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26.09.2014

09:52 Uhr

Smart Farming, Smart Factoring & Co.

Wo Bauern den Autofirmen was vormachen

VonRahel Willhardt
Quelle:absatzwirtschaft dmexco

Industrie 4.0 soll der deutschen Maschinenbauindustrie ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern. Unglücklicherweise nur hat noch keiner einen Plan, wie man das macht. Einzig die Landwirtschaft erntet digitale Erträge.

In Zukunft können Drohnen in der Landwirtschaft den Acker vor und nach dem Mähen überwachen und warnen, wenn sich dort etwa Wildtiere verstecken oder Kinder spielen. Foto: Microdrones/PR PR

In Zukunft können Drohnen in der Landwirtschaft den Acker vor und nach dem Mähen überwachen und warnen, wenn sich dort etwa Wildtiere verstecken oder Kinder spielen.

Foto: Microdrones/PR

Düsseldorf„Korntank 75 Prozent voll“, meldet das Display in der vollklimatisierten Fahrerkabine und mahnt zum Aufbruch. Drei Minuten bleiben dem Traktorfahrer, um den Weizen auf seinen Hänger zu verladen. Geleitet vom Assistenzystem macht sich der Erntehelfer zu dem angezeigten Mähdrescher auf. Ohne Ernteunterbrechung wird das Korn übergeladen. Und während die Autoindustrie noch sinniert, ob und wie sie das sich selbst steuernde Auto auf die Straße bringt, navigieren schon bald viele Zugmaschinen und Mähdrescher auf dem Feld zentimetergenau per GPS-Satellitenortung selbst.

„Smart Farming“ heißt die Digitalisierung der Bauernwelt. Es spart bis zu zehn Prozent Abarbeitungszeit, fand Hersteller Claas in Feldtests heraus. Die kurzen und wetterfühligen Ernteslots effizienter zu nutzen, steigert den Erlös. Ob Claas, Fendt oder John Deere - alle rüsteten ihre Maschinen hoch. Was wie eine Landwirtschaftsmaschine aussieht, ist längst zum fahrbaren Rechenzentrum geworden: Es misst Ernteerträge, optimiert Spritverbräuche, erkennt Unkraut, spricht Düngeempfehlungen aus und kartiert Stärken und Schwächen des Ackers. All das passiert in Echtzeit.

Dafür fangen Sensoren die nötigen Daten ein und intelligente Programme verknüpfen sie. „Die Wettbewerbsbedingungen haben sich verändert. Maschinen sind heute so ausgereift, dass eher elektrische Steuerung und Regelysteme die Kaufentscheidung bestimmen“, gibt Claas Technologiegeschäftsführer Hermann Garber zu bedenken, um den Wandel vom Erntemaschinenanbieter zum Prozessoptimierer zu stemmen.

Ein Ende der Digitalisierung des grünen Daumens ist längst nicht in Sicht. Frei nach dem Motto: Je genauer der Bauer sein Feld kennt, desto ertragreicher erntet er, tritt das Portal 365Farmnet an, um den Administrationswust von Farmern effizient und „aus einer Hand“ zu managen. 40 Mitarbeiter hat diese Firma, die die Informationsflut an Nährstoffbilanzen, Schlachtviehpreisen, Besamungsplänen unter einer Bedienoberfläche ordnen will. Natürlich nicht von heute auf morgen: Technisch gilt es, Datenbanken, landwirtschaftliche Prozesse und unterschiedlichste Maschinentypen miteinander zu vereinen, und menschlich, alle führenden Hersteller sowie die Kunden zu motivieren. 2.000 Landwirte und zehn Firmenpartner, wie Claas, Amazone oder Bayer, sind schon an Bord.

Noch ist es wolkig, aber geht die Vision auf, übertragen Landmaschinen über Funk und Telemetrie ihre Big Data zu Tier und Land. Im Gegenzug bekommen sie perfekt auf ihren Betrieb abgestimmte Aussaat-, Nahrungs- und Düngemittelempfehlungen der unterschiedlichsten Anbieter. Eine wesentliche Voraussetzung schuf Claas mit der Deutschen Telekom im Juli: Sie rüsteten Pilotmaschinen mit LTE-Funkschnittstellen aus. Weitaus schwieriger wird es allerdings sein, die Agrarwirte von der Speicherung sensibler Betriebsdaten in einer Cloud zu überzeugen. Denn viele Fragen der Datensicherheit sind noch offen.

Kommentare (1)

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Herr Sven Meyer

26.09.2014, 10:33 Uhr

DAS ist doch mal ein interessanter Bericht! Das ich in der Landwwirtschaft in der Richtung soviel tut hatte ich noch gar nicht mitbekommen!

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