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23.09.2014

11:52 Uhr

IAA

Der letzte Gruß vom Trucker

VonLukas Bay

Der Lkw der Zukunft fährt sich selbst. Das prognostiziert jedenfalls Marktführer Daimler. Wie diese Vision die Arbeit der Lkw-Fahrer und die ganze Transportbranche verändern könnte.

Daimler auf der IAA

In Zukunft fährt der Truck von selbst

Daimler auf der IAA: In Zukunft fährt der Truck von selbst

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Eine Nutzfahrzeugmesse ist normalerweise kein Ort für große Emotionen. Wo es um Nutzlast und Spritsparsysteme geht, wird kalkuliert, nicht geträumt. Daimler-Chefdesigner Gordon Wagener wagt es an diesem Abend trotzdem. Er, der oberste Kreative bei Mercedes, der Designer der S-Klasse, ist einen Tag vor der Eröffnung der Nutzfahrzeug-IAA nach Niedersachen gekommen, um auf dem Markenabend von Daimler zu beweisen, dass man bei aller Vernunft auch beim Design von Lkws visionär sein will. Am Ende seiner Rede traut sich Wagener sogar, beiläufig die berühmten Worte des verstorbenen Apple-Chefs Steve Jobs zu zitieren. „One more thing“.

Dann rollt Daimlers Vision vom Lkw der Zukunft herein. Nicht nur auf den ersten Blick hat der „Future Truck 2025“ wenig gemein mit den Brummis, wie man sie von der Autobahn kennt: Den markanten Kühlergrill haben sich die Daimler-Designer gespart, die Scheinwerfer auch und selbst Rückspiegel sucht man vergeblich. Stattdessen glänzt die glatte Frontpartie in Silber, der Motor brummt auf, hunderte LEDs schimmern in weiß, blau und orange.

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Am Steuer sitzt der Daimler-Nutzfahrzeugchef Wolfgang Bernhard persönlich. Er lenkt den Truck, der eigentlich völlig autonom fahren könnte, die letzten Meter zu seinem Platz vor den Zuschauerreihen. Man will heute kein Risiko eingehen. Der „Future Truck“ kann sich heute keine Peinlichkeiten erlauben. Er ist das neue Lkw-Flaggschiff des Weltmarktführers. Ein Truck wie ein Ufo. Daneben steht Daimler-Manager Bernhard und lächelt in die Kameras.

Trucker, war das nicht mal ein Beruf, der nach Schweiß und Diesel riecht? Geht es nach Daimler, könnte das schon das in zehn Jahren Vergangenheit sein. Zwar braucht auch der „Future Truck 2025“ weiter einen Fahrer, doch echte Trucker, die braucht er nicht mehr. Nach der Daimler-Vision gleicht der Beruf des Fernfahrers künftig eher dem eines Piloten. Gesteuert wird der „Future Truck“ ganz ähnlich wie ein Flugzeug. „Highway Pilot“ hat der Hersteller einen Autopiloten an Bord getauft, der alle Daten der Kameras und Sensoren des Trucks zentral sammelt. Ist er eingeschaltet, pulsieren die LEDs an der Front des Lkws in Blau – fast, als hätte der Laster einen Herzschlag. Dann fährt er wie von selbst.

Für den Fahrer bleibt dann nur die passive Rolle: Statt am Lenkrad zu manövrieren, erledigt er alle wesentlichen Steuerbefehle über zwei Touchpads – wie im papierlosen Büro. Ohnehin erinnert der Innenraum des „Future Trucks“ eher an eine Lounge als an ein Führerhaus: Weiße Ledersessel, ein Boden in Holzoptik und eine LED-durchzogene Armatur.

Das Leben des Fernfahrers könnte so künftig deutlich angenehmer werden. Wichtig in einer Branche, der in den vergangenen Jahren der Nachwuchs abhanden gekommen ist. Statt gestresst im Stau zu stehen, könnten Fahrer hinter dem Steuer neue Aufträge entgegen nehmen und bearbeiten oder mit Bekannten oder der Familie skypen. Lenken müssen sie eigentlich nicht mehr.

Kommentare (7)

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Herr Tobias Wahrsager

23.09.2014, 12:09 Uhr

Es ist was die fahrerlose Fahrzeugführung angeht schon viel prognostiziert worden. Praktische Probleme haben dann das meiste davon doch ins Reich der Fata Morgana geschickt. Und überhaupt, wie soll das mit dem fahrerlosen Truck eigentlich bei Zollkontrollen und Dokumentenvorlegen bei Grenzübergängen vor sich gehen? Und entlädt dann der Roboter die Waren beim Kunden? Was in 100 Jahren ist, weiß ich nicht, aber noch für eine längere Zeit dürfte das mit dem fahrerlosen Truck in den allermeisten Fällen nicht funktionieren. Also: ein neuer Gruß für neue Trucker!

Herr Fritz Yoski

23.09.2014, 12:27 Uhr

Der letzte Gruß vom Geringqualifizierten.
Automation wird es bald (naechsten 10 Jahren) in allen Bereichen geben die heute von Geringqualifizierten ausgefeuhrt werden. Vom Erdbeerenpfluecker, LKW Fahrer bis zum Burger Koch bei McD wird alles auf Automation umgestellt.
Was machen die Gernigqualifizierten dann? HartzIV, Proteste, freiwillig zu ISIS? Keine Ahnung aber so wird es kommen.

Herr Helmut Metz

23.09.2014, 13:04 Uhr

Die linken Umverteilungs-Utopisten meinen dazu: BGE für Alle - die Produktivität würde durch den Automatisierungs-Schub dermaßen erhöht, dass explodierende Steuereinnahmen dafür Sorge tragen, dass auch Geringqualifizierte mitversorgt werden könnten. ;-)
Die Pessimisten glauben: soziale Unruhen werden die Folge sein - gerade in Staaten mit hohem Bevölkerungswachstum und hohem Anteil an Jugendarbeitslosigkeit und dementsprechend "Revolutionspotenzial" (der "Arabische Frühling" lässt grüßen).
Der Ökonom, der sich mit Langwellen-Zyklen beschäftigt, sieht es dagegen ganz anders: nach dem Ende der globalen Schulden-(Kredit-)Blase werden wir erst einmal wieder einen starken Rückgang bei Komplexität und Automation haben - eine grundlegende Basisinnovation (wie etwa die Erfindung der Dampfmaschine oder des Computers) wird dann aber wieder einen neuen Zyklus mit Konjunkturschub und starkem Beschäftigungswachstum einleiten:
http://www.heise.de/tp/artikel/32/32681/1.html

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