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10.09.2014

09:50 Uhr

Smart Home

Ein Schutzschild fürs private Heim

VonMartin Wocher

Was passiert, wenn Hacker das smarte Haus für sich entdecken – samt Herd, Waschmaschine und Überwachungskameras? Die Unternehmen erkennen, dass Sie die Sicherheitsstandards bei der Vernetzung erhöhen müssen.

Wie sicher sind die Daten? Der vernetzte Alltag stellt neue Anforderungen an den Datenschutz. dpa

Wie sicher sind die Daten? Der vernetzte Alltag stellt neue Anforderungen an den Datenschutz.

BerlinSeit Tagen schwelgen die Hersteller von Hausgeräten, Unterhaltungselektronik und Smartphones von ihren Möglichkeiten bei einem vernetzte Haus – zu besichtigen auf der Ifa, die heute endet. Es ist ja auch zu schön: Alle Geräte im privaten Heim kommunizieren miteinander und tauschen ihre Daten aus, der Besitzer kann sie von jedem Platz der Welt mit Handy, Tablet oder Laptop kontrollieren und steuern. Doch die schöne Welt hat Macken bekommen, seitdem Tag für Tag Meldungen über Cyber-Attacken und Datenspionage potenzielle Kunden für eine solch vernetzte Umgebung verunsichern.

Vielen Unternehmen ist inzwischen klar, dass sie ohne vernünftige Sicherheitsarchitektur ihre Produkte und Lösungen nur schwer an den Mann bringen können. „Ein vernünftiges Sicherheitskonzept ist ein zentrales Kriterium für jedes erfolgreiche Produkt in den Bereichen Smart Home und Smart Energy,“ sagt Peter Kellendonk, Chef des gleichnamigen Mittelständlers aus Köln, der Technologien für die Gerätevernetzung entwickelt.

Smart Home - Das schlaue Zuhause

Ein Begriff, viele Szenarien

Alle reden drüber, aber nicht alle meinen dasselbe: Smart Home ist ein populäres Thema in der  Elektronikbranche. Immer mehr Firmen bringen eigene Lösungen auf den Markt. Die Berater von Deloitte unterscheiden vier Kategorien.

Die eigenen vier Wände im Blick

Viele Lösungen ermöglichen es, Licht und Rollläden automatisch zu steuern. Hinzu kommen Sicherheitsfunktionen wie vernetzte Feuermelder und Sicherheitskameras. Die Auswahl ist bereits groß.

Platz für die Daten

Auch Speichersysteme für Computer und Smartphone zählen die Deloitte-Experten zum Smart Home. Auf diesen Miniservern können Nutzer ihre Daten, aber auch Filme und Musik ablegen und von überall aus im Haus darauf abrufen. 

Hilfe für die Oma

Smart-Home-Systeme können die Pflege älterer Menschen erleichtern, etwa mit einem Hausnotruf. Geräte für die Ferndiagnose sollen bei der Betreuung von Kranken helfen. Für den Bereich Pflege und Gesundheit gibt es bereits etliche Anwendungen. 

Energie und Geld sparen

Licht und Heizung aus, wenn man rausgeht: Intelligente Systeme können für mehr Energieeffizienz sorgen. Perspektivisch könnte auch der Trockner automatisch anspringen, wenn Strom billig ist. Angesichts der hohen Komplexität sei der Bereich "Smart Energy" aber am Anfang, so  Deloitte. 

Komplettpaket oder Standard?

Schon jetzt gibt es Anbieter, die kaufkräftigen Kunden eine Wunschlos-Glücklich-Lösung einbauen – Deloitte definiert das als Luxussegment. Zunehmend kommen aber Pakete auf den Markt, mit denen Käufer relativ günstig smarte Funktionen nachrüsten können.

So konzentriert sich der Hausgerätehersteller Miele darauf, den Datenfluss seiner rund 400 netzfähigen Modelle möglichst in den vier Wänden zu lassen, um ja keine Einfallstore für Hacker zu öffnen. Zwar kann ein Miele-Kunde am Display seines Backofens ablesen, wie weit die Waschmaschine im Keller gerade ist und wie lange der Geschirrspüler noch braucht – mehr als an- und abschalten oder das Waschprogramm wechseln kann er von seinem Smartphone aber nicht.

„Von Miele werden nur Statusdaten freigegeben“, sagt ein Sprecher. Bei sicherheitsrelevanten Geräten wie dem Herd oder der Gefriertruhe kann er noch nicht einmal das. So lässt sich zwar von unterwegs erkennen, dass die Herdplatte noch an ist. Den Aus-Knopf muss aber dann schon die freundliche Nachbarin drücken, wenn man nicht umkehren will. „Sollte ein Hacker in dieses System eindringen, wäre ein Schaden sehr begrenzt“, heißt es bei Miele. Ab kommendem Jahr erweitern die Gütersloher den Bedienungskomfort mit einer App auch von außerhalb – Miele verspricht höchste Sicherheitsstandards.

Der deutsche Marktführer für Hausgeräte schätzt die Gefahren aus dem Netz dann auch eher gering ein. „Das Potenzial in anderen Bereichen ist sicherlich viel höher, wenn beispielsweise der Computer angezapft wird“, heißt es.

Das mag auch damit zusammenhängen, dass Hacker das smarte Haus noch nicht richtig entdeckt haben, weil es noch so wenige davon gibt. Doch die Prognosen gehen dahin, dass in fünf Jahren rund zehn Prozent der Haushalte mit vernetzten Geräten ausgestattet sind. Schon jetzt beauftragt die Deutsche Telekom Hacker, um Sicherheitslücken bei ihrer Smart-Home-Plattform Qivicon aufzuspüren. Bislang sei man feindlichen Angreifern noch voraus, heißt es. „Eine relevante Sicherheitslücke gab es bislang nicht.“

Der Konzern setzt auch bei Qivicon auf bewährte Sicherheitsstandards: Verschlüsselung von Gerät zu Gerät, abgesicherte Router, Server in Deutschland, Nutzungsdaten der Kunden werden nicht übertragen. Aber auch in Bonn weiß man, dass der Wettstreit mit den Cyber-Kriminellen weiter geht: „Es gibt immer neue Ideen.“

Kommentare (1)

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Herr Fred Meisenkaiser

10.09.2014, 10:14 Uhr

Das beste Schutzschild ist, dies gar nicht erst vernetzen!

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