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21.07.2014

10:26 Uhr

Neue Pläne

Snowden will Datenschutz-Software entwickeln

Seine Mission ist nicht beendet: Edward Snowden hat die NSA-Schnüffeleien enthüllt – jetzt will er eine neue Technologie entwickeln, um die Privatsphäre im Internet zu schützen. Unterstützung sucht er in der Hackerszene.

Mann mit Mission: Edward Snowden will Software entwickeln, um die Privatsphäre im Internet zu stärken. dpa

Mann mit Mission: Edward Snowden will Software entwickeln, um die Privatsphäre im Internet zu stärken.

DüsseldorfEdward Snowden will in Zukunft Technologie zum Schutz der Privatsphäre im Internet entwickeln. Er rief die Teilnehmer einer Hackerkonferenz in New York auf, die Rechte der Bürger technologisch in Programmen und Protokollen zu verankern. „Damit wird auch viel meiner zukünftigen Arbeit zu tun haben, und ich hoffe, ihr schließt euch mir an, das umzusetzen“, sagte er in einer Videoschalte aus Russland. Das Video von der Veranstaltung Hope X hat das Technologieblog Recode veröffentlicht.

Snowden rechtfertigte einmal mehr seine Enthüllungen. Die Amerikaner hätten bislang kaum eine Ahnung davon gehabt, wie weit die Regierung ihr Netz auswerfe, um an Informationen zu gelangen. Die Überwachungsprogramme hätten das Ziel, alle Menschen auf einer globalen Basis zu überwachen. Es handle sich dabei um eine ungerechtfertigte Sammlung von Informationen, die gegen die amerikanische Verfassung verstoße.

Ein „wichtiger erster Schritt“ gegen Überwachung sei Verschlüsselung – das allein reiche jedoch nicht aus, da sie den Inhalt geheim halte, nicht aber die Verbindungen der Kommunikationspartner. Daher bedürfe es neuer Protokolle und Infrastrukturen, um die Privatsphäre zu schützen.

Wie die NSA das Internet überwacht

Immer neue Enthüllungen

Seit Sommer 2013 kommen immer neue Details über Spionageaktivitäten von Geheimdiensten im Internet ans Licht. Sie basieren auf Dokumenten, die der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden an Journalisten übergab. Ein Überblick über die zentralen Erkenntnisse.

Prism

Prism: Der Name stand zunächst für die gesamte Affäre, umfasst aber nur einen Teil des Repertoires der NSA. Über Prism hat der Überwachungsdienst Zugriff auf Nutzerdaten großer US-Internetfirmen, darunter Google, Yahoo, Microsoft und Facebook. Ein Geheimgericht ordnet die Herausgabe der Informationen an. Das seien etwa Inhalte von Mails, Suchanfragen oder Chats, berichtete die britische Zeitung „Guardian“. Die Firmen sind zum Stillschweigen verpflichtet. Die Internetriesen streiten vor Gericht dafür, mehr Details veröffentlichen zu dürfen.

Tempora

Tempora hießt ein Programm des britischen Dienstes GCHQ. Der GCHQ arbeitet eng mit der NSA zusammen. Gemeinsam mit Australien, Neuseeland und Kanada bilden die Länder die Allianz der «Five Eyes», («Fünf Augen»), in der Informationen ausgetauscht werden. Unter dem Codenamen Tempora soll der GCHQ mehr als 200 Glasfaserkabel anzapfen, über die Daten um die Welt rasen. So habe der GCHQ Zugriff auf den Internetverkehr, der über die angezapften Kabel läuft.

Xkeyscore

Die gewaltigen Datenmengen, die die NSA sammelt, müssen irgendwie ausgewertet werden. Dazu dient die Software XKeyscore. Damit können NSA-Analysten wie Snowden die Datenberge nach Verdächtigen durchsuchen. Der deutsche Bundesnachrichtendienst setze ebenfalls eine Version von XKeyscore ein, berichtete „Der Spiegel“.

Verschlüsselung aushebeln

Wenn Daten verschlüsselt durchs Netz geschickt werden, können Geheimdienste nicht einfach so mitlesen. Doch NSA und GCHQ können Medienberichten zufolge mehrere gängige Verschlüsselungstechniken knacken oder aushebeln, darunter die oft eingesetzt SSL-Technologie. Es ist allerdings unklar, welche Techniken genau in welchem Maße für die Dienste zugänglich sind.

Anonymität aufheben

Auch das Anonymisierungsnetzwerk Tor, mit dem Nutzer ihre Spuren im Netz verwischen können, war Spionageziel der NSA. Der Geheimdienst schaffte es allerdings wohl nicht, das Netzwerk direkt zu knacken.

Überwachung ausländischer Staatschefs

Nicht nur Angela Merkels Handy geriet offenbar ins Visier der NSA. Der „Guardian“ berichtete, der Nachrichtendienst habe Telefone von 35 Spitzenpolitikern überwacht. Auch die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff und ihr mexikanischer Kollege Enrique Peña Nieto seien ausgespäht worden.

Angriff auf Google und Yahoo

Die NSA konnte laut der „Washington Post“ den Datenverkehr zwischen den Rechenzentren der beiden Internet-Riesen abgreifen. In den Rechenzentren werden Informationen aus E-Mail-Diensten, Suchanfragen oder Dokumente der Nutzer gespeichert. Inzwischen sollen die Daten auch zwischen den Rechenzentren verschlüsselt unterwegs sein.

Auch an der Nutzerfreundlichkeit der Programme müsse gearbeitet werden. So sei die Verschlüsselungs-Software PGP zwar robust und verlässlich, aber: „Unglücklicherweise ist sie fast unbrauchbar.“ (Mögliche Auswege zeigt der Text „Verschlüsselung gegen die dunklen Künste“ auf.)

Um mehr Datenschutz zu erreichen, bedarf es nach Ansicht des Whistleblowers einer gemeinschaftlichen Anstrengung. „Wir brauchen Leute, die diese Systeme angreifen (...) und versuchen, die Löcher zu finden, damit wir diese schließen können“, sagte er laut dem Technologieblog Techcrunch.

Der frühere Geheimdienstmitarbeiter hatte im vergangenen Sommer mit seinen Enthüllungen über die Überwachungspraxis der NSA die Geheimdienstaffäre ausgelöst. Derzeit hält er sich in Russland auf, wo er Anfang Juli um die Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung gebeten hat.

Von

chk

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