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18.11.2015

13:53 Uhr

Elektromobilität

Schneller Energieschub für E-Autos

VonSteffen Ