemmnis sein, wenn Ideen entstehen sollen.

Veranstaltungen wie die Gründerinitiative Weconomy bringen gestandene Manager und Jungspunde der Wirtschaft zusammen. Sollte es sie häufiger geben?
Sicher. Wir organisieren künftig zusätzlich zum Weconomy-Wochenende, das Nachwuchsunternehmer mit Managern zusammenbringt, dreimal im Jahr Workshops, in denen Jungunternehmer auf Fachexperten etablierter Unternehmen treffen. Dort arbeiten alle gemeinsam an den Themen, die die Start-ups am besten und schnellsten voranbringen.

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Die Europäer beklagen sich seit einiger Zeit, das Internet werde von den Amerikanern beherrscht. Wie sehen Sie die Kräfteverhältnisse?
Die großen Plattformen im Internet werden dominiert von den Amerikanern. Das ist Fakt. Wir sollten auch nicht glauben, das noch richten zu können. Dieser Zug ist für Deutschland eigentlich abgefahren.

Sie sprechen über Giganten wie Google, Amazon, Facebook oder Apple. Welche Chancen bleiben da den ausmanövrierten Deutschen?

Wir haben eine Riesenchance bei der Digitalisierung, vor allem bei der Vernetzung, also der Verbindung von Hardware und Software. Hier hat Deutschland in wesentlichen Domänen eine Spitzenstellung, etwa in der Automobilwirtschaft oder im Maschinenbau. Uns muss es jetzt gelingen, die Start-ups, die bisher vor allem im IT- und Telekommunikationsbereich tätig sind, mit der Industrie zu verknüpfen.

Kommentare (1)

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Herr Omarius M.

11.09.2014, 16:19 Uhr

vor allem wird es wie die DAmpfmaschiene einst.....

jede menge Arbeitskraft unnötig machen.....

das erzählt man den leuten aber nicht....

man sollte schon mal über eine alternative gesellschaft nachdenken... nicht das wir ein 2 tes Weimar bekommen

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