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19.08.2015

11:38 Uhr

Withings Home im Test

Der schöne große Bruder

VonChristof Kerkmann

Sicherheit geht vor Schönheit: Überwachungskameras schmücken die Wohnung nicht gerade. Withings Home soll beides vereinen. Doch im Test von Handelsblatt Online hat auch die dekorative Dose ihre Tücken.

Dank des hübschen Designs lässt sich das Gerät in die Dekoration integrieren. Christof Kerkmann / handelsblatt.com

Überwachungskamera Withings Home

Dank des hübschen Designs lässt sich das Gerät in die Dekoration integrieren.

Die meisten Überwachungskameras sind zweckmäßige, aber nicht sehr ansehnliche Konstruktionen. Dass es anders geht, will der französische Elektronikhersteller Withings beweisen: Sein Heimüberwachungssystem Home ist ein hübsch gestalteter Zylinder mit Holzoptik, aus der die Kamera dezent herauslugt. Aber wie praktikabel ist der schöne große Bruder?

Einfache Installation

Withings hat sich mit einfach zu bedienenden Produkten einen Namen gemacht. Home ist keine Ausnahme: Die Installation geht schnell von der Hand, binnen weniger Minuten ist die Kamera aufgestellt und mit dem Smartphone verbunden. Steuern lässt sie sich mit einer kostenlosen App des Herstellers, die bislang für iPhone und iPad zur Verfügung steht und bald auch auf Android-Geräten laufen soll.

Die Aufstellung kann jedoch etwas schwieriger geraten. Denn der Hersteller liefert keine Halterung für die Montage mit, es braucht somit einen Tisch oder ein Regalbrett in der Nähe, außerdem eine Steckdose. Immerhin lässt sich der Blickwinkel der Kamera nach oben und unten verstellen – mithilfe eines Magnetfußes wird das Gehäuse ausgerichtet.

Withings Home in aller Kürze

Was ist es?

Eine Überwachungskamera fürs Zuhause, die per Mikrofon und Luftsensor auch Geräusche und Schadstoffe bemerkt.

Was ist in der Verpackung?

Die Kamera samt Stromkabel, außerdem ein Magnetfuß zur Ausrichtung der Linse.

Was ist gelungen?

Das Gerät ist im Gegensatz zu vielen anderen Überwachungskameras schick gestaltet. Die Installation ist kinderleicht. Die Bildqualität ist für die Preisklasse in Ordnung.

Was ist nicht so gelungen?

Bei der Aufstellung der Kamera sind Nutzer eingeschränkt. Bei Stromausfall fällt auch das Gerät aus. Die Daten werden in der Cloud gelagert und lassen sich nicht händisch löschen.

Wie viel kostet das Gerät?

Withings empfiehlt einen Preis von rund 200 Euro.

Ist das Gerät empfehlenswert?

Bedingt: Um zu sehen, was über den Tag im Haus passiert, eignet es sich zwar. Für ernsthafte Einsätze aber eher nicht.

Live-Schalte in den Flur

Über die App können Nutzer jederzeit schauen, was zu Hause passiert. Die Kamera erlaubt eine Live-Schalte nach Hause. Um Aktivitäten mitzubekommen, müssen sie aber nicht aufs Smartphone starren: Das System nimmt ein Foto und ein Video auf, wenn es Bewegungen oder Geräusche bemerkt oder die Luftqualität einen vorgegebenen Wert unterschreitet (dazu später mehr). Auf Wunsch wird gleich eine Mitteilung aufs Smartphone geschickt.

Das hat jedoch seine Tücken. So beginnen die Videos leicht verzögert. Es ist etwa zu sehen, wie der Hund auf dem Sofa liegt, nicht aber wie er hochspringt. Die Mitteilungen treffen teils mit einigen Minuten Verzögerung auf dem Smartphone ein. Und damit der Wächter nur wichtige Ereignisse meldet, müssen Nutzer die Grenzwerte für Geräusche und Bewegungen nachjustieren. Sonst wird jeder laute LKW auf der Straße vermeldet.

Ein Problem ist außerdem der obligatorische Anschluss an eine Steckdose: Wenn der Strom ausfällt, wird auch das Bild schwarz. Wer eine ausfallsichere Überwachung benötigt, muss zu einem anderen Produkt greifen.

Ersatz fürs Babyfon?

Withings Home ist jedoch mehr als eine Kamera: Die Dose enthält auch einen Sensor für flüchtige organische Verbindungen, etwa Putzmittel und Ausdünstungen von Möbeln - sie kann also dicke Luft melden. Im Test kam es aber praktisch nie zu Überschreitungen des Grenzwerts von 1000 ppm (parts per million / Teile pro Million Teile). Mit Schadstoffen hantiert man eben nicht so oft im Haus.

Zudem enthält das Gerät Mikrofon und Lautsprecher. Es eignet sich damit beispielsweise als Babyfon, das Geräusche aus dem Kinderzimmer vermeldet. Über den Lautsprecher lässt sich auch gleich Kontakt aufnehmen, ein paar Sekunden lange Spracheingaben werden auf dem Gerät abgespielt. Ob es Kinder gibt, die sich davon beruhigen lassen, hat der Test nicht ermitteln können.

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