Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.10.2015

12:25 Uhr

Düstere Prognosen

Wie teuer ist der Klimawandel?

VonMalte Buhse

Es ist ein Frontalangriff auf die Klimaökonomie: Volkswirte beziffern die Kosten der Erderwärmung – und ernten heftige Kritik von der eigenen Zunft. Der Vorwurf: Die Modelle basieren auf willkürlichen Annahmen.

Wie lassen sich die zukünftigen Kosten des Klimawandels berechnen? Experten sind sich uneinig. dpa

Wie lassen sich die zukünftigen Kosten des Klimawandels berechnen? Experten sind sich uneinig.

KölnMit riesigen Zahlen erschreckte der Ökonom Nicholas Stern vor neun Jahren die Welt. Bis zu 20 Prozent des Welt-Bruttoinlandsproduktes könnten pro Jahr durch den Klimawandel vernichtet werden, prognostizierte 2006 ein Bericht, der unter Leitung des Londoner Klimaökonomen entstanden war. Die Erderwärmung könnte die Menschheit damit Jahr für Jahr um einige Billionen Dollar ärmer machen.

15 Gründe, weshalb die Energiewende so kompliziert ist

Kosten

Diese zahlen die Stromverbraucher. Die Ökostrom-Umlage und Rabatte für die Industrie belasten ihre Stromrechnungen.

Fördersystem

Die Wirtschaft warnt vor Planwirtschaft und fordert ein Förder-Ende sowie Wettbewerb auch für Ökostrom-Erzeuger.

20 Jahre Garantie

Da Solar- und Windanlagen bisher 20 Jahre lang Vergütungen bekommen, kann der Strompreis erstmal nicht sinken.

Soziale Schieflage

Die Zahnarzthelferin zahlt über den Strompreis die Renditen für Solarpanele, die sich ihr Chef aufs Dach setzt.

Industrie

Sie muss entlastet werden, damit niemand abwandert. Aber wie stark? Die Bürger müssen dadurch Mehrbelastungen schultern.

Zielkonflikt

Weniger Atomstrom führt dazu, dass mehr Kohlestrom produziert wird. Der CO2-Ausstoß ist 2012 und 2013 gestiegen.

Länder-Interessen

Der Norden will mehr Windräder, der Westen fürchtet um seine Industrie, der Süden will mehr Gaskraftwerke.

Stromnetze

Große Nord-Süd-Trassen werden gebraucht, sonst gibt es im Norden viel zu viel Strom. Aber die Bürger protestieren.

Fehlende Steuerung

Bisher können quasi unbegrenzt Ökoenergie-Anlagen gebaut werden - es fehlt oft an bedarfsorientierter Planung.

Grundlast-Problem

Ohne Speicher sind wegen der je nach Wetterlage schwankenden Ökostrom-Produktion weiterhin viele Kraftwerke nötig.

Strombörse

Im Einkauf fallen dank viel Ökostrom die Preise - die Bürger spüren davon wegen der Umlagen beim Endpreis kaum etwas.

Fehlender Markt

Viele Kraftwerke rechnen sich nicht mehr - der mit viel Geld geförderte Ökostrom stellt den Markt auf den Kopf.

Überkapazitäten

Wegen des rasanten Ausbaus wird oft zu viel Strom produziert. Nie wurde so viel Strom exportiert wie 2013.

Ärger bei den Nachbarn

Polen lässt Netzsperren einbauen, auch andere Länder klagen über Preis- und Stromfluss-Unwuchten.

Wärmemarkt

Im Wärmebereich hakt es besonders stark, auch beim Energiesparen - Gebäudesanierungs-Ziele werden kaum erreicht.

Der Stern-Report war eine Weltpremiere: Er lieferte zum ersten Mal konkrete Zahlen darüber, was der Klimawandel kostet. Inzwischen haben zahlreiche Ökonomen ähnliche Berechnungen aufgestellt. Stern aktualisierte vergangenes Jahr seinen Report - und kam zu ähnlich düsteren Prognosen. Die Berichte der Ökonomen zu den Kosten des Klimawandels werden auch bei der Uno-Klimakonferenz Anfang Dezember in Paris eine große Rolle spielen, wenn 195 Staaten versuchen, sich auf ein neues Klimaschutzabkommen zu einigen. Denn mit wirtschaftlichen Horrorszenarien lassen sich viele Länder leichter vom Klimaschutz überzeugen als mit versinkenden Südsee-Inseln und aussterbenden Tierarten.

Doch Studien wie die von Stern sind inzwischen hochumstritten. Seit Jahren debattieren Ökonomen, ob der Stern-Report die Schäden über- oder sogar noch unterschätzt. Robert Pindyck vom Massachusetts Institute of Technology geht noch weiter mit seiner Kritik: Studien, die die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels berechnen, seien kompletter Unsinn, argumentiert der Ökonom in einem im Frühjahr veröffentlichten Arbeitspapier.

Es ist ein Frontalangriff auf das Herzstück der Klimaökonomie. Um den Klimawandel ökonomisch zu analysieren, versuchen Ökonomen die Erderwärmung in Geld umzurechnen. Die zentrale Frage dabei lautet: Wie teuer wird es für die Menschheit, wenn die Durchschnittstemperatur auf der Erde um mehr als zwei Grad steigt?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×