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16.10.2014

14:36 Uhr

Industrie 4.0 hält Einzug

Maschinen, sprecht miteinander!

In der Fabrik der Zukunft kommunizieren Maschinen miteinander und der Bildschirm ersetzt das Papier: In deutschen Firmen halten derzeit Technologien der Industrie 4.0 Einzug. Doch die schöne neue Welt hat Schattenseiten.

Das Potenzial für deutsche Firmen ist groß: Allein im Maschinen- und Anlagenbau wird dadurch bis 2025 ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von 23 Milliarden Euro durch Industrie 4.0 erwartet. dpa

Das Potenzial für deutsche Firmen ist groß: Allein im Maschinen- und Anlagenbau wird dadurch bis 2025 ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von 23 Milliarden Euro durch Industrie 4.0 erwartet.

StuttgartWas früher die Zettel im Setzkasten waren, übernimmt mittlerweile ein kleiner schwarzer Tablet-Computer. Um den aktuellen Produktionsplan zu erfahren, müssen Mitarbeiter des baden-württembergischen Antriebsspezialisten Wittenstein damit nur noch ihre Maschinen fotografieren. Denn auf denen prangt ein sogenannter QR-Code, der alle nötigen Informationen auf den Bildschirm des Mini-Computers sendet. Die Werkstatt steht damit für etwas, das zurzeit in aller Munde ist: Industrie 4.0, die vierte industrielle Revolution.

„Es kommt dadurch zu weniger Fehlern“, sagt Mitarbeiter Marco Kayser. Bei den von Hand in Setzkästen gesteckten Aufträgen sei die Gefahr größer, dass etwas durcheinandergerate. Kayser ist Teil eines Projektteams für sogenannte cyber-physische Systeme. Was nach Science Fiction klingt, bedeutet vereinfacht gesagt, dass Maschinen über das Internet miteinander kommunizieren. Hinter dem Begriff Industrie 4.0 verbirgt sich eine digitalisierte Produktion.

Industrie 4.0

Die vierte industrielle Revolution

So mancher sieht die Vernetzung der Fabrik als vierte industrielle Revolution – nach der Mechanisierung mit Wasserkraft und Dampfmaschinen, arbeitsteiliger Massenproduktion auf Fließbändern und Einführung von Elektronik und IT.

Unterschiedliche Begriffe

Für die Vernetzung der Produktionsanlagen wird häufig der Begriff Industrie 4.0 verwendet – die Hannover Messe machte den Begriff vor einigen Jahren populär. Fachleute sprechen auch von cyberphysischen Systemen, in denen also physische und virtuelle Welt sich vermischen. Wenn Gegenstände vernetzt werden, ist auch vom Internet der Dinge die Rede – das gilt nicht nur für Fabriken, sondern auch für Autos oder Häuser.

Industrie kauft immer mehr IT

Weil industrielle Fertigung und IT immer stärker zusammenwachsen, wird die Industrie zu einem wichtigen Kunden für die IT-Branche: Sie trägt inzwischen rund ein Fünftel zum Umsatz bei, wie der Branchenverband Bitkom mitteilt. Da verwundert es nicht, dass die Organisation auf der Industriemesse präsent ist.

Gefördert von der Bundesregierung

Auch die Politik bemisst dem Thema große Bedeutung bei, die Bundesregierung betrachtet Industrie 4.0 in seiner Hightech-Strategie als „Zukunftsprojekt“. Gut für Wirtschaft und Wissenschaft: Das beinhaltet ein Fördervolumen von 200 Millionen Euro.

Viele offene Fragen

Der Durchbruch der Industrie-4.0-Technologie steht indes noch aus. Nicht zuletzt, weil viele Fragen offen sind. Welche Standards gelten? Welche Kommunikationsnetze werden dafür benötigt? Wie ist es um die Sicherheit der Anlagen bestellt?

Das Potenzial für deutsche Firmen ist groß: Allein im Maschinen- und Anlagenbau wird dadurch bis 2025 ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von 23 Milliarden Euro erwartet. Das geht aus einer Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) hervor.

Die Werkstatt der Wittenstein-Tochter Bastian in Fellbach bei Stuttgart ist Teil eines Forschungsprojekts, das von der Bundesregierung gefördert wird. Neben dem digitalen Produktionsplan steigert Wittenstein dadurch die Effizienz: So können Mitarbeiter Fehlermeldungen etwa mit dem Tablet-Computer dokumentieren und einsenden. Hinzu kommt, dass Material durch digitale Planung immer genau zu den Maschinen der Werkstatt gefahren wird, wo wirklich Nachschub nötig ist. Der zuständige Kollege muss so nur noch halb so oft fahren wie bisher.

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