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18.02.2014

11:57 Uhr

Sorge um Datenschutz

Deutsche stehen Digitalisierung skeptisch gegenüber

Über ein Drittel aller Deutschen befürchtet negativen Einfluss von digitalen Techniken auf ihr Leben. Große Skepsis gibt es vor allem in den Themenfeldern Datenschutz und Werbung.

Neue Nachrichten, Email-Flut und verpasste Anrufe. Neben dem Stress der Digitalität fürchten viele Deutsche auch zunehmenden Werbeterror. dpa

Neue Nachrichten, Email-Flut und verpasste Anrufe. Neben dem Stress der Digitalität fürchten viele Deutsche auch zunehmenden Werbeterror.

BerlinDer Einfluss des Internets und digitaler Techniken auf den Alltag wird von vielen Bürgern zwiespältig gesehen. 39 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren sehen den Veränderungen „eher mit Befürchtungen entgegen“, heißt es in einer Umfrage im Auftrag des Bundesforschungsministeriums, die der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag vorlag. Besonders skeptisch sind demnach die Älteren: Gerade einmal 16 Prozent der 45- bis 59-Jährigen blicken hoffnungsvoll in die digitale Zukunft, bei den Über-60-Jährigen sind es nur zehn Prozent.

Für die Erhebung, die das Forschungsministerium aus Anlass des am Mittwoch beginnenden Wissenschaftsjahrs „Digitale Gesellschaft“ in Auftrag gab, befragte das Allensbach-Institut 1515 Bürger verschiedener Alters- und Bevölkerungsschichten. Demnach bewertet nur jeder Fünfte der Befragten die Veränderungen durch Internet und Digitalisierung positiv, etwa beim Einkaufen oder dem Informationsaustausch über das Netz. Die Jüngeren allerdings, die den Umgang mit digitalen Techniken von klein auf gelernt hätten, sähen „weit stärker als die anderen Generationen die Chancen, die das Internet bietet“, heißt es in der Analyse des Allensbach-Instituts.

Überdurchschnittlich skeptisch zeigen sich demnach auch Frauen und Menschen mit einfachem Schulabschluss. Trotz der grundlegenden Skepsis erwarten allerdings 43 Prozent der Befragten für sich persönlich keine gravierenden Auswirkungen der Digitalisierung. 14 Prozent rechnen demnach mit negativen Folgen, immerhin 29 Prozent glauben auch an Vorteile.

Allerdings rechnen die Befragten auf Sicht von zehn Jahren eher mit negativen Folgen für die Gesellschaft: 90 Prozent erwarten der Umfrage zufolge, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre die Nutzung persönlicher Daten durch Unternehmen für Werbezwecke weiter zunehmen wird. 84 Prozent glauben, dass Kinder noch mehr Zeit mit Computerspielen verbringen werden. 71 Prozent gehen davon aus, dass Geschäfte immer mehr durch Internethandel verdrängt werden.

Schutz gegen Datendiebe

Passwörter gut schützen

Es klingt offensichtlich: Nutzer sollten ihre Passwörter gut schützen. Doch nicht wenige kleben ein Post-it mit Zugangsdaten an den Monitor oder speichern sie gar in einer Datei auf dem Rechner. Beides ist riskant – wenn Eindringlinge ins Büro oder auf den Rechner gelangen, können sie auch auf die E-Mails oder das Content Management System zugreifen.

Erst lesen, dann klicken

Es ist der Klassiker: In der E-Mail wird ein lustiges Katzenbild oder ein sensationelles Video angekündigt. Lädt man den Anhang herunter oder klickt auf den Link, fängt man sich aber einen Virus ein. Daher gilt nach wie vor die Regel, Anhänge und Links kritisch zu prüfen, ebenso Nachrichten von unbekannten Absendern.

Vorsicht mit USB-Sticks

Eine beliebte Angriffsmethode: Hacker lassen präparierte USB-Sticks auf dem Parkplatz oder in der Kantine liegen – und hoffen darauf, dass arglose Mitarbeiter das Gerät an den PC anschließen. Diese Masche funktioniert erschreckend gut. Die Lehre daraus: Nutzer sollten mit unbekannten Speichermedien extrem vorsichtig umgehen.

