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17.10.2014

14:39 Uhr

Megacitys

Wie werden unsere Städte im Jahr 2020 aussehen?

Marktforscher gehen von einem steigenden Zustrom von Menschen aus, der Riesen-Städte entstehen lässt. Mit den kommenden gesellschaftlichen Innovationen sehen die Experten ein enormes Geschäftspotenzial für Unternehmen.

Die Mobilität in den Städten wird sich in den nächsten Jahrzehnten fundamental wandeln. dpa

Die Mobilität in den Städten wird sich in den nächsten Jahrzehnten fundamental wandeln.

Berlin
Experten sehen ein großes Potenzial für neue Geschäftsmodelle in den Riesen-Städten der Zukunft. 56 Prozent der globalen Bevölkerung werden laut einer Prognose der Unternehmensberatung Frost & Sullivan im Jahr 2020 im urbanen Raum leben. 35 Städte werden sich demnach bis 2025 zu Megacitys entwickeln. Mit der Gestaltung des künftigen Zusammenlebens ergebe sich für innovative Unternehmen ein Marktpotenzial von zwei Billionen Dollar. Allein in Deutschland beläuft sich demzufolge das Potenzial auf 65 Milliarden Dollar jährlich. Das sind Ergebnisse einer Studie, die Frost & Sullivan am Mittwoch gemeinsam mit dem Elektronik- und Maschinenbau-Konzern Hitachi in Berlin vorstellte.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Digitale soziale Innovationen werden nach Einschätzung der Experten einen bedeutenden Einfluss auf die zukünftige Gesellschaft haben. Die größten Herausforderungen sehen die Marktbeobachter in der Entwicklung der Städte, der Zukunft der Energie sowie der Mobilität, dem Einfluss von digitaler Intelligenz beim Schutz der Umwelt und im Gesundheitswesen. Allein die Mobilität in den Städten werde sich fundamental wandeln. Mit neuen Technologien werde es Echtzeit-Parkinformationen für Millionen Parkplätze geben. Frost & Sullivan geht bis 2020 von 26,2 Millionen Kunden aus, die etwa Car-Sharing-Dienste in Anspruch nehmen werden.

„Unternehmen können dazu beitragen, eine zukünftige Gesellschaft zu entwickeln, in der ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedürfnisse ausgewogen sind“, sagte Klaus Dieter Rennert, Europa-Chef von Hitachi. Eine der größten Herausforderungen sieht Rennert in den immer älter werdenden Gesellschaften. „Prädiagnose wird in ihrer Bedeutung enorm zunehmen, damit überhaupt die Kosten des Gesundheitswesens unter Kontrolle gehalten werden kann“, sagte der Manager.

Mit der Alterung der Gesellschaft kämen in vielen Entwicklungsbereichen auch zuwenig neue Experten hinzu, sagte der Manager. „Darin sind sich Japan und Deutschland sehr ähnlich.“ Das Internet der Dinge könne diese Tendenzen ausgleichen. Mit der „Industrie 4.0“ - dem Einsatz von intelligenten Maschinen, die untereinander kommunizieren können, sowie der Robotik - könne auch Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit ausbauen. „Mit Industrie 4.0 geht ja oft die Meinung daher, dass dadurch Arbeitsplätze vernichtet werden. Das Gegenteil ist der Fall.“ Es werde nur einen Qualifikationswechsel geben, die Anforderungsprofile würden sich ändern.

Innovationen könnten für Unternehmen künftig nicht nur finanziellen Gewinn darstellen, sondern auch eine Möglichkeit, menschliche Herausforderungen anzugehen, sagte John Raspin von Frost & Sullivan. Soziale Innovationen könnten die Lebensqualität der Menschen erhöhen und sich positiv auf die Umwelt auswirken. Wenn die Innovationen die Probleme der einzelnen Bürger lösen, dann werde auch die Akzeptanz gegenüber den Neuerungen gestärkt.

Von

dpa

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