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02.06.2015

09:01 Uhr

Interview

„Die Konzerne müssen umdenken“

VonSteffen Ermisch

Der Vorteil von Innovationslabors ist, dass sie flexibler und unbürokratischer agieren können, als Konzerne. Der Direktor des Bosch IoT Labs über organisatorische Herausforderungen durch vernetzte Produkte.

Markus Weinberger ist Direktor des „Bosch Internet of Things & Services Lab“ an der Universität St. Gallen. Pressefoto

Markus Weinberger ist Direktor des „Bosch Internet of Things & Services Lab“ an der Universität St. Gallen.

Seit September 2012 kooperiert der Technologiekonzern Bosch mit der Universität St. Gallen im Bosch Internet of Things Lab (IoT Lab). Direktor Markus Weinberger erklärt, warum eine neue Herangehensweise in der Produktentwicklung nötig ist.

Herr Weinberger, zu Ihrem Auftrag gehört es, neue Geschäftsmodelle zu evaluieren. Ist das im Kontext des Innovationslabors leichter als im Konzern?

Tatsächlich ist der Freiheitsgrad höher, weil keine großen Abstimmungsrunden nötig sind. Wir können sehr schnell Prototypen entwickeln und uns früh ein Nutzer-Feedback einholen. Daraus lassen sich auch Rückschlüsse auf Möglichkeiten für Verbesserungen ziehen.

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Deutsche Mittelständler schauen der digitalen Revolution bisher meist tatenlos zu. Dabei bedrohen innovative Wettbewerber das Geschäftsmodell von immer mehr Firmen. Was machen diese Vorreiter anders?

Können Hersteller vernetzte Produkte dann schneller auf den Markt bringen?

Vernetzte Produkte können während ihrer Lebenszeit mit neuen digitalen Features aufgewertet werden. Insofern wird sich der Entwicklungsansatz ändern. Bisher wird beispielsweise die Steuerungssoftware von Komponenten notgedrungen auf einem gewissen Stand eingefroren. In Zukunft kann es Updates geben, während die Produkte im Einsatz sind.

Aus dem IoT Lab ist jüngst eine Ausgründung im Bereich Smart Home hervorgegangen. Fällt es Start-ups leichter, Anwendungen für das Internet der Dinge zu finden?

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Tatsächlich stehen etablierte Hersteller vor einer großen Herausforderung: Es geht nicht mehr darum, die x-te Generation eines physischen Produkts zu entwickeln, sondern um grundlegend andere Charakteristika. Die Voraussetzung für neue Dienste ist, dass Produkte mit Sensoren und Mikroprozessoren ausgestattet werden. Die Daten müssen übertragen und ausgewertet werden.

Können Unternehmen das denn überhaupt im Alleingang stemmen?

Die wenigsten Firmen haben die Expertise für all diese Aspekte gleichermaßen. In den meisten Fällen wird man aus seinen vier Wänden herauskommen und Partnerschaften mit anderen eingehen müssen.

Wie stellen sie sich intern auf?

Die neuen Lösungen betreffen ganz unterschiedliche Fachbereiche. Das bedeutet, dass man Brücken bauen muss. Gerade in Konzernen, in denen einzelne Geschäftsbereiche in der Vergangenheit weitgehend autark gearbeitet haben, ist ein Umdenken nötig.

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