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16.07.2014

13:11 Uhr

Produktpiraterie

Keine Chance für Fälscher  

VonAndreas Schulte

Produktpiraten verursachen pro Jahr in Deutschland Schäden in Milliardenhöhe. Unternehmen investieren deshalb verstärkt in High-Tech-Lösungen, um ihnen das Handwerk zu legen. An entsprechender Technik fehlt es nicht.

Arbeit an einem Motorgetriebe: Produktfälscher schrecken nicht vor komplizierten Maschinen zurück. dpa

Arbeit an einem Motorgetriebe: Produktfälscher schrecken nicht vor komplizierten Maschinen zurück.

DüsseldorfWer Kinofilme von einer Blu-Ray-Disc kopiert, könnte rasch Bekanntschaft mit Cinavia machen. Dabei handelt es sich nicht um die freundliche Angestellte in der Videothek um die Ecke, sondern um ein äußerst erfolgreiches Produkt der amerikanischen Firma Verance. Es verhindert das Kopieren von urheberrechtsgeschützten Filmen.

Dazu wird ein Wasserzeichen in die Audiospur der Filmdatei gelegt. Dieses ermöglicht es Abspielgeräten, eine Raubkopie zu erkennen – sie brechen dann die Wiedergabe nach wenigen Minuten ab. Allein in den Vereinigten Staaten soll Cinavia nach Angaben von Verance im vergangenen Jahr 157 Millionen Abspielungen illegaler Kopien gestoppt haben.

Nicht nur in der Filmindustrie soll High-Tech geistiges Eigentum schützen. Ob Softwarehersteller oder Anlagenbauer, ob Massenmarkt oder hochspezialisiertes B2B-Geschäft – in Zeiten des globalen Warenhandels steigt die Sorge, dass Plagiatoren teuer entwickelte Produkte einfach nachbauen. Der Widerstand gegen Produktpiraten wächst – schon in der Fertigung wird ihnen das Leben schwergemacht.

„Zunehmend versuchen Unternehmen, sich durch eine fälschungssichere Produktkennzeichnung zu schützen“, sagt Stefan Heißner von der Wirtschaftsprüfung EY. Neben Wasserzeichen kommen auch Verschlüsselungen oder Hologramme zum Einsatz.

Alarmierend sind die Zahlen der deutschen Zollbehörden. Im vergangenen Jahr beschlagnahmten sie 3,9 Millionen gefälschte Produkte im Wert von 134 Millionen Euro – so viel wie nie zuvor. Der Kampf gegen Nachahmer und Plagiatoren ist für den Standort existenziell: Laut einer Studie des Europäischen Patentamts sind schutzrechtsintensive Branchen und ihre Lieferanten für ein Drittel der Arbeitsplätze in der EU verantwortlich. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag veranschlagt den Schaden für die deutsche Wirtschaft durch die Verletzung geistiger Eigentumsrechte auf mehr als 50 Milliarden Euro pro Jahr.

Stark betroffen ist in Deutschland die Schlüsselbranche Maschinenbau. Regelmäßig berichten Unternehmen, dass sie auf Auslandsmessen dreiste Kopien der eigenen Produkte finden. Eine Studie des Branchenverbands VDMA beziffert den so entstandenen Schaden auf 7,9 Milliarden Euro pro Jahr. 71 Prozent der Unternehmen seien betroffen.

2010 gründete sich im VDMA eine Arbeitsgruppe Produkt- und Know-how-Schutz, die über Abwehrstrategien informiert. So haben Forscher des Fraunhofer-Instituts eine Folie entwickelt, die einen Zugriff auf die Daten in Steuerungseinheiten von Maschinen unterbindet. Im Fall einer Manipulation der Folie werden sofort alle Daten gelöscht, auf die Produktpiraten es zunehmend abgesehen haben.

Kommentare (1)

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Herr HW Eisinger

17.07.2014, 14:42 Uhr

Gegen das Problem können kundenspezifische elktronische Bauteile (ASICs) helfen, da diese nur schwer zu kopieren sind, ohne diese aber die Schaltungen nicht funktioniern

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