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28.04.2015

17:38 Uhr

Linked-In-Gründer Allen Blue

„Der Bewerber bekommt mehr Macht“

VonGrischa Brower-Rabinowitsch

Linked In hat sein Business-Netzwerk zu einem „Economic Graph“ erklärt, einer Abbildung der Wirtschaft. Die soll weltweit vollständig erfasst werden, indem alle arbeitenden Menschen Mitglieder werden. Linked-In-Gründer Allen Blue spricht im Interview mit dem Handelsblatt über diese Vision.

„Jeder ist plötzlich sachkundiger als der Präsident der USA es vor dreißig Jahren war“. AFP/Getty Images

Linkedin-Gründer Allen Blue

„Jeder ist plötzlich sachkundiger als der Präsident der USA es vor dreißig Jahren war“.

Der Ort des Interviews, das Empire State Building in New York, ist beeindruckend. Dort hat Linked In, das im Silicon Valley seinen Stammsitz hat, Büros angemietet, die schlicht und funktional sind. Allen Blue ist am selben Morgen erst angekommen, er hat einen Termin nach dem anderen. Sein Assistent achtet penibel auf die Zeit, doch der Mitgründer des noch jungen Unternehmens ist entspannt und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Denn er redet über sein Lieblingsthema, den „Economic Graph“ von Linked In. Die Vision fesselt ihn geradezu.

Herr Blue, Sie wollen jedes Unternehmen, jede offene Stelle und jeden arbeitenden Menschen im „Economic Graph“ von Linked In erfassen. Das klingt nach Science Fiction. Sie haben im Moment 347 Millionen Mitglieder und wir sprechen von knapp vier Milliarden Menschen, die weltweit einen Job haben oder suchen ...
... wir schätzen, dass es etwa 3,3 Milliarden Menschen sind.

Immer noch eine unfassbare Zahl. Wie und bis wann wollen Sie das schaffen?
Es ist unklar, wie lange das dauern wird. Uns dieses große Ziel zu setzen, ist aber äußerst inspirierend für unser junges Unternehmen. Unsere Vision ist es, für jeden dieser Menschen ökonomische Möglichkeiten zu schaffen, die sie vorher noch nicht hatten. Und der einzige Weg, wie wir das erreichen können, ist dass sie Teil des Economic Graph werden. Und dass alle anderen Informationen über Schulen, Skills, Jobs, Unternehmen und so weiter auch Teil sind. Es sind große Visionen wie diese, die die Innovationen im Silicon Valley antreiben.

Aber Sie glauben nicht wirklich, dass Sie das Ziel jemals erreichen werden, oder?
Doch, doch, daran glaube ich.

Wofür steht Big Data?

Der Hype um die Daten

Unter Big Data versteht man Technologie zur Verknüpfung und Auswertung riesiger Datenmengen. Ziel ist es, neue Erkenntnisse zu gewinnen – etwa welche Produkte einem Kunden gefallen oder wo unentschlossene Wähler wohnen.

Riese Datenmengen

Das Datenaufkommen verdoppelt sich ungefähr alle zwei Jahre. Viele der Informationen erzeugen nicht Menschen, sondern Maschinen – beispielsweise Smartphones, intelligente Stromzähler oder Autos. Gerade Bewegungsdaten sind fürs Marketing relevant.

Vielfältige Quellen

Big Data bedeutet auch: Es werden Daten aus verschiedensten Quellen miteinander verknüpft und zu einem Profil verschmolzen. Marketing-Experten setzen beispielsweise auf klassische Kundendatenbanken, Bewegungsdaten von Smartphones sowie Informationen aus Sozialen Netzwerken. Auch die Wettervorhersage kann nützlich sein, um bestimmte Produkte zu verkaufen.

Ergebnisse in Echtzeit

Besonderen Reiz gewinnt Big-Data-Technologie durch ihre Geschwindigkeit: In vielen Fällen spucken die Superrechner die Ergebnisse in Echtzeit aus, oder sie beschleunigen zumindest die Berechnungen im Vergleich zu herkömmlichen Technologien deutlich.

Korrelation statt Kausalität

Big Data führt zu einer Veränderung im Denken: Wer große Datenmengen auswertet, kann statistische Zusammenhänge entdecken, ohne die Gründe dafür zu verstehen – Korrelation statt Kausalität. Das könnte langfristig verändern, wie wir Menschen Probleme lösen.

Tatsächlich?
Ja, das hat auch damit zu tun, dass wir einen starken Rückenwind durch die Verbreitung der Technologie, vor allem des Smartphones, spüren. 49 Prozent der Besuche auf der Linked-In-Seite kamen im vierten Quartal 2014 über mobile Geräte. Das Smartphone gelangt in die Hände aller 3,3 Milliarden Menschen, die wir im Graph haben wollen.

Aber das macht doch nicht jeden dieser Menschen zu einem Linked-In-Kunden?
Nein, aber das Smartphone gibt den Menschen Macht. Jeder ist plötzlich sachkundiger als der Präsident der USA vor dreißig Jahren war, bezogen auf die Masse der Informationen, die über das Smartphone sofort zugänglich sind. Es versetzt jeden Nutzer in die Lage, Daten zu sammeln und es wird von ihm auch erwartet. Und die Menschen werden realisieren, dass Linked In genauso wertvoll für sie ist, wie etwa Google. Denn es geht um Menschen und ihre Beziehungen im Economic Graph.

Zukunft des Recruiting: Datenrausch für die Karriere

Zukunft des Recruiting

Premium Datenrausch für die Karriere

Computer statt Persönlichkeitstest: Algorithmen können heute berechnen, wer morgen Top-Verkäufer, Vorstand oder Burn-Out-Kandidat ist. Das bedeutet: Nie mehr im falschen Job landen. Oder aber: Nie mehr einen Job finden.

Also Sie gehen davon aus, irgendwann tatsächlich mehr Mitglieder als Facebook zu haben?
Nein, Facebook wird die Zahl 3,3 Milliarden zuerst erreichen, die haben ja schon fast zwei Milliarden Mitglieder.

Trotzdem: Ihr Ziel klingt ehrlich gesagt unrealisierbar und eher nach guter PR. Wie würden Sie solche Kritik kontern?
Ich kann Ihnen garantieren, dass der Economic Graph, den wir bisher geschaffen haben, weit mehr ist als gute PR. Für alle, die schon dabei sind, ist es eine wichtige Ressource im Geschäftsleben. Wir mögen noch nicht alle Daten der Wirtschaft zusammengetragen haben, aber jeder der mitmacht, kann enormen Nutzen aus dem Graph ziehen. Selbst wenn es 20 Jahre dauern sollte, bis wir alle 3,3 Milliarden Menschen im Graph haben, wird jeder der mitmacht, zum Beispiel einen Job finden können.

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