Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.11.2015

15:00 Uhr

China und die Ökologie

In 56 Schritten zur grünen Wirtschaft

VonStephan Scheuer

China verschärft die Umweltschutzrichtlinien und arbeitet hart daran, grüne und energieeffiziente Industrien als neue Wachstumstreiber zu etablieren. Wie Deutsche Mittelständler davon profitieren können.

70 Prozent des Hausmülls landen auf Deponien. Wu dongjun - Imaginechina

Müllhalde in China

70 Prozent des Hausmülls landen auf Deponien.

Dalian„Wir arbeiten hart daran, grüne und energieeffiziente Industrien als neue Wachstumstreiber zu etablieren", sagte Chinas Ministerpräsident Li Keqiang vor Unternehmern auf dem Weltwirtschaftsforum in der Küstenmetropole Dalian vor wenigen Wochen. Kurz darauf legt der Staatsrat unter seiner Führung nach und veröffentlicht einen Reformplan zum ökologischen Umbau der Wirtschaft, der in 56 Punkten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt einen grünen Wandel verordnet.

Umweltschädliche und energieintensive Industrien sollen schrittweise geschwächt oder ganz aus dem Land gedrängt werden. Allein in Peking wurden zwischen Januar und September 315 Firmen geschlossen. Dafür will die Staatsführung nachhaltige Energien gezielt stärken.

15 Gründe, weshalb die Energiewende so kompliziert ist

Kosten

Diese zahlen die Stromverbraucher. Die Ökostrom-Umlage und Rabatte für die Industrie belasten ihre Stromrechnungen.

Fördersystem

Die Wirtschaft warnt vor Planwirtschaft und fordert ein Förder-Ende sowie Wettbewerb auch für Ökostrom-Erzeuger.

20 Jahre Garantie

Da Solar- und Windanlagen bisher 20 Jahre lang Vergütungen bekommen, kann der Strompreis erstmal nicht sinken.

Soziale Schieflage

Die Zahnarzthelferin zahlt über den Strompreis die Renditen für Solarpanele, die sich ihr Chef aufs Dach setzt.

Industrie

Sie muss entlastet werden, damit niemand abwandert. Aber wie stark? Die Bürger müssen dadurch Mehrbelastungen schultern.

Zielkonflikt

Weniger Atomstrom führt dazu, dass mehr Kohlestrom produziert wird. Der CO2-Ausstoß ist 2012 und 2013 gestiegen.

Länder-Interessen

Der Norden will mehr Windräder, der Westen fürchtet um seine Industrie, der Süden will mehr Gaskraftwerke.

Stromnetze

Große Nord-Süd-Trassen werden gebraucht, sonst gibt es im Norden viel zu viel Strom. Aber die Bürger protestieren.

Fehlende Steuerung

Bisher können quasi unbegrenzt Ökoenergie-Anlagen gebaut werden - es fehlt oft an bedarfsorientierter Planung.

Grundlast-Problem

Ohne Speicher sind wegen der je nach Wetterlage schwankenden Ökostrom-Produktion weiterhin viele Kraftwerke nötig.

Strombörse

Im Einkauf fallen dank viel Ökostrom die Preise - die Bürger spüren davon wegen der Umlagen beim Endpreis kaum etwas.

Fehlender Markt

Viele Kraftwerke rechnen sich nicht mehr - der mit viel Geld geförderte Ökostrom stellt den Markt auf den Kopf.

Überkapazitäten

Wegen des rasanten Ausbaus wird oft zu viel Strom produziert. Nie wurde so viel Strom exportiert wie 2013.

Ärger bei den Nachbarn

Polen lässt Netzsperren einbauen, auch andere Länder klagen über Preis- und Stromfluss-Unwuchten.

Wärmemarkt

Im Wärmebereich hakt es besonders stark, auch beim Energiesparen - Gebäudesanierungs-Ziele werden kaum erreicht.

Alternative Energien, Abwasseraufbereitung, Luftreinigung und weitere Branchen sollen in den Genuss besonderer Förderungen kommen. Die großen Staatsbanken sollen Kredite künftig stärker nach ökologischen Kriterien verteilen. "Das ist keine Beruhigungspille. Das ist eine ernsthafte Absichtserklärung", sagt Stuart Gulliver, Vorstandschef der britischen Großbank HSBC.

Während viele Branchen der Schwerindustrie leiden, will Li die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt auf einen langfristigen Wachstumspfad führen. Einige deutsche Mittelständler sind den Lockrufen aus dem Reich der Mitte gefolgt. Sie wollen Chinas grüne Wende forcieren und daran verdienen.

Deutschlands zweitgrößtes Abfallunternehmen, Alba, setzt stark auf China. „Unsere Lage ist ähnlich wie die von BMW vor 30 Jahren. Wer später profitieren will, muss jetzt dabei sein“, sagt Axel Schweitzer, der das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder, DIHK-Präsident Eric Schweitzer, leitet. „Der Markt ist noch sehr jung. Jetzt werden die Weichen gestellt.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×