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01.10.2014

14:05 Uhr

Vernetzte Autos

Apps am Armaturenbrett

VonChristian Schnell

Der hessische Zulieferer Peiker verbindet das Smartphone mit dem Auto. Vernetzung wird zum großen Trend in der Branche. Die Autohersteller sehen das mit gemischten Gefühlen.

Autos werden vernetzt und Bordcomputer und Smartphones übernehmen immer mehr Funktionen. dpa

Autos werden vernetzt und Bordcomputer und Smartphones übernehmen immer mehr Funktionen.

FrankfurtEs ist gut acht Jahre her, da wurde Paul Jacobs, der Aufsichtsratschef von Qualcomm, belächelt. Vor Vertretern der Autoindustrie präsentierte er ein Schaubild, das nicht nur die Veränderung der Mobilfunktelefonie vom Handy zum Smartphone zeigte. Es verdeutlichte im nächsten Schritt auch, dass künftig nur noch Anschluss, Bildschirm und Boxen statt ausgefeilter Hardware nötig sein würden, um die Informationen aus dem Smartphone auch im Auto nutzen zu können.

Andreas Peiker erinnert sich gerne an die damalige Gesprächsrunde. Der Gründer und Vorstandschef der Peiker Acustic GmbH & Co. KG im hessischen Friedrichsdorf ist nicht nur seit Jahren mit Jacobs gut befreundet, er ist mit seinem Unternehmen heute auch einer der Vorreiter der einst belächelten Idee, vieles im Auto per Smartphone zu steuern.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Der unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Familienbetrieb spezialisierte sich auf sehr hochwertige Mikrofone, die zum Beispiel auch in der Medizin gebraucht wurden. Als der amerikanische Ballonfahrer David G. Simons im Jahr 1957 auf die damals unvorstellbare Höhe von 30.000 Metern und damit an die Grenze zum Weltall hochstieg, hatte er ein Mikrofon aus dem Taunus im Helm. Und das Bedienhandmikrofon TM70 von Peiker ermöglichte Tonbandaufnahmen bei den ersten großen Himalaja-Expeditionen Anfang der 1960er-Jahre.

Seit dem Ausbau des Mobilfunks in den 1990er-Jahren entwickelte sich das Unternehmen rasend schnell. Auch als es 2005 erstmals möglich war, einen iPod von Apple vollständig in einen Mercedes zu integrieren, stammte das iPod-Anschluss-Set von Peiker.

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Nur Autos bauen war gestern: Die digitale Revolution hat auch für die Autobranche massive Auswirkungen. Im Ringen um neue Mobilitätskonzepte formen sich neue Allianzen von „old“ und „new economy“.

Heute beliefert das Unternehmen mit seinen rund 900 Mitarbeitern nahezu alle großen Fahrzeughersteller. Vor allem die Premiumanbieter wollen ihren Kunden stets die neuesten und besten technischen Errungenschaften anbieten. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 173 Millionen Euro, in diesem Jahr sollen es mehr als 200 Millionen Euro werden. Unter dem Strich stehe nach den schweren Zeiten der Finanzkrise wieder eine schwarze Zahl, sagt der Firmenchef - wie hoch sie ist, sagt er nicht.

Heute geht es bei Peiker vor allem um die mobile Kommunikation im Auto mit immer mehr Anwendungsmöglichkeiten aus unterschiedlichsten Bereichen, Connectivity genannt. Das Schaubild von vor acht Jahren ist heute Realität. Die Verknüpfung mit Apps, Anwendungsprogrammen, auf dem Smartphone ist noch längst nicht ausgereizt.

Für die Autohersteller ist das keine gute Nachricht. Sie waren es in den vergangenen zwei Jahrzehnten gewohnt, als Zubehör vieles im Sortiment zu haben, was dem Kunden Information, Komfort und Service bietet, und verdienten gut daran. Künftig wird die Hardware im Auto selbst eher immer schlichter, das Smartphone wird zur Schaltzentrale.

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