WLAN nur mit Verschlüsselung

Ob im Café oder am Flughafen: Wer mit seinem Smartphone oder Notebook ein öffentliches WLAN-Netzwerk nutzt, geht ein Risiko ein. Wenn man vertrauliche Daten abrufen will, sollte man das beispielsweise möglichst nur mit einer SSL-Verbindung tun. Weitere Tipps gibt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Schutz gegen Mitleser

In der Bahn oder im Flugzeug können Mitreisende ohne Probleme einen Blick auf das Notebook oder Smartphone erhaschen – und bekommen so möglicherweise sensible Informationen mit. Sicherheitsexperten raten daher, sich nach sogenannten Schultersurfern umzusehen und im Zweifelsfall die Datei geschlossen zu lassen. Zudem raten sie dringend davon ab, das Gerät auch nur kurz aus dem Auge zu lassen.

Gesunde Skepsis bei Apps

Apps können das Leben leichter machen, aber auch unsicherer: Viele Anwendungen fragen Informationen ab, die die Nutzer vermutlich nicht weitergeben wollen. Gerade Android-Nutzer sollten genau überprüfen, welche Berechtigungen ein Programm einfordert und im Zweifelsfall lieber die Finger davon lassen. Gleiches gilt für PC-Nutzer, die Programme aus dem Nutzer herunterladen und installieren. Besonders illegale Kopien sind häufig verseucht.

Code fürs Smartphone

Es mag zwar vielleicht nerven, wenn man jedes Mal einen Code eingeben muss, bevor man das Smartphone nutzen kann. Doch eine Sperre ist höchst nützlich, wenn das Gerät verloren geht oder gestohlen wird. Viele Firmen schreiben eine solche physische Absicherung vor. Im Büro kann es durchaus sinnvoll sein, den Rechner zu sperren, während man eine Besprechung hat oder in die Mittagspause geht.

Software aktuell halten

Auch dieser Tipp ist bekannt, er wird aber trotzdem oft nicht beherzigt: Nutzer sollten die Software auf ihrem Rechner immer aktuell halten. Das gilt nicht nur für den Virenscanner, sondern auch das Betriebssystem und Anwendungsprogramme wie Browser oder Textverarbeitung. Potentiell können Angreifer viele Lücken ausnutzen, um schädliche Software auf das Gerät zu schleusen.

Optimistisch sind immerhin zwei Drittel, was den Schutz vor Datenmissbrauch und Hacker-Angriffen angeht: Sie glauben, dass hier neue technische Möglichkeiten entwickelt werden.

In den vergangenen Monaten hatten die Enthüllungen in der Spähaffäre um den Geheimdienst NSA das Vertrauen der Bürger in die Internettechnologien erheblich erschüttert. Die Berichte über das angebliche massenhafte Abgreifen von Telekommunikations- und Internetdaten auch deutscher Bürger - auch das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde zeitweise abgehört - sind bis heute nicht aufgeklärt. Angesichts der weitreichenden technischen Fähigkeiten der Geheimdienste ist unklar, wie ein verlässlicher Schutz gegen Ausspähungen aussehen könnte.

Das Bundesforschungsministerium hat das diesjährige Wissenschaftsjahr der „Digitalen Gesellschaft“ gewidmet. In zahlreichen Veranstaltungen sollen die Vorteile von Internet und Digitalisierung - etwa die Vernetzung von Haushalten oder die schnelle Informationsverbreitung - vorgestellt werden. Zugleich sollen Experten sich mit den Bürgern über Risiken austauschen, zum Beispiel beim Schutz der Persönlichkeitsrechte.

Von

afp

Kommentare (1)

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MarcoKunner

24.02.2014, 14:33 Uhr

HI, nicht verarschen lassen von den Behörden sondern das ganze versuchen zu umgehen, ich bin zb. was die suche betrifft im internet auf startpage.com umgestiegen. lg marco

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