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03.10.2015

17:45 Uhr

„Biobatterie“

Stromspeicher im Container

VonSteffen Ermisch

Angesichts begrenzter Ölreserven gehört natürlichen Alternativen wie Biogas die Zukunft. Fraunhofer-Forscher haben nun aus Gärresten und Biomasse die erste kommerzielle Biobatterie kreiert – für rund 1,5 Millionen Euro.

Die Zweitverwertung von Rohstoffen soll Biogasanlagen wirtschaftlicher machen und das Optimum aus den Einzelstoffen herausholen. dpa

Biogasanlage

Die Zweitverwertung von Rohstoffen soll Biogasanlagen wirtschaftlicher machen und das Optimum aus den Einzelstoffen herausholen.

KölnDa geht noch was: Wer meint, Biogasanlagen würden schon das Optimum aus den Einsatzstoffen herausholen, den belehren Forscher des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik eines Besseren. Sie verwandeln Gärreste noch in hochwertige Energieträger.

Biokohle, Öl und Synthesegas produziert die „Biobatterie“, die nun marktreif ist: Der Gärrest oder andere Biomasse wird in einem Reaktor mit einer sich drehenden Förderschnecke stark erhitzt - und so in feste und flüchtige Bestandteile zergliedert.

„Die Öle und Gase können direkt im Blockheizkraftwerk verwendet werden“, sagt Fraunhofer-Forscher Andreas Apfelbacher. Die Biokohle lasse sich in Kohlekraftwerken verfeuern oder zur Bodenverbesserung nutzen. Im Idealfall kommen beim Umwandlungsprozess Abwärme von Biogasanlagen oder Überschussstrom von Windrädern oder Solarzellen zum Einsatz. Die Biobatterie würde so ihrem Namen gerecht: als Energiespeicher.

Das sind die größten Stromverbraucher weltweit

Platz 1: China

China ist die weltweite Nummer Eins unter den Stromverbrauchern. Kein anderes Land benötigt mehr Strom. Auch bei der Stromerzeugung ist das Land an der Spitze, exportiert jedoch nicht besonders viel von seiner Energie. Im Ranking der Strom exportierenden Länder belegt die Volksrepublik nur den neunten Platz.

Platz 2: USA

Der zweitgrößter Stromverbraucher der Welt ist die USA. Fast fünf Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität waren im Jahr 2010 regenerative Energien.

Platz 3: Japan

Den dritten Platz der größten Stromverbraucher belegt Japan. Das Land ist zugleich viertgrößter Stromproduzent der Erde, vor ihm liegen nur Russland, China und die USA. Mit seinen Erzeugungen versorgt sich Japan im Gegensatz zu diesen Ländern jedoch ausschließlich selbst.

Platz 4: Russland

Fast genauso viel Strom wie Japan verbraucht Russland und liegt somit auf dem vierten Platz der weltweit größten Verbraucher. Das Land ist zudem drittgrößter Stromproduzent.

Platz 5: Indien

Der fünftgrößte Stromverbraucher der Welt ist Indien. Kein Wunder: Das Land ist nach China das bevölkerungsreichste der Welt, 1,3 Milliarden Einwohner leben dort laut Schätzungen.

Platz 6: Kanada

Auf dem sechsten Platz der größten Stromverbraucher gibt es eine Überraschung: Kanada. Dabei ist das Land relativ spärlich besiedelt, nur 34 Millionen Menschen leben dort.

Platz 7: Deutschland

Mehr als doppelt so viele Einwohner wie Kanada hat Deutschland, und ist dennoch hinter dem nordamerikanischen Land, wenn es um den Stromverbrauch geht. 545 Milliarden Kilowattstunden wurden 2011 verbraucht. Beim Export von Strom ist Deutschland hingegen fast Spitze. Im weltweiten Vergleich exportiert nur Nachbarland Frankreich mehr.

Platz 8: Frankreich

Als Stromexporteur ist Frankreich die weltweite Nummer Eins. Beim Stromverbrauch liegt das 65 Millionen Einwohner-Land dagegen nur auf dem achten Platz.

Die Franzosen setzen bei der Stromerzeugung voll auf Atomkraft. 58 Meiler waren 2011 in Betrieb. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum neun Atomkraftwerke, in Spanien acht und im Vereinigten Königreich 18.

Platz 9: Brasilien

Neungrößter Stromverbraucher ist Brasilien. In dem südamerikanischen Land leben 200 Millionen Menschen.

Platz 10: Südkorea

Südkorea ist auf dem zehnten Platz der größten Stromverbraucher der Welt. Das Land versorgt sich laut der US-Informationsbehörde CIA komplett selbst, importiert also keinen Strom. Seinen Strom erzeugte Südkorea im Jahr 2010 zu fast einem Drittel mit Atomkraft, bis 2024 soll sie fast 50 Prozent der Stromproduktion ausmachen.

Die erste kommerzielle Biobatterie hat die Fraunhofer-Ausgründung Susteen Technologies bereits in einem Container ausgeliefert. Rund anderthalb Millionen Euro kostet derzeit eine Anlage mit einem Biomasse-Durchsatz von 300 Kilogramm pro Stunde - passend für eine durchschnittliche Biogasanlage. Die Investition kann sich laut Susteen binnen acht Jahren rechnen.

Einen Zuverdienst für Betreiber von Biogasanlagen verspricht auch das Dresdener Start-up Biofabrik. Dessen „Bioraffinerie“ gewinnt aus Grassilage - dem Eingangsstoff für Hunderte Biogasanlagen - einen nährstoffreichen Presssaft. Er enthält laut Biofabrik-Sprecher Florian Bauer Amino- und Milchsäuren sowie Zucker und Mineralien. Der zurückbleibende Presskuchen könne wie gewohnt vergoren werden - mit minimalen Einbußen bei der Gasausbeute. Entwickelt wurde das Verfahren an der Universität Linz.

Die erste kommerzielle Bioraffinerie steht in Tschechien, eine weitere ist im bayerischen Hof im Bau. Knapp 700.000 Euro kostet die Anlage, die sich Betreiber auch per Crowdfunding finanzieren lassen können. Biofabrik verspricht, den Presssaft garantiert abzunehmen.

Bisher veredelt das Unternehmen diesen und vermarktet das Produkt unter dem Namen Aminoo als Proteindünger. „Düngemittel basieren häufig auf Produkten der Petrochemie. Angesichts begrenzter Erdölreserven gehört natürlichen Alternativen die Zukunft“, sagt Bauer. Für 2016 ist eine Zentralraffinerie geplant: Einzelbestandteile des Pflanzensafts sollen künftig separat verkauft werden.

Auch beim Fraunhofer-Institut ist eine zentrale Raffinerie angedacht. Darin könnte das in den Biobatterien gewonnene Öl zu Pkw-Kraftstoffen verfeinert werden. „Im Labor haben wir schon einige Liter gewonnen“, erklärt Apfelbacher.

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