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15.09.2014

14:09 Uhr

Telekom-Tochter T-Systems

Eine andere Struktur soll's richten

VonMartin Wocher

T-Systems muss mächtig umstrukturieren, mit klassischen IT-Dienstleistungen lässt sich kaum noch Geld verdienen. Daher setzt das Unternehmen verstärkt auf neue Geschäftsfelder wie Industrie 4.0. Für Kritiker zu spät.

Mit klassischen IT-Dienstleistungen lässt sich kaum noch Geld verdienen. dpa

Mit klassischen IT-Dienstleistungen lässt sich kaum noch Geld verdienen.

DüsseldorfDie IT-Tochter der Deutschen Telekom steckt mitten in der heftigsten Restrukturierung ihrer Geschichte. Das klassische Outsourcing-Geschäft mit der Übernahme und dem Management der IT-Systeme großer Geschäftskunden wird drastisch heruntergefahren. Dafür baut T-Systems-Chef Reinhard Clemens neue Geschäftsfelder kräftig aus, die sich um die Digitalisierung der Wirtschaft ranken.

Die Beschäftigten der Telekom-Tochter bekommen diese Neuausrichtung deutlich zu spüren: Bis Ende 2015 will Clemens jeden fünften der rund 27.000 Jobs in Deutschland abbauen. In der Belegschaft sorgen die Pläne seit Bekanntwerden Ende vergangenen Jahres für permanente Unruhe.

Industrie 4.0

Die vierte industrielle Revolution

So mancher sieht die Vernetzung der Fabrik als vierte industrielle Revolution – nach der Mechanisierung mit Wasserkraft und Dampfmaschinen, arbeitsteiliger Massenproduktion auf Fließbändern und Einführung von Elektronik und IT.

Unterschiedliche Begriffe

Für die Vernetzung der Produktionsanlagen wird häufig der Begriff Industrie 4.0 verwendet – die Hannover Messe machte den Begriff vor einigen Jahren populär. Fachleute sprechen auch von cyberphysischen Systemen, in denen also physische und virtuelle Welt sich vermischen. Wenn Gegenstände vernetzt werden, ist auch vom Internet der Dinge die Rede – das gilt nicht nur für Fabriken, sondern auch für Autos oder Häuser.

Industrie kauft immer mehr IT

Weil industrielle Fertigung und IT immer stärker zusammenwachsen, wird die Industrie zu einem wichtigen Kunden für die IT-Branche: Sie trägt inzwischen rund ein Fünftel zum Umsatz bei, wie der Branchenverband Bitkom mitteilt. Da verwundert es nicht, dass die Organisation auf der Industriemesse präsent ist.

Gefördert von der Bundesregierung

Auch die Politik bemisst dem Thema große Bedeutung bei, die Bundesregierung betrachtet Industrie 4.0 in seiner Hightech-Strategie als „Zukunftsprojekt“. Gut für Wirtschaft und Wissenschaft: Das beinhaltet ein Fördervolumen von 200 Millionen Euro.

Viele offene Fragen

Der Durchbruch der Industrie-4.0-Technologie steht indes noch aus. Nicht zuletzt, weil viele Fragen offen sind. Welche Standards gelten? Welche Kommunikationsnetze werden dafür benötigt? Wie ist es um die Sicherheit der Anlagen bestellt?

Um die Transformation zu beschleunigen und sichtbar zu machen, bekommt T-Systems nach Informationen des Handelsblatts intern zum 1. Oktober eine neue Organisationsstruktur. Neben der konzerneigenen IT steht dann die Telekom-Tochter auf drei Säulen: einmal die neue Digital Division, in der alle Zukunftsthemen wie Industrie 4.0 mit kommunizierenden Fahrzeugen oder Maschinen, aber auch intelligente Netze - etwa digitale Gesundheitsdienste - gebündelt werden. Die Belegschaft dort ist klein und hochspezialisiert. „Wir wollen eine entsprechende Infrastruktur anbieten, nicht nur unseren Kunden, auch Wettbewerbern. Dafür arbeiten wir viel mit Partnern zusammen“, sagt Clemens.

