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22.09.2014

17:09 Uhr

Messe Innotrans

Bahntechnik-Branche zuversichtlich

Die Weltbevölkerung wächst, Mega-Städte entstehen. Davon profitieren Hersteller von Bahnstrecken, Zügen und Wagen. Sie haben ein komfortables Auftragspolster. In dieser Woche soll es noch etwas dicker werden.

Viele Besucher gehen über das Gelände der Bahntechnikmesse Innotrans in Berlin. Hier zeigen über 2700 Aussteller aus 55 Ländern vom 23.-26. September ihre Produkte. dpa

Viele Besucher gehen über das Gelände der Bahntechnikmesse Innotrans in Berlin. Hier zeigen über 2700 Aussteller aus 55 Ländern vom 23.-26. September ihre Produkte.

BerlinDie Bahntechnik-Branche geht an diesem Dienstag optimistisch in ihre Fachmesse Innotrans in Berlin. Von der Lok bis zur Weiche präsentieren bis Freitag Hersteller aus 55 Ländern ihre technischen Neuheiten und Dienstleistungen. Nach Veranstalterangaben haben sich 2758 Aussteller angekündigt, zehn Prozent mehr als bei der vorigen Ausgabe vor zwei Jahren. Insgesamt werden mehr als 100.000 Fachbesucher erwartet.

Sie treffen auf eine Branche, deren Auftragsbücher schon gut gefüllt sind, wie ihre Verbände vorab hervorhoben. Der Weltmarkt könne bis 2019 jährlich um 2,7 Prozent zulegen, sagte Philippe Citroën, der Generaldirektor des Verbandes der Europäischen Eisenbahnindustrie, am Montag in Berlin. Eine Branchenstudie verweist auf das Wachstum der Weltbevölkerung. „Es gibt einen wachsenden Bedarf für Züge und U-Bahnen.“ Die größten Wachstumsaussichten sieht er in Lateinamerika, Asien und Nordamerika.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Nach Angaben des Hauptgeschäftsführer des Verband der Bahnindustrie in Deutschland, Ronald Pörner, ist die wirtschaftliche Lage der Hersteller in Deutschland stabil. Der Auftragsrekord von 14,9 Milliarden Euro aus dem Vorjahr werde 2014 voraussichtlich aber nicht ganz erreicht. Pörner forderte mehr Investitionen in das deutsche Schienennetz.

Sorge bereitet der Branche der Ukraine-Konflikt. „Russland ist ein unwahrscheinlich wichtiger Markt für unsere Firmen“, sagte Pörner. Er hoffe, dass die schwierige Lage schnell überwunden werde. Auf der Innotrans wird auch der Chef der russischen Staatsbahn, Wladimir Jakunin, erwartet.

Von

dpa

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