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12.10.2014

14:44 Uhr

Watson, übernehmen Sie!

IBM hofft auf den Wunder-Computer

Der Hoffnungsträger von IBM heißt Watson. Mit einer Milliarden-Finanzspritze und einem neuen Hauptquartier soll das aus der Quizsendung Jeopardy bekannte Superhirn den Weg ins Zeitalter der virtuellen Intelligenz ebnen.

In 15 Sekunden kann Watson laut IBM die Symptome von einer Million Krebspatienten vergleichen, 10 Millionen Finanzberichte und 100 Millionen Produkthandbücher lesen. ap

In 15 Sekunden kann Watson laut IBM die Symptome von einer Million Krebspatienten vergleichen, 10 Millionen Finanzberichte und 100 Millionen Produkthandbücher lesen.

New YorkGroße Bühne, große Geste, große Worte: „Wir definieren das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine neu“, sagt Ginni Rometty. Die IBM-Chefin ist extra vom Firmensitz in Armonk nach New York City gereist, um persönlich das Hauptquartier der größten Hoffnung des Konzerns einzuweihen. IBMs ganzer Stolz heißt Watson und soll dem betagten IT-Riesen mit künstlicher Intelligenz zu neuem Glanz verhelfen. Dafür hat „Big Blue“ eine Milliarde Dollar in die Hand genommen und eine Mannschaft von 2000 Mitarbeitern aufgestellt.

Industrie 4.0

Die vierte industrielle Revolution

So mancher sieht die Vernetzung der Fabrik als vierte industrielle Revolution – nach der Mechanisierung mit Wasserkraft und Dampfmaschinen, arbeitsteiliger Massenproduktion auf Fließbändern und Einführung von Elektronik und IT.

Unterschiedliche Begriffe

Für die Vernetzung der Produktionsanlagen wird häufig der Begriff Industrie 4.0 verwendet – die Hannover Messe machte den Begriff vor einigen Jahren populär. Fachleute sprechen auch von cyberphysischen Systemen, in denen also physische und virtuelle Welt sich vermischen. Wenn Gegenstände vernetzt werden, ist auch vom Internet der Dinge die Rede – das gilt nicht nur für Fabriken, sondern auch für Autos oder Häuser.

Industrie kauft immer mehr IT

Weil industrielle Fertigung und IT immer stärker zusammenwachsen, wird die Industrie zu einem wichtigen Kunden für die IT-Branche: Sie trägt inzwischen rund ein Fünftel zum Umsatz bei, wie der Branchenverband Bitkom mitteilt. Da verwundert es nicht, dass die Organisation auf der Industriemesse präsent ist.

Gefördert von der Bundesregierung

Auch die Politik bemisst dem Thema große Bedeutung bei, die Bundesregierung betrachtet Industrie 4.0 in seiner Hightech-Strategie als „Zukunftsprojekt“. Gut für Wirtschaft und Wissenschaft: Das beinhaltet ein Fördervolumen von 200 Millionen Euro.

Viele offene Fragen

Der Durchbruch der Industrie-4.0-Technologie steht indes noch aus. Nicht zuletzt, weil viele Fragen offen sind. Welche Standards gelten? Welche Kommunikationsnetze werden dafür benötigt? Wie ist es um die Sicherheit der Anlagen bestellt?

Beim „Grand Opening“ im achten Stock der neuen Firmenzentrale geben sich die IBM-Manager ausgelassen und stellen das Großprojekt bereits in eine Reihe mit technologischen Revolutionen wie der Dampfmaschine. Auch bei der Unterkunft wurden weder Kosten noch Mühen gescheut - Watson residiert in einem hochmodernen Glaspalast, der sich über einen gesamten Cityblock im angesagten East Village Manhattans erstreckt und zum Nukleus der New Yorker Tech-Szene „Silicon Alley“ werden soll.

Konzernchefin Rometty heißt Mitarbeiter, Presse und Partner in der „Heimat der kognitiven Ära“ willkommen. Watson selbst ist auch da: „Woran arbeiten wir heute?“, fragt seine Stimme aus dem Off. Was kann der große Hoffnungsträger? IBM-Forscher tüfteln schon seit Jahrzehnten an dem künstlichen Genie, das bereits in den 1990er Jahren auf sich aufmerksam machte, indem es den damaligen Schachweltmeister Garri Kasparow bezwang.

Anfang 2011 hatte Watson seinen bislang größten Auftritt. Das Superhirn besiegte zwei Seriengewinner der bekanntesten US-Quizsendung Jeopardy. Dank seiner extremen Rechenpower versteht der nach dem IBM-Firmengründer Thomas J. Watson benannte Hochleistungscomputer die Sprache der Menschen (zumindest englisch) und weiß offenbar alles oder lernt es blitzschnell.

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