Daneben steht das Cloudangebot für Geschäftskunden, die in Rechenzentren des Konzerns in eigenen Bereichen (Private Cloud) ihre Daten speichern und verarbeiten können. Die dritte Säule besteht aus den klassischen IT-Diensten alter Prägung, die Firmenkunden mittelfristig aber in das Cloudzeitalter transferieren soll.

Dieser Bereich steht derzeit im Zentrum des Umbaus und hat den größten Anteil des Jobabbaus zu tragen – obwohl er vom Umsatz her mit gut drei Milliarden Euro derzeit noch der größte ist. Doch mit der klassischen IT-Lösung lässt sich kaum mehr Geld verdienen, die Margen sind gering und der Konkurrenzdruck ist hoch. Clemens fährt diese Sparte bewusst nach unten, nimmt nur noch Aufträge an, die unter dem Strich Profit abwerfen.

Allein im letzten Quartal schrumpfte der Umsatz in diesem Segment um knapp ein Drittel, auch weil T-Systems inzwischen Aufträge nach außen vergibt, für den Fall, dass diese Anbieter billiger sind als die eigenen Mitarbeiter. Wachstum erwartet T-Systems hier auf Dauer nicht mehr. In spätestens zehn Jahren wird dieser Sektor deutlich geschrumpft sein. Was T-Systems dann noch braucht, wird schwerpunktmäßig zugekauft.

Kommentare (1)

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Herr Juergen M. Schwarz

17.09.2014, 10:47 Uhr

Neue Geschäftsansätze mit „Sexy“-Namen gab es seit 2001 viele bei TSI. Ich selbst war bis 2005 in verantwortlicher Position bei der TSI & muss wiederum feststellen, dass sich nichts verändert hat bzw. die Organisation nichts dazu lernt. Warum? Für mich gibt es 2 Indikatoren für den bisherigen „Erfolg“ einer TSI:
1) Ständige Umstrukturierung & Mitarbeiterabbau (Knowhow-Kapital!) führen definitiv intern zu Chaos & kundenseitig zu hoher Frustration( Kunden schätzen Konstanz & stetig hohe Servicelevel).
2) Umsatzverluste im Brot&Butter-Geschäft, da dieses lediglich noch dazu dient, die stetig neu kreierten Future-Geschäftsfelder mit "sexy" Namen zu subventionieren. In diese wird mit allerhöchster Priorität viel investiert (Budget, Manpower, Management-Attention!). Dbzgl. ist Irren bzw. Scheitern auch auf Jahre hin ausgeschlossen (Stichwort: „Des Königs neue Kleider“).Und dann? Falls es wieder schief geht! Dann kommt ein neuer „Heilsbringer“. Subventioniert durch B&B (soweit noch vorhanden), neue Umorgas & weiteren Stellenabbau (10 kleine Negerlein…).
Die Systemlösungssparte im Konzern der DTAG war einst ein Diamant! Der Konkurrenz diente diese als Benchmark. Auch die Kunden wußten & schätzen dies! Das war jedoch, bevor Development von B&B mehr oder weniger eingestellt wurde (unsexy). Bevor erzwungene Konvergenz & nicht zu Ende gedachte innovative Geschäftsfelder die Strategie ein auf’s andere Mal änderten. Bevor die Fahrzeiten im operativen Managementkarussell immer kürzer wurden.
Was passiert mit einem Patienten den man ständig Operationen am Herzen aussetzt, ihm aber nicht die entsprechend aufwendige & lange Reha-Zeit zubilligt?!
Turnaround durch neue Geschäftsansätze allein? Nein!. In Kombi mit Werten wie Kontinuität, offener Kommunikation, intelligentem Changemanagement & vor allem Wertschätzung & viel Einsatz, könnte es gelingen, den Diamanten zu polieren! (...)

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