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13.12.2015

18:59 Uhr

BDI und DIHK

Wirtschaftsverbände zweifeln am Klimavertrag

VonSilke Kersting

Der globale Klimavertrag steht. Umweltverbände feiern das Abkommen als Startschuss für die weltweite Energiewende. Die Weltwirtschaftsverbände BDI und DIHK sind skeptisch – und kritisieren das Fehlen bindender Ziele.

Anders als das 1997 verabschiedete und 2005 in Kraft getretene Kyoto-Protokoll wird das neue Abkommen keine bindenden Ziele zur Reduktion von CO2 für einzelne Staaten festschreiben. dpa

Alpen spiegeln sich

Anders als das 1997 verabschiedete und 2005 in Kraft getretene Kyoto-Protokoll wird das neue Abkommen keine bindenden Ziele zur Reduktion von CO2 für einzelne Staaten festschreiben.

ParisWie wichtig Symbole in der Politik sein können, das weiß Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nur zu gut. Am Samstag kurz nach elf Uhr, eine halbe Stunde bevor der französische Außenminister und Leiter der Klimakonferenz, Laurent Fabius, seinen letzten und finalen Textvorschlag präsentieren wollte, lud Hendricks’ Pressestelle zu einem „spontanen“ Bildtermin der sogenannten Koalition der Ambitionierten ein, eine heterogene informelle Gruppe, die sich in Paris aus 79 Entwicklungsländern, den USA, der EU und Brasilien gebildet hatte, um die sonst so starren interessengeleiteten Koalitionen ein wenig aufzuweichen.

Arm in Arm wanderten die obersten Vertreter dieser Koalition in den Plenarsaal, vorbei an laut klatschenden Konferenzteilnehmern. „Wir sind uns einig“, das war die Botschaft dieser Bilder.

Zuvor waren massive Spannungen aufgetreten – vor allem bei der Frage nach Finanzhilfen für Entwicklungsländer und danach, wer diese trägt. Das nun verabschiedete Abkommen ist „ausgewogen – und in diesem Sinne das Beste, was verhandelt werden konnte“, so Fabius. Umweltverbände feierten den Vertrag als Startschuss für eine weltweite Energiewende. „Jetzt steht der Kohleausstieg in Deutschland wie auch in anderen Staaten mehr denn je auf der Tagesordnung“, sagte WWF-Klimaexpertin Regine Günther.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Die Staaten legten sich darauf fest, die Erderwärmung gegenüber vorindustrieller Zeit unterhalb von zwei Grad zu halten, besser noch, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das dürfte allerdings schwierig sein, denn bislang befindet sich die Welt eher auf einem Drei-Grad-Pfad. „Das Ziel, die Erd‧erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, ist schon sehr ambitioniert – und ohne negative Emissionen kaum machbar“, sagte Klimaökonom Ottmar Edenhofer dem Handelsblatt. Bei den negativen Emissionen geht es darum, der Atmosphäre CO2 zu entziehen, etwa durch Aufforstung oder indem man Biomasse anbaut, diese zur Verstromung verbrennt und das dabei entstehende CO2 abscheidet und unterirdisch lagert.

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