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11.11.2015

20:43 Uhr

CO2 als Rohstoff

Die weiche Seite eines Klimakillers

VonMartin Wocher, Bert Fröndhoff

Das Treibhausgas Kohlendioxid ist ein attraktiver Rohstoff und könnte sogar Rohöl ablösen – etwa für die Herstellung von Matratzen. Die Nutzung ist aber vielfach noch zu teuer.

Die Nutzung von CO2 als Rohstoff ist vielfach noch zu teuer. dpa

Könnte Rohöl ablösen

Die Nutzung von CO2 als Rohstoff ist vielfach noch zu teuer.

DüsseldorfLothar Mennicken sorgt als Redner bei Forschungskongressen oft für Aufsehen. An seinem Sakko prangt dann ein Button mit der Aufschrift: „I love CO2“. Das Treibhausgas als Objekt menschlicher Zuneigung? „Alle reden von Kohlendioxid nur als Klimakiller“, schimpft der Referent im Bundesforschungsministerium. „Dabei ist die Nutzung von CO2 als Rohstoff für die Chemie eine riesige Chance.“

Die 10 größten Klimasünder

CO2-Ausstoß

Mit weitem Abstand führen China und die USA die Liste der Staaten an, die am meisten Kohlendioxid produzieren. Die folgenden Angaben zum CO2-Ausstoß beziehen sich auf das Jahr 2010, neuere Daten sind noch nicht verfügbar.

China

7270 Millionen Tonnen

USA

5369 Millionen Tonnen

Indien

1626 Millionen Tonnen

Russland

1581 Millionen Tonnen

Japan

1143 Millionen Tonnen

Deutschland

762 Millionen Tonnen

Südkorea

563 Millionen Tonnen

Kanada

537 Millionen Tonnen

Iran

509 Millionen Tonnen

Großbritannien

484 Millionen Tonnen

Was Mennicken meint, ist eines der spannendsten Vorhaben nicht nur in der Chemieforschung. Bislang wird Kohlendioxid als Abfallprodukt aus Fabriken, Auspuffrohren und Flugzeugtriebwerken nur in die Luft gepustet. Jetzt treiben große Chemie- und Industriefirmen mit Forschungsinstituten die Nutzung des Gases voran: als neue Basis für Kunststoffe und Chemikalien. Selbst Treibstoff für Autos und Flugzeuge kann aus CO2 hergestellt werden. Die ersten Produkte stehen vor der Marktreife.

„Es geht um das industrielle Recycling eines Stoffes, der in Massen vorhanden ist“, sagt der Physiker Michael Carus, Gründer des Nova Instituts in Hürth, einem Forschungs- und Beratungsunternehmen, das die biobasierte Industrieproduktion vorantreiben will. Unter dem Strich, glaubt Carus, könnten so auch die Emissionen des Treibhausgases insgesamt reduziert werden - wenn das Recycling mit Hilfe erneuerbarer Energien gelingt.

Die Vision ist kühn: Bislang fertigt die Chemieindustrie 85 Prozent ihrer Produkte aus Stoffen, die auf Rohöl und Erdgas basieren. Der Kohlenstoffbedarf könnte alternativ aber auch durch die Aufspaltung von CO2 gedeckt werden - und das Öl dann überflüssig sein. Doch das Gas gilt als „schlafender Hund“ - kraftvoll, aber total träge. Die Verarbeitung scheitert bislang meist am sehr hohen Energieaufwand und fehlenden Katalysatoren.

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