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28.01.2015

11:03 Uhr

Wettbewerb der Zukunft

Mehr Erfolg ohne Konkurrenzdruck

VonThorsten Giersch

Leistungsdruck vom Kindergarten bis zur Rente und Firmen, die sich mehr um die Konkurrenz scheren als um ihre Kunden: Wettbewerb als Gesellschaftszweck richtet großen Schaden an. In Zukunft wird es anders gehen.

Romeo und Julia müssen sterben, weil ihre Elternhäuser vom falschen Ehrgeiz getrieben gegeneinander arbeiten. dpa

Romeo und Julia müssen sterben, weil ihre Elternhäuser vom falschen Ehrgeiz getrieben gegeneinander arbeiten.

Zwei Häuser, beide gleich an Ansehen
Entfachen neuen Streit aus altem Hass
Im lieblichen Verona, dem Schauplatz unseres Stückes
Und Bürgerblut beschmutzet Bürgerhände.
Aus unheilvollem Schoß der beiden Feinde
Entspringt ein Liebespaar unsternbedroht
Und es begräbt welch jammervoll und furchtbar traurig Los
Der Väter fortdauernder Streit ihr Tod.

So beginnt „Romeo und Julia“ von William Shakespeare. Die Capulets und Montagues stehen sich hasserfüllt und verfeindet gegenüber, was ihren Kindern am Ende den Tod bringt. Die beiden Häuser pflegen die Konkurrenz, ohne Not, denn sie hätten finanziell und machtpolitisch keinerlei Vorteil vom Fall des anderen. Doch sie lieben diesen Wettstreit – erheben ihn zum Daseinszweck, obwohl er nur unsägliches Leid bringt.

Warum konkurrieren Menschen? Oder Firmen? Oder Staaten? Für Karl Marx lag es an den Unterschiedlichkeiten zwischen den beiden Parteien. Das Proletariat kämpfte zum Beispiel gegen die Bourgeoisie, weil sie verschiedene Ziele haben. Shakespeare sah das anders: Für ihn waren die Ziele oft dieselben, die Kontrahenten ähnlich gestrickt. Die Erfahrungen aus der Moderne geben eher dem Dichter recht als Marx: Google und Microsoft hatten mehr gemeinsam als sie trennte beim Kampf um die Krone – den Platz ganz oben auf dem Ranking der größten Unternehmen der Welt. Am Ende wurden sie beide von Apple überholt. Eine Firma, die sich zu einem größtmöglichen Teil um sich selbst anstatt um Konkurrenten kümmerte.

Thorsten Giersch ist Mitglied der Chefredaktion von Handelsblatt Online.

Thorsten Giersch ist Mitglied der Chefredaktion von Handelsblatt Online.

Daraus lässt sich viel lernen. Für Firmen, für Mitarbeiter, für Menschen. Wettbewerb ist eine Ideologie, die alle Lebensbereiche durchdringt – ein wesentlicher Teil des Kapitalismus. Doch steigt durch diese Ideologie wirklich unsere Lebensqualität? Oder nur die Burnout-Rate? Gibt es nicht viele Beispiele von erfolgreichen Menschen und Firmen, die gerade dadurch reich und glücklich wurden, weil sie nicht in Konkurrenzverhältnisse traten? Die Antworten lauten Nein, ja und ja.

Zugegeben: Das Prinzip des Wettbewerbs hat uns großen Wohlstand gebracht und sollte nicht aussterben – kann es auch gar nicht, so tief wie es in unserem Denken verankert ist. Was wäre schon Fußball ohne Sieg und Niederlage?

Mir geht es um einen Mittelweg, von dem unsere Gesellschaft abgewichen ist. Der scharfe Blick des Staates auf Monopole muss bestehen bleiben. Sie führen heute nicht mehr zwingend, aber immer noch häufig zu überhöhten Preisen für den Verbraucher. Aber die Zeiten, in den Monopolisten für Unbeweglichkeit nicht mehr bestraft werden – die sind wahrlich vorbei.

Kommentare (3)

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Hermann Froesch

19.01.2015, 18:11 Uhr

Wer den Wettbewerb abschaffen will, nimmt der Wirtschaft jede Innovationskraft. Nur wenn ich ein besseres Produkt entwickle als der Wettbewerb, kann ich mit einem Ertrag rechnen und letztlich die Belohnung für meine Mühen ernten.

Warum wollen Sie den Wettbewerb abschaffen? Es gibt ihn überall. Auch in der Natur überlebt nur der, der im Wettbewerb mit anderen die besseren Karten hat.

In der Wirtschaft soll der Wettbewerb abgeschafft werden. Aber im Sport wollen wir ihn ausdrücklich fördern. Warum soll man sich sonst eine Sportveranstaltung anschauen?

Die grundsätzlich Bejahung des Wettbewerbs schließt ja nicht aus, dass in Einzelfällen zwei Wettbewerber sich zusammenschließen, weil das in diesem Fall für beide die beste Lösung ist.

Aber den Wettbewerb grundsätzlich ablehnen? Damit wird der Wirtschaft der Motor genommen.

Account gelöscht!

19.01.2015, 18:55 Uhr

Wettbewerb sei nötig, um Firmen zu Innovationen zu zwingen, um Stagnation vorzubeugen. Wettbewerb innerhalb des Unternehmens sei nötig, um die Mitarbeiter zu Höchstleistungen anzuspornen – zu Engagement, das sie sonst nicht zeigen würden.

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Mitarbeiter etwa in der Deutsche Autoindustrie bringen sich ein...

etwa mit Verbesserungsvorschläge.

Doch mancher Vorgesetzter erstickt bereits in der eigene

Abteilung die Vorschlägen...sogar mit trotzdem Prämien.

Wer als Mitarbeiter aber sich damit nicht zufrieden gibt...

und will dass etwa der Vorstand davon erfährt...

wird massiv gemobbt...

und dann gibt jeder auf.









Herr Michael Hörl

20.01.2015, 19:23 Uhr

Wann werden Europas linke, geisteswissenschaftliche Eliten endlich aufhören, vom anstrengungs- und wettbewerbsfreien Leben in der DDR zu träumen?

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