Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.09.2014

10:48 Uhr

Smartwatches auf der Ifa

Die Angst vor Apple

VonChristof Kerkmann

Die Elektronikhersteller zeigen auf der Ifa zahlreiche neue Smartwatches. Die Konzepte sind noch nicht ausgereift, Samsung, LG und Co wollen erstmal lernen – bevor Apple kommt.

Smartwatch-Modell von Motorola: Wo geht die Reise hin für die Smartwatches? PR

Smartwatch-Modell von Motorola: Wo geht die Reise hin für die Smartwatches?

Menschen mit Forschergeist können derzeit ein interessantes Experiment beobachten. Die Versuchsanordnung lautet so: Wie kann man einen Computer auf die Größe einer Uhr schrumpfen? Und wie lassen sich trotz dieser schmalen Maße viele nützliche Funktionen einbauen – bei einem modischen Design?

Das Labor ist die Ifa: Auf der weltgrößten Elektronikmesse, die heute in Berlin für das Publikum öffnet, präsentieren zahlreiche Hersteller Smartwatches. Samsung und Sony, LG und Asus wollen einen neuen Markt schaffen, bevor Apple es tut – der iKonzern, bei der Konkurrenz mit seinem Gespür für massentaugliche Produkte gefürchtet, wird wohl in der kommenden Woche ein ähnliches Gadget vorstellen. Ob die Verbraucher sich begeistern lassen, ist allerdings längst nicht ausgemacht (siehe Info-Kasten).

Smartwatches

Wenn die Uhr schlau wird

Bis vor wenigen Jahren waren Telefone und Computer in der Größe einer Armbanduhr nur Fiktion – „Knight Rider“ lässt grüßen. Doch die Chips werden immer kleiner, leistungsfähiger und billiger. Damit werden Geräte wie Smartwatches technisch möglich und erschwinglich.

Trend zum „Wearable Computing“

Smartwatches sind Teil eines Trends: Computer werden immer kleiner und damit auch immer tragbarer. Neben intelligenten Uhren gibt es beispielsweise auch Fitnessarmbänder und Brillen, die mit Informationstechnologie aufgerüstet sind. Google Glass ist ein bekanntes Beispiel. Die Technologiebranche spricht vom „Wearable Computing“ – und hofft auf einen Wachstumsmarkt.

Ergänzung zum Smartphone...

Was ist überhaupt eine Smartwatch? Der Begriff ist schwer zu fassen. Grundsätzlich gibt es zwei Kategorien. Die meisten Modelle funktionieren nicht eigenständig, sondern sind eine Erweiterung fürs Smartphone und zeigen Termine, E-Mails oder eingehende Anrufe an. Die Daten werden in der Regel per Bluetooth übertragen.

... und Ersatz fürs Handy

Während die meisten Smartwatches eine Erweiterung fürs Smartphone sind, sollen ein paar Modelle das Handy ganz ersetzen. Sie haben ein Mobilfunk-Modul, das Telefonate und die Übertragung von Daten erlaubt. Das gilt etwa für die Gear S von Samsung.

Assistent und Freisprecher

Die Geräte sind unterschiedlich ausgestattet. Einige fungieren als diskrete Sekretäre – sie erinnern an Termine, zeigen eigehende E-Mails an und vermelden Telefonanrufe. Andere eignen sich auch als Freisprecheinrichtung oder als kompaktes Navigationsgerät. Unter Sportlern beliebt sind Spezialgeräte, die den Puls und die Laufstrecke messen.

Der Akku als Schwachpunkt

Die Laufzeit ist bei allen Smartwatches ein Problem: Weil die Geräte so klein sind, lässt sich darin kein großer Akku unterbringen. Daher sind viele Modelle nicht besonders ausdauernd – je nachdem welche Display-Technologie zum Einsatz kommt.

Start-ups und Konzerne

Diverse Unternehmen haben bereits Smartwatches auf den Markt gebracht – Start-ups wie Weltkonzerne. Zu den kleinen Anbietern zählt das Unternehmen Pebble, das über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter seine Anschubfinanzierung gesichert hat. Zahlreiche Elektronikhersteller haben ebenfalls Computer-Uhren entwickelt, von Sony als einem der Pioniere bis zu Apple mit der Apple Watch.

Gerüchte um Apple

Offiziell ist noch nichts, doch Gerüchten zufolge arbeitet Apple an einer Smartwatch. Den Namen „iWatch“ hat das Unternehmen offenbar bereits in mehreren Ländern schützen lassen. 100 Entwickler sollen an dem Geheimprojekt beteiligt sein. Auch Microsoft wird großes Interesse an diesem Markt nachgesagt. Google bestätigte, ein Start-up mit Smartwatch-Technologie übernommen zu haben. Der Wettbewerb dürfte also hart werden.

Schwierige Prognose

Wie sich junge Märkte entwickeln, ist schwierig zu prognostizieren – die Vorhersagen für Smartwatches gehen weit auseinander. Während die Marktforschungsfirma IDC ein rapides Wachstum voraussagt, erwarten Forrester und NPD Displaysearch eine baldige Abkühlung des Marktes.

Die meisten Produkte, die es bislang zu kaufen gibt, haben noch eklatante Schwächen: hakelige Bedienung, kurze Akkulaufzeit, klobiges Design. „Wir sind noch in der Steinzeit der tragbaren Elektronik“, sagt Ben Wood, Analyst beim britischen Marktforscher CCS Insights. „Firmen wie Samsung und LG versuchen verzweifelt herauszufinden, wie das beste Design und die besten Nutzungsszenarien aussehen.“ Dass fast im Monatsrhythmus neue Modelle auf den Markt kommen, sieht der Experte als eine Strategie: Versuch und Irrtum.

Mit den intelligenten Uhren ist es wie vor einigen Jahren mit den Tablets: Der große Nutzen wird nicht deutlich. Es ist vielleicht praktisch, bei neuen E-Mails oder Anrufen eine diskrete Mitteilung aufs Handgelenk geschickt zu bekommen, aber es geht auch ohne.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×