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13.10.2014

15:00 Uhr

Zulieferindustrie

Roboterfahrzeuge mit „Bosch inside“

VonMartin-W. Buchenau

Die großen deutschen Zulieferer Bosch, Continental und ZF profitieren vom Trend zum automatisierten Fahren. Bosch ist das einzige Unternehmen, das Fahrzeuge auf deutschen Straßen testet.

Bosch ist mit Roboter-Autos auf deutschen Straßen unterwegs. dpa

Bosch ist mit Roboter-Autos auf deutschen Straßen unterwegs.

StuttgartRoboterautos sind vollgestopft mit Sensoren, Chips und Steuerungen. Bosch baut alle drei Komponenten selbst. Parallel dazu erproben die Schwaben ein Roboterauto in Kalifornien.

Conti lieferte beispielsweise die Kameratechnik für das Versuchsfahrzeug von Daimler, das bereits zur IAA 2013 autonom die Strecke von Mannheim nach Pforzheim fuhr. Die Elektrolenkung des Tesla ist von ZF Lenksysteme.

Noch sind die Zulieferer weit davon entfernt, dass die Autokonzerne "Bosch inside" auf ihre Autos schreiben müssen, wie es der Chiphersteller Intel bei Computern vorgemacht hat. Aber die Spezialisten geben sich selbstbewusst. Elektroautohersteller und Internetgiganten sehen sie nicht als Gefahr. "Tesla und Google betrachte ich als Kunden von Bosch", sagte Bosch-Chef Volkmar Denner erst kürzlich in einem Handelsblatt-Interview.

Über den Zulieferanteil herrscht Stillschweigen. Aber sowohl beim Roboterauto von Google wie auch beim jetzt vorgestellten Tesla war der weltgrößte Autozulieferer mit von der Partie. Alle Weiterentwicklungen der Fahrerassistenzsysteme gelten als Zwischenschritte auf dem Weg zum automatisierten Fahren.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Bei der neuen S-Klasse hat Daimler einen eigenen Stauassistenten eingebaut, vertraut aber dabei auf Sensoren von Bosch und Continental. Anfang 2015 wird ein Autohersteller erstmals einen Stauassistenten komplett von Bosch einbauen, der das Fahrzeug bis zu Geschwindigkeiten von rund 60 km hmit dem notwendigen Abstand zum Vordermann in der Spur hält. Zur gleichen Zeit wird Bosch das voll automatisierte Einparken ermöglichen, bei dem der Fahrer neben dem Fahrzeug steht und es mit dem Smartphone steuert.

Richtig spannend wird es ab 2018, wenn mit einem Autobahnpiloten hochautomatisiertes schnelles Fahren möglich sein wird, bei dem der Fahrer sich während der Fahrt mit anderen Dingen als Lenken und Bremsen beschäftigen kann.

Das Rennen um das automatisierte Fahren wird von Elektronik und vor allem von der besten Software bestimmt. Deshalb bauen alle Autozulieferer ihre Kompetenz hier deutlich aus. Allerdings wird es noch bis weit in die nächste Dekade dauern, bis Autopiloten auch in Innenstädten möglich sind. Viele rechtliche und versicherungstechnische Fragen sind noch zu klären.

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