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06.11.2014

09:31 Uhr

Vernetztes Zuhause

Wenn das iPad Kaffee kocht

Der niederländische Elektronikkonzern Philips will sich neu erfinden und setzt dabei – anders als Konkurrenz Siemens und GE – auf Privatkonsumenten. Philips glaubt, dass es möglich ist, Alltagsprodukte sexy zu machen.

Vernetzte Kaffeemaschine: Symbol für den Wandel bei Philips. Philips

Vernetzte Kaffeemaschine: Symbol für den Wandel bei Philips.

Berlin„Wollen Sie ihn eher stark und mit wenig Wasser?“, fragt Bernd Laudahn, während er mit einer Wischbewegung auf dem iPad das Menü öffnet. „Mild bitte, mit wenig Wasser.“ Laudahn zieht zwei virtuelle Regler, drückt auf O.K., und der Vollautomat am Ende des Raums beginnt, den Kaffee zu mahlen. Laudahn, bei Philips für den Bereich Consumer Lifestyle in Deutschland, Österreich und der Schweiz zuständig, strahlt: „Das hat was, oder?“

Mag sein - aber ob man das wirklich braucht, auch die Frage stellt sich. Laudahn hat sie erwartet. „Klar, es sieht auf den ersten Blick aus wie eine Spielerei. Aber ich bin mir sicher, dass wir damit den Geschmack vieler Kunden treffen“, sagt er und fügt hinzu: „Kochen ist in. Und eine gut ausgestattete Küche ist heute ein Statussymbol wie einst das Auto.“

Sowieso ist die über Bluetooth mit dem iPad vernetzte Kaffeemaschine, die Philips kürzlich erst auf der Ifa in Berlin vorgestellt hat, weitaus mehr als nur ein pfiffiges Produkt. Sie symbolisiert das neue Philips. Der niederländische Elektronikkonzern mit seinem immer noch deutsch klingenden Namen ist dabei, sich neu zu erfinden.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Frans van Houten, seit 2011 an der Spitze des Unternehmens, will die Traditionsmarke radikal umbauen. Dabei verfolgt er eine andere Strategie als die Rivalen General Electric und Siemens, die sich weitgehend aus dem Konsumentengeschäft verabschiedet haben. „Wir glauben, dass es möglich ist, Alltagsprodukte durch intelligente Technologien sexy zu machen“, sagt Laudahn. Vernetzung spielt dabei eine große Rolle. „Wir arbeiten am Internet der Dinge, wie andere auch. Aber wir beginnen da, wo der Nutzer sofort einen Mehrwert erkennt“, sagt Laudahn. Ein Haushaltsgerät einfach nur ins Internet hängen, weil es möglich ist - das ist nicht das Ding von Philips.

Experten wie Jürgen Morath, Technologieexperte des Beratungs- und Dienstleistungsunternehmens Accenture, bekräftigen diesen Ansatz: „Smart Home bedeutet nicht, dass der Kühlschrank mit der Kaffeemaschine kommunizieren muss. Chancen gibt es nur dort, wo der Kunde einen wirklichen Mehrwert erkennt“, sagt er. „Das kann eine Ersparnis in puncto Zeit oder Geld sein oder ein Komfortgewinn.“

Wie zum Beispiel bei der neuen Kaffeemaschine. Das Gerät selbst, das von der Philips-Tochter Saeco kommt, hat mehr als 6.000 Einstellungsmöglichkeiten. Die alle über die Knöpfe am recht kleinen Automaten zu steuern ist mühsam. Das iPad und die passende App sorgen hier für den nötigen Komfort - und sie bieten durchaus sinnvolle Features.

Kommentare (1)

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Herr Clemens Keil

07.11.2014, 09:50 Uhr

Kaffee ist in!
Meinen Kaffee mache ich am liebsten selbst.
Dazu passt natürlich eine leistungsfähige und kreative Kaffeemaschine.
Viel Spaß bei der Kaffeezubereitung:
http://youtu.be/oeoqDZzH2W8

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