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01.12.2015

14:05 Uhr

VR-Kamera Ozo

Nokias Zukunft hat acht Augen

VonChristof Kerkmann

Nokia will sich neu erfinden: Der einstige Handyhersteller entwickelt eine Virtual-Reality-Kamera. In den Aufnahmen können sich die Zuschauer umschauen, als wären sie selbst vor Ort. Hobbyfilmer brauchen aber Geduld.

Das Gerät hat acht Linsen, um das Geschehen rundherum aufnehmen zu können. Nokia

Virtual-Reality-Kamera Ozo

Das Gerät hat acht Linsen, um das Geschehen rundherum aufnehmen zu können.

DüsseldorfNokia hat sich in seiner langen Geschichte schon oft neu erfunden. Das finnische Unternehmen hat erst Papier hergestellt, später Gummistiefel und Reifen, dann viele Jahre Mobiltelefone – bis es die Sparte nach Jahren des Niedergangs an Microsoft verkaufte. Nun steht die nächste Metamorphose an: Der Elektronikkonzern setzt auf das Thema Virtual Reality (VR). Er nimmt ab jetzt Vorbestellungen für eine Kamera entgegen, mit der Filmemacher 360-Grad-Bilder aufnehmen können. Er setzt damit auf eine vielversprechende Technologie, der bald der Durchbruch gelingen könnte.

Ozo, so der Name des Gerätes, ist eine Kugel von der Größe eines menschlichen Kopfes, in die acht Kameras eingelassen sind. Die Linsen nehmen ein 360-Grad-Bild auf, parallel fangen Mikrofone die Geräuschkulisse ein. Eine Software fügt all das zu einem Film zusammen, in dem sich die Zuschauer umgucken können sollen – ganz so, als wären sie selbst an diesem Ort. Dafür brauchen sie lediglich eine VR-Brille, deren Bildschirm einen Rundum-Effekt erzeugt.

Virtual-Reality-Brillen

Taucherbrille fürs Virtuelle

Ob Oculus Rift, Playstation VR oder HTC Vive: Alle Virtual-Reality-Brillen funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Im Sichtfeld zeigt ein Bildschirm die virtuelle Umgebung an, Linsen sollen für einen Rundum-Effekt sorgen. Das Bild wird bei jeder Bewegung des Kopfes angepasst – Sensoren messen jede Veränderung, der Computer errechnet blitzschnell das neue Bild.

Oculus Rift von Oculus VR

Gründer Palmer Luckey baute eine erste Datenbrille aus Smartphone-Komponenten zusammen. Inzwischen hat die Facebook-Tochter die Technik so verfeinert, dass 2016 eine erste Verbraucherversion von Oculus Rift fertig sein soll. Viele Entwickler experimentieren bereits mit der Hardware und schreiben Programme. Ohne leistungsfähigen PC werden Nutzer aber nichts davon haben.

Gear VR von Samsung

Samsung bietet die Datenbrille Gear VR als Zubehör fürs Smartphone an – es wird in die Halterung geschoben und dient als Display, die zwei Linsen in der Brille sorgen für die 3D-Optik. Damit ist das System nicht so leistungsfähig wie Konkurrenzprodukte, aber mobil. Die Technik stammt übrigens von Oculus VR.

Vive von HTC und Valve

Der Elektronikhersteller HTC entwickelt seine Virtual-Reality-Brille Vive gemeinsam mit dem Spielespezialisten Valve. Um die Position des Spielers möglichst genau zu ermitteln, werden im Raum zwei Lasersensoren montiert, die mit den Sensoren am Gerät permanent in Kontakt sind. Eine Besonderheit: Nutzer können sich damit im Raum bewegen. Einführung: noch 2016.

Cardboard von Google

Die virtuelle Realität muss nicht teuer sein: Mit Cardboard hat Google eine zusammenfaltbare Pappkonstruktion entwickelt, in die Nutzer ihr Smartphone schieben können. Eine App bereitet die Bilder passend auf. Technisch sind die anderen Systeme überlegen, Cardboard lässt aber erahnen, welche Möglichkeiten es gibt. Der Internetkonzern soll auch anderen Produkten arbeiten.

Das neue Gerät richtet sich an professionelle Filmemacher, schon wegen des Preises von 60.000 Dollar. Ein Vorteil gegenüber anderen Kameras besteht darin, dass die Bilder in Echtzeit aufbereitet werden. Somit könnte beispielsweise ein Regisseur am Set gleich überprüfen, ob die Aufnahmen so geworden sind wie gewünscht. Man sei mit allen wichtigen Filmstudios im Gespräch, ließ denn auch Nokia-Manager Ramzi Haidamus das Technikportal „Venture Beat“ wissen. Was auch immer das im Detail heißt.

Nokia will die Ozo-Kamera ab dem ersten Quartal 2016 ausliefern. Ein günstiger Zeitpunkt: Im nächsten Jahr kommen mehrere Brillen für die Rundumbilder auf den Markt, beispielsweise von Oculus VR, HTC und Sony. Computerspiele gelten derzeit als wichtigstes Einsatzgebiet, aber auch etliche Medienunternehmen experimentieren mit dem Format. So hat die „New York Times“ ein Feature über die Flüchtlingskrise erstellt. Auch etliche Filmemacher wollen die virtuelle Realität mit ihren 360-Grad-Bildern nutzen. Bislang mangelt es jedoch an professionellen Kameras dafür. Neben Nokia arbeiten auch der Actionkamera-Hersteller Gopro und die Start-ups Lytro und Jaunt an solchen Geräten.

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