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08.11.2017

11:09 Uhr

ZEI im Test

Das Gadget für die 30-Stunden-Woche?

VonCarina Kontio

Sie fragen sich, womit Sie ihre Arbeitszeit vertrödeln? Abhilfe will das Start-up Timeular schaffen – mit einem Zeitmesswürfel. In der „Höhle der Löwen“ bekam ZEI nur Absagen, trotzdem könnte sich das Gerät lohnen.

Nutzer können ihren ZEI-Würfel selbst gestalten und personalisieren, indem sie darauf schreiben, zeichnen oder Sticker anbringen.

Zeiterfassung im Handumdrehen

Nutzer können ihren ZEI-Würfel selbst gestalten und personalisieren, indem sie darauf schreiben, zeichnen oder Sticker anbringen.

KönigswinterWo ist nur die Zeit geblieben? Gehören Sie auch zu den Büro- und Home-Office-Nomaden, die sich am Ende eines langen Arbeitstages fragen, was sie eigentlich die ganze Zeit am Rechner getrieben haben? Was war beruflich – und wie viel Zeit ging für private Dinge drauf? Antworten darauf will das österreichische Start-up Timeular mit seiner Erfindung liefern – dem vernetzten Würfel ZEI.

Mit dem Gadget, das ungefähr so groß ist wie ein Rubik's-Würfel und 115 Euro kostet, richten sich die Macher aber auch an Menschen, die mit Stundenzetteln arbeiten. Bestimmt denken Sie jetzt: „Wer füllt denn heutzutage noch Stundenzettel aus?“ Aber sprechen Sie mal mit einem befreundeten Grafiker, Ihrem Steuerberater oder einem freien Architekten. Für viele Selbstständige und Kreative ist Zeiterfassung – analog wie digital – notwendig und gleichzeitig lästig, denn es kostet ironischerweise Zeit und Nerven.

Das Produkt in aller Kürze

Was ist es?

ZEI ist ein 8-seitiges Gerät, das via Bluetooth mit Computer oder Handy verbunden ist. Mittels einer Software können User jeder Seite des Geräts ein Projekt oder eine Tätigkeit zuweisen. Legt man ZEI anschließend so auf den Tisch, dass das Projekt, an dem man gerade arbeitet, nach oben zeigt, wird die Zeit sofort automatisch erfasst. Will man zu einem anderen Projekt wechseln, dreht man den Würfel einfach, sodass die entsprechende Seite nach oben zeigt.

Was sagt die Werbung?

„Spielerisch einfache Zeiterfassung im Handumdrehen. Einfache Installation -  auspacken, einschalten, verbinden und los gehts!”

Wer steckt dahinter?

ZEI ist eine Erfindung des österreichischen Start-ups Timeular, das bei einer Kickstarter-Kampagne über 400 Prozent des ursprünglichen Ziels, das bei 75.000 Euro lag, eingesammelt hat, in Summe also 314.000 Euro. Produziert wird das Gerät in Deutschland. Timeluar, mit Hauptsitz in Graz und gegründet im Jahr 2015, hat nach eigenen Angaben mittlerweile über 6.000 Kunden in 80 Ländern. Das Management-Team besteht aus: Manuel Bruschi (CEO), Manuel Zoderer (CTO), Thomas Wolf (CPO), Christian Zanzotti (CDO), Lothar Wagner (CFO) und Vanessa Ulrich (CMO).

Was kostet das Gerät?

Der UVP im Online-Shop liegt bei 115 Euro. Zusätzlich verrechnet Timeular 3 Euro Gebühr pro Monat für die optionale Verwendung der Pro-Version der Software. Wichtigster Unterschied zur kostenlosen App, die bereits nötigen Funktionen enthält, um die eigene Zeiterfassung zu erledigen inkl. CSV-Export, Berichte, OpenAPI und alle Updates: die Möglichkeit, Integrationen zu verwenden (derzeit Toggl, JIRA und iCal).

Was ist gelungen?

Es fühlt sich gut an, etwas Physisches in der Hand zu haben und damit seine Zeit zu erfassen. Das Design ist schön und schlicht, die Handhabung unkompliziert.

Was ist nicht gelungen?

Der Batterieschacht ist frickelig und man kommt nicht ganz so einfach an die Knopfzelle dran. Die mitgelieferten Klebe-Icons lassen sich schlecht wieder vom Würfel ablösen.

Lohnt sich der Kauf?

Wenn man tatsächlich in der hübsch aufbereiteten Auswertung sieht, was man den ganzen Tag macht, kann man mit dem ZEI-Würfel sein Zeitmanagement verbessern und Ablenkungen minimieren. Die Handhabung ist intuitiv und unkompliziert und das Gerät sieht auch noch ganz hübsch aus auf dem Schreibtisch. Der Kauf lohnt sich für jeden Haptiker, der viel Zeit an seinem Schreibtisch verbringt. Nur der Preis von 115 Euro ist für meinen Geschmack etwas zu hoch.

Die Vision des Erfinders Manuel Bruschi und seines Mitgründers Christian Zanzotti, Thomas Wolf und Lothar Wagner: „Wir wollen es schaffen, dass es cool wird, bloß 30 Stunden die Woche zu arbeiten. Dafür umso produktiver. Schlussendlich zählt ja das Resultat und nicht wie viele Stunden man absitzt.“ Was Timeular anders macht, als bisherige Anbieter von Zeiterfassungssoftware? Es gibt eine Hardware, die – so die Hoffnung der Gründer – als Alleinstellungsmerkmal dienen soll.

ZEI ist ein achtseitiger Würfel, der via Bluetooth mit dem Computer oder dem Handy verbunden ist. Mittels einer Software lassen sich alle Seiten einem Projekt oder einer Tätigkeit zuweisen, beispielsweise „Handelsblatt lesen“, „Meeting“ oder „Kaffeepause“. Legt man dann ZEI so auf den Tisch, dass das Projekt, an dem man gerade arbeitet, nach oben zeigt, wird die Zeit automatisch erfasst. Will man zu einem anderen Projekt wechseln, dreht man den Würfel. Die Zielgruppe sollen vor allem Selbstständige und Software-Entwickler sein, die mehrere Projekte und verschiedene Kunden haben und pro Stunde bezahlt werden.

Kommentare (1)

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Herr Torge Klarwasser

14.11.2017, 12:23 Uhr

Da sieht man mal, wie sehr Lebensrealitäten sich unterscheiden: Ich habe noch nie Architekten oder Steuerberater Stundenzettel händisch ausfüllen sehen - dafür aber jede Menge Handwerker und Arbeitnehmer im mittleren und unterem Sektor. DA ist das Standard. Immer noch.

Sehr idealistisch und amüsant finde ich die Aussage, dass das Ziel der Gründer die 30 Stunden Woche ist, in der effektiv gearbeitet wird. Dass die 35 - 40 Stundenwoche rein aus Eiffzienzgründen Quatsch ist, weiß mittlerweile auch der Letzte, aber ich glaube nicht, dass sich das so schnell (hierzulande) durchsetzen wird, wo alles 30 Jahre später passiert - da wird eher der Tenor vorherrschen, dass man doch noch 5 - 10 Stunden noch effizienter (!?) arbeiten kann. Alltag in KMUs und wohl auch den meisten Konzernen.

So, nun konkret zum Gadget, weg vom Idealismus. Nehmen Sie es mir nicht übel Frau Kontio, aber der Artikel ist eher schlecht recherchiert:
1. Preise von bis zu 115 EUR sind in dem Segment normal - und streng genommen eigentlich die Untergrenze. Schließlich handelt es sich hier nicht um Ware für den Massenmarkt, sondern um ein Nischenprodukt, dass sich wohl niemals millionenfach verkaufen wird.
2. Es gibt mehr als genug Hardware zur Zeiterfassung. Oder woran buchen Sie morgens/abends ihre Arbeitszeit? Von x Firmen. Egal ob zum an die Wand anbringen (klassische Terminals), als Tischgerät (üblich: Tischleser) oder als mobil einsetzbare Lösung (Logger/Geräte zur Tätigkeitsanalyse, REFA). Erschreckenderweise, auch wenn weniger mehr sein soll, mit weniger Funktionen, weniger intuitiv und deutlich weniger Anwendungsmöglichkeiten als andere (uralte) Lösungen am Markt.
3. Achtseitige "Würfel" nennt man gemeinhin Oktaeder.

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