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22.01.2003

13:00 Uhr

W-Lan-Hotspots

Kleine Funkzellen stehlen UMTS die Schau

Es sieht so aus, als würde dem aberwitzig teuren Mobilfunkstandard UMTS im Startjahr 2003 ein bißchen die Schau gestohlen - von den vielen billigen kleinen Funkzellen, die jetzt wie Pilze aus dem Boden schießen.

vwd DÜSSELDORF. In gerade sechs Monaten hat sich in Deutschland die Zahl dieser lokalen Netze vervierfacht, die drahtlos via Laptop in rasantem Tempo das Surfen im Internet ermöglichen. Inzwischen existieren über 800 solcher W-Lan-Hotspots. Jetzt gibt es erste Bemühungen um Standards für Abrechnung und Datensicherheit. Die Branche träumt von einem engmaschigen Netz. Ernsthafte Konkurrenz auf ganzer Linie droht UMTS aber wohl nicht.

Den ersten Schritt zur Formierung der Branche hat der Internetverband Eco getan, als er im Dezember einen Arbeitskreis zu Wireless LAN ins Leben rief. Rund 40 Unternehmen waren zugegen, darunter Vodafone und Siemens; die Deutsche Telekom will nicht beitreten. Bis zur CeBIT im März wolle man erste greifbare Ergebnisse haben, sagt Verbandsgeschäftsführer Harald Summa. Ein großes Thema: Wie tauschen sich die Anbieter untereinander in Sachen Abrechnung aus? Diese Frage verberge sich hinter dem Begriff Roaming - nicht aber - wie in der Presse irrtümlich behauptet - bereits die Möglichkeit der Weiterleitung eines Nutzers von einer Funkzelle zur anderen.

Einheitliche Abrechnungs-Plattform wichtig

Eine einheitliche Plattform vor allem für das Billing ist wichtig für den Erfolg von W-Lan. In den USA, wo die lokalen Netze schon sehr weit verbreitet sind, hat die aufstrebende Branche wegen fehlender Regelungen einen empfindlichen Dämpfer bekommen. Bislang finanziert sich W-Lan über Werbung, oder aber Betreiber von Hotspots verkaufen Guthabenkarten. „So etwas ist aber kein Geschäftsmodell für die Zukunft“, betont Summa. Deswegen sei das Interesse an W-Lan bei den potenziellen Anbietern auch noch verhalten.

Seine Vorstellung: Der Nutzer schließt mit einem bestimmten Service-Provider einen Vertrag ab, kann sich an jedem beliebigen Hotspot einloggen und erhält am Monatsende vom Provider eine einzige Rechnung. Wenn das Abrechnungsproblem gelöst ist, kann sich Summa einen „Boom wie in den Anfangsjahren des Internets“ vorstellen. Richtig abgehen werde die Post aber wohl erst ab 2004, denn derzeit sei die Technik noch verbesserungswürdig. Momentan existieren auf dem deutschen Markt rund 200 öffentliche W-Lans vor allem in Hotels und Cafes; außerdem finden sie sich beispielsweise in Bahnhöfen, auf Flughäfen und Messegeländen.

Mehr als 20 Unternehmen bauen die Netze auf, darunter Mobilfunkgesellschaften wie Vodafone D2, die Telekomtochter T-Mobile oder MobilCom. Marktführer ist die W-Lan AG aus München. Vodafone will in zwölf bis 15 Monaten als Betreiber selbst eine dreistellige Zahl von Hotspots anbieten und beginnt im März eine Kooperation mit der Lufthansa. T-Mobile nimmt für sich in Anspruch, im November als erster deutscher Mobilfunknetzbetreiber mit öffentlichen W-Lans gestartet zu sein. Bis Ende 2003 sind 200 Hotspots geplant.

Nachfrage in Privathaushalten zu erwarten

Dem Verband Eco schweben aber noch ganz andere Betreibergruppen vor: Jeder beliebige Mittelständler und sogar Vermieter. Diese könnten zusammen mit den Netzen womöglich Inhalte anbieten, die auf den technisch bedingt engen Aktionsradius der Nutzer zugeschnitten seien. Das entspräche dem Trend zu den so genannten Location Based Services, wie er im Mobilfunk zu beobachten ist. Auch eine rasch wachsende Nachfrage in Privathaushalten sei zu erwarten. Der große Vorteil von W-Lan: Die Technik hat eine viel größere Übertragungskapazität als UMTS. Möglich sind elf bis 54 Megabit pro Sekunde, während UMTS bestensfalls auf zwei Megabit kommt.

Eco rechnet außerdem vor, das W-Lan gegenüber den bestehenden GPRS-Tarifen rund 80 Prozent billiger ist. Auch die Funkzellen sind relativ preiswert zu errichten - nicht im Entferntesten ein Vergleich mit den milliardenschweren UMTS-Investments. Doch ist die Reichweite begrenzt; im Freien sind es höchstens einige hundert Meter. Summa sieht W-Lan nicht nur als Ergänzung, sondern als regelrechte Alternative zu UMTS. Den Funknetzen dürfte zupasse kommen, dass noch einige Zeit vergehe, bis der neue Mobilfunkstandard, der in Deutschland Ende dieses Jahres in Betrieb genommen werden soll, etabliert sei. Auch ein flächendeckendes W-Lan-Netz sei theoretisch möglich.

Die UMTS-Lizenznehmer vertreten andere Ansichten. „W-Lan ist kein vollwertiger Ersatz“, heißt es beispielsweise bei T-Mobile. Die gesamte Sprachtelefonie bleibe praktisch außen vor. Auch wäre der Aufwand einfach viel zu hoch, etwa ganze Straßenzüge mit den Minizellen zu verküpfen. Analyst Nicolas von Stackelberg glaubt zwar, dass sich W-Lan in Ballungszentren in der Datenkommunkation durchsetzen kann. „Im begrenzten Segment des Internetzugangs über Laptop und PDA ist W-Lan als Konkurrenz zu UMTS zu sehen“, meint der Experte vom Bankhaus Sal. Oppenheim. „Aber für alle anderen Applikationen im wirklich mobilen Bereich bietet sich UMTS an.“

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