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03.09.2014

16:23 Uhr

Trends der Funkausstellung

Alles völlig smart

VonChristof Kerkmann

Riesige Bildschirme fürs Wohnzimmer, kleine Bildschirme fürs Handgelenk: Auf der Ifa in Berlin ist Elektronik in allen Größen zu sehen. Ohne Vernetzung geht dabei wenig. Was Sie über den Technikzirkus wissen müssen.

Fünf Begriffe, die auf der IFA allgegenwärtig sind

Smart TV

Es geht um Fernseher mit Internet-Anschluss. Die Idee ist, dass der Zuschauer auf seinem Smart TV nahtlos zwischen TV-Sendungen und Online-Angeboten umschalten kann. Im vergangenen Jahr war auf der IFA eher von dem Format HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV) oder Hybrid-TV die Rede, wenn es um das Verschmelzen von traditionellem Fernsehempfang und Online-Video ging. Die knappere Bezeichnung Smart TV hat sich aber durchgesetzt.

Streaming

Internet-Inhalte wie Musik oder Filme werden beim Streaming nicht komplett auf eine Festplatte heruntergeladen, sondern direkt aus dem Netz abgespielt. Der Vorteil: Keine Ladezeiten. Der Nachteil: Man braucht eine schnelle und stabile Internet-Verbindung.

Ultra-HD

Die Technik soll ein viel schärferes Bild als die aktuelle HD-Auflösung bieten. Sie ist auch unter dem Begriff „4K“ bekannt. Die Bildschirme haben bei Ultra-HD 3840 mal 2160 Pixel. Bei der gewöhnlichen HD-Auflösung sind es 1920 mal 1080 Bildpunkte. Eine zentrale Frage ist allerdings, wie die Inhalte an die Zuschauer ausgeliefert werden sollen: Die bessere Qualität bedeutet auch deutlich größere Datenmengen.

Wearables

So wird die neue Kategorie kleiner Geräte genannt, die – nach wörtlicher Übersetzung – „tragbar“ sind. Das trifft im Prinzip zwar auch auf Handys und Smartphones zu, aber bei den „Wearables“ geht es um Computertechnik, die direkt am Körper getragen wird. Das sind etwa Computeruhren, Fitness-Armbänder oder in Zukunft eventuell auch Anziehsachen mit Chips und Internet-Anbindung.

OLED

Es ist eine Display-Technik mit organischen Elementen, die große Vorteile gegenüber den heute dominierenden LCD-Bildschirmen bietet. Das Bild ist kontrastreicher, zudem sind OLED-Displays nur wenige Millimeter dünn. Das hat allerdings auch seinen Preis: Obwohl die Hersteller die Kosten in den vergangenen Jahren deutlich senken konnten, sind die großen OLED-Fernseher immer noch deutlich teurer als LCD-Geräte.

BerlinAls die Ifa noch Internationale Funkausstellung hieß, ging es um Farbfernsehen, Fernbedienungen und Flachbildschirme. Heute lässt sich die Messe wegen des internationalen Publikums nur noch Ifa nennen – und es geht dort um sämtliche Geräte, die irgendwie funken: Smartphones, Tablets und Smartwatches, aber auch Waschmaschinen, die sich aus der Ferne steuern lassen. „Die Internetfähigkeit der Geräte ist mittlerweile ein entscheidendes Kaufkriterium“, sagt Timm Hoffmann vom Hightech-Branchenverband Bitkom. 

Die Messe illustriert den Medienwandel, der sich gerade abspielt: „Das Fernsehgerät verliert das Monopol, andere Geräte gewinnen an Bedeutung“, sagt Bitkom-Experte Hoffmann. Mit dem Smartphone hat jeder einen Bildschirm in der Tasche, dank Youtube, Maxdome und Mediatheken sind die Filme und Serien auch immer dabei. „Verbraucher können ihre Inhalte jederzeit überall sehen“, sagt Hoffmann. Das klassische Fernsehen, bislang ebenfalls immer ein großes Thema auf der Ifa, werde mit der Zeit immer unwichtiger. Auch die Musikbranche krempelt das Streaming um.

Vom Smartphone bis zum Smart Home, vom Fernseher bis zur Zahnbürste: Die wichtigsten Trends der Messe im Überblick.

Die Ifa kann ihre Herkunft nicht verleugnen, Fernseher sind immer noch ein großes Thema. Im wahrsten Sinne des Wortes: Die Bildschirme werden immer größer. Katzenvideos von Youtube und den „Tatort“ kann man auch auf dem Tablet gucken – um einen Mehrwert zu bieten, wollen die Hersteller das Wohnzimmer zum Heimkino machen. Dabei soll auch die ultrahohe Auflösung helfen, Ultra-HD oder 4K genannt. Was am Messestand beeindruckend aussieht, könnte zu Hause indes enttäuschen: Es gibt noch wenig Inhalte in der hohen Auflösung.

Als weiteres Verkaufsargument führen Samsung, LG und neuerdings auch Loewe geschwungene Bildschirme ins Feld – die leichte Krümmung, so meinen die Hersteller, sorge für einen besseren Betrachtungswinkel und ziehe den Zuschauer mehr ins Bild. Erste Reaktionen darauf sind indes durchwachsen. Ob die Krümmung was bringt, liegt wohl im Auge des Betrachters.

Die Trends der IFA 2014

Alles vernetzt

Die Idee des vernetzten Heims ist im Alltag angekommen. Nicht nur Fernseher oder Audio-Anlagen werden ans Internet angeschlossen, sondern auch alle möglichen Geräte vom Kühlschrank bis zur Waschmaschine. Unklar ist, ob es gelingt, gemeinsame Standards für die Technik zu etablieren - oder die Anbieter versuchen werden, den Markt mit eigenen Lösungen zu erobern.

Riesen-Fernseher

Der ganz große Boom der Flachbild-Fernseher mag vorerst vorbei sein, aber die TV-Geräte sind weiterhin ein zentraler Stützpfeiler der Elektronik-Industrie. In diesem Jahr prägen zwei Trends das Angebot der Aussteller: Ultra-HD-Fernseher mit besonders hoher Auflösung und organische OLED-Displays, die noch dünnere Geräte mit kontrastreichem Bild möglich machen.

„Wearables“

Vor einem Jahr nutzte Samsung die IFA, um seine Smartwatch Galaxy Gear vorzustellen. Diesmal ist die neue Produktklasse der „Wearables“ - kleiner tragbarer Computergeräte - viel prominenter in Berlin vertreten. Unter anderem wird eine neue Computer-Uhr vom Samsung-Rivalen LG erwartet. Außerdem stiegen die großen Elektronik-Konzerne ins Geschäft mit Fitness-Armbändern ein.

Drahtlos-Musik

Der Vormarsch der Smartphones hat das Geschäft mit Audiotechnik grundlegend umgekrempelt. Die Musik wird immer häufiger direkt aus dem Netz oder vom Smartphone abgespielt. Das gibt der Geräteklasse der drahtlosen Lautsprecher kräftig Auftrieb, während klassische Hifi-Technik auf dem Rückzug ist. So brach der Absatz von Heimkino-Systemen in Deutschland im 1. Halbjahr um ein Fünftel ein.

Smartphones und Tablets sind für viele Nutzer bereits unverzichtbare Begleiter – und sie sorgen inzwischen für mehr Umsatz als Fernseher. Da wundert es nicht, dass die Ifa zu einer halben Mobilfunkmesse geworden ist. So stellte Samsung am Mittwoch schon das Galaxy Note 4, die neue Version seines Riesen-Smartphones, vor. Sony nutzt Gerüchten zufolge die Bühne, um das neue Spitzenmodell Xperia 3 zu präsentieren, womöglich auch ein wasserfestes Tablet. Und Microsoft will offenbar neue Lumia-Smartphones zeigen.

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