Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.11.2015

20:44 Uhr

Cop21 – Mit dem Zug zum Klimagipfel

Eine PR-Show mit Zwangspause

VonSilke Kersting

Per ICE reist Umweltministerin Barbara Hendricks nach Paris zum Weltklimagipfel. Der Trip ist eine PR-Aktion – dennoch gerät sie ins Visier von Aktivisten: „Thank you for travelling with Deutsche Bahn.“

Der Zug mit der Umweltministerin an Bord, geriet im Frankfurter Bahnhof ins Visier von Aktivisten: sie kletterten auf das Dach. dpa

Aktivisten auf dem Zugdach

Der Zug mit der Umweltministerin an Bord, geriet im Frankfurter Bahnhof ins Visier von Aktivisten: sie kletterten auf das Dach.

Unvorhergesehener Halt des „Train to Paris“: Aktivisten haben bei einem kurzen Zwischenstopp in Frankfurt am Main den Zug blockiert, mit dem Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) zusammen mit anderen Politikern, Unternehmern, Wissenschaftlern und Klimaschützern auf dem Weg in die französische Hauptstadt zu dem am Montag startenden Klimagipfel unterwegs waren. Erst gegen 20 Uhr erreichte der Zug sein Ziel.

Drei Personen seilten sich vom Dach der Bahnhofshalle auf den Zug ab, zwei ketteten sich vor den Zug ans Gleis. Der Gipfel in Paris sei nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems, sagte einer der Zugbesetzer, die eigener Aussage zufolge keiner Organisation angehörten. Auf einem Transparent stand „Klimaschutz statt Stellvertreter-Spektakel“.

Ein Versuch der Ministerin, mit ihnen zu sprechen, brachte keinen Erfolg, sie wurde zum Rücktritt aufgefordert. Polizei und Feuerwehr begannen dann damit, das Zugdach und die Schienen zu räumen. Erst nach knapp drei Stunden unfreiwilligem Aufenthalt setzte sich der Zug wieder in Bewegung.

Am frühen Samstag morgen war die bunte Truppe rund um die Ministerin vom Berliner Hauptbahnhof nach Paris gestartet. 350 Reisende, Politiker, Unternehmer, Wissenschaftler, Klimaschützer, sie alle stiegen gut gelaunt in den ICE.

„Ich freue mich wirklich, die zehn Stunden mit Ihnen zu verbringen“, sagte Hendricks, kurz nachdem sie einige Minuten vor neun Uhr den Sonderzug betrat. „In diesem Sinne“, scherzte die Ministerin, „thank you for travelling with Deutsche Bahn."

Die Botschaft, die von der Zugfahrt ausgehen soll, ist klar: Es wird klimafreundlich zum Klimagipfel gereist. Die Erneuerbaren Energien haben derzeit bei der Bahn einen Anteil von 40 Prozent am Strommix, das heißt, so ganz grün ist auch die Bahn noch nicht unterwegs. Doch für diese Fahrt, sagt Ronald Pofalla, der für Umwelt zuständige Vorstand im Konzern, wurde zusätzlicher Ökostrom eingekauft, „um sicherzustellen, dass die Fahrt CO2-frei erfolgt“.

Mehrere Sonderzüge rollen nach Paris, als Teil einer Kampagne des Internationalen Eisenbahnverbandes (UIC). „Der aus Beijing ist schon zehn Tage unterwegs“, erzählt die Ministerin. 10.439 Kilometer umfasst die Strecke, mit einem Abstecher über Moskau, da sind die 1.075 Kilometer zwischen Berlin und Paris wahrlich ein Vergnügen.

Klimapolitik: Deutschlands trügerische CO2-Bilanz

Klimapolitik

Premium Deutschlands trügerische CO2-Bilanz

Die hohen Klimaschutzkosten vertreiben die Industrieproduktion aus Deutschland – die Emissionen treten dann anderswo auf. Erstmals quantifiziert eine Studie die Verlagerungseffekte für einzelne Produkte.

Vor allem bei diesem voll bepacktem Programm. Wie sozial die Öko-Idee ist, wird Heiner Koch, Erzbischof von Berlin, gefragt, wie die Dekarbonisierung der globalen Ökonomie gelingen könnte, Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik. Ingo Speich der Fondsgesellschaft Union Investment spricht über die besondere Rolle des Finanzmarkts. Unternehmer wie Michael Otto, Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group, Karsten Ottenberg, Geschäftsführer BSH Hausgeräte, und Andreas Engelhardt, CEO des Bauzulieferers Schüco International, diskutieren darüber, wie Unternehmen und Politik den Klimaschutz vorantreiben können. Sehr kurzweilig, diese Fahrt, findet die frühere niedersächsische Umweltministerin und heutige Nachhaltigkeitschefin der Kreuzfahrt-Gesellschaft Aida, Monika Griefahn. Jedenfalls bis zum Zwischenfall in Frankfurt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×