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10.10.2014

14:06 Uhr

Industriedesign für die Bahn

Bier zapfen und shoppen im Waggon

VonCarina Kontio

Millionenschwere Industrieanlagen, die aussehen, als stammten sie aus den „Star Wars“-Filmen – das ist der Job von Christian Jaeger. Im Interview spricht der Designer über seine ästhetische Vision vom Zugverkehr.

Science-Fiction zum Anfassen: Die Colorman-e-Line-Druckmaschine der Firma Manroland kann auch Handelsblatt-Ausgaben drucken. Solche Maschinen, deren hochlänzend weiße Flächen an das Visier der Sturmtruppen aus „Krieg der Sterne“ erinnern, sind über zehn Jahre im Einsatz.

Science-Fiction zum Anfassen: Die Colorman-e-Line-Druckmaschine der Firma Manroland kann auch Handelsblatt-Ausgaben drucken. Solche Maschinen, deren hochlänzend weiße Flächen an das Visier der Sturmtruppen aus „Krieg der Sterne“ erinnern, sind über zehn Jahre im Einsatz.

Nicht nur Möbel, Vasen und Smartphones sollen schön sein: Der Designer Christian Jaeger hat sich mit seiner Agentur The Kaikay Company auf Industrieanlagen spezialisiert. Gute Formen seien längst kein Privileg mehr von Einrichtungsgegenständen, betont der Experte. Im Interview spricht er über ästhetische Industrieanlagen und seine Vision vom Zugverkehr der Zukunft.

Design galt in der Industrie bislang als vernachlässigbar – wie schaffen Sie es trotzdem, erfolgreich zu sein?
Christian Jaeger: Schon längst wünschen sich auch industrielle Kunden, dass sich schwere Maschinen genauso leicht und intuitiv bedienen lassen wie ein Smartphone. Wir betrachten die Produkte immer ganzheitlich. Dabei wird es immer wichtiger, die rasante digitale Entwicklung auch mit dem haptischen Produkt in Einklang zu bringen. Am Ende werden dann auch komplexe Dinge einfacher, handlicher und in ihrer Bedienung selbstverständlicher.

Christian Jaeger, Geschäftsführer, Diplomierter Industriedesigner und Kreativer Kopf. Er arbeitete schon für internationale Firmen wie Esprit und Festo. Produkt-, Interior- und Graphik Design sind für ihn keine Gegensätze sondern Synergien.

Christian Jaeger, Geschäftsführer, Diplomierter Industriedesigner und Kreativer Kopf. Er arbeitete schon für internationale Firmen wie Esprit und Festo. Produkt-, Interior- und Graphik Design sind für ihn keine Gegensätze sondern Synergien.

Also sind die Zeiten, in denen man dicke Kataloge wälzen und Betriebsanleitungen studieren musste, bald vorbei?
Das halte ich nicht nur für realistisch, sondern auch für notwendig. Design bedeutet für uns mehr als eine schöne Hülle um reichlich Technik, es verbindet Funktion mit Ästhetik und wird so zum Portal für die vielen, zum Schlüssel für intuitive Kommunikation. Bei unserer Arbeit geht es um Funktionalität und Benutzbarkeit – ganz egal ob es um eine kleine Bohrmaschine oder eine 250 Tonnen schwere Druckmaschine geht, die 90.000 Zeitungen pro Stunde produziert. Da immer weniger gut geschulte Fachkräfte diese teuren Anlagen bedienen ist es eine logische Konsequenz die Produktsprache allgemein verständlich zu machen.

Industrie 4.0

Die vierte industrielle Revolution

So mancher sieht die Vernetzung der Fabrik als vierte industrielle Revolution – nach der Mechanisierung mit Wasserkraft und Dampfmaschinen, arbeitsteiliger Massenproduktion auf Fließbändern und Einführung von Elektronik und IT.

Unterschiedliche Begriffe

Für die Vernetzung der Produktionsanlagen wird häufig der Begriff Industrie 4.0 verwendet – die Hannover Messe machte den Begriff vor einigen Jahren populär. Fachleute sprechen auch von cyberphysischen Systemen, in denen also physische und virtuelle Welt sich vermischen. Wenn Gegenstände vernetzt werden, ist auch vom Internet der Dinge die Rede – das gilt nicht nur für Fabriken, sondern auch für Autos oder Häuser.

Industrie kauft immer mehr IT

Weil industrielle Fertigung und IT immer stärker zusammenwachsen, wird die Industrie zu einem wichtigen Kunden für die IT-Branche: Sie trägt inzwischen rund ein Fünftel zum Umsatz bei, wie der Branchenverband Bitkom mitteilt. Da verwundert es nicht, dass die Organisation auf der Industriemesse präsent ist.

Gefördert von der Bundesregierung

Auch die Politik bemisst dem Thema große Bedeutung bei, die Bundesregierung betrachtet Industrie 4.0 in seiner Hightech-Strategie als „Zukunftsprojekt“. Gut für Wirtschaft und Wissenschaft: Das beinhaltet ein Fördervolumen von 200 Millionen Euro.

Viele offene Fragen

Der Durchbruch der Industrie-4.0-Technologie steht indes noch aus. Nicht zuletzt, weil viele Fragen offen sind. Welche Standards gelten? Welche Kommunikationsnetze werden dafür benötigt? Wie ist es um die Sicherheit der Anlagen bestellt?

Was kann ein Designer tun, um industrielle Logistik für die Schiene zu verbessern?
Da steckt sehr viel Potential drinnen. Beim Thema Bahnverkehr zeigt ja die Erfahrung, dass die digitale Welt der Deutschen Bahn smart, benutzerfreundlich und zielorientiert ausgerichtet ist. Einfach gesprochen: Es macht durchaus Spaß, über das Internet eine Reise zu buchen. Leider weicht aber der digitale Spaß sehr schnell der Ernüchterung: Sobald ich die reale Welt, also einen Zug, betrete, stören Verspätungen oder mangelnde Sitzplätze das Reiseerlebnis.

Wie sieht ihre Vision aus?
Sobald die Server der Deutschen Bahn über die Online-Buchungen schon vor Eintreffen des Zuges wissen, wer und wie viele Passagiere einsteigen werden, wird der Zug einfach angepasst. Dafür werden die Bahnhofshallen zu einem intelligentem Hochregallager mit zusätzlichen Waggons umgewandelt, die je nach Bedarf an die Züge drangehängt werden können. So verknüpfen wir Digital und Real mittels intelligenter Logistik.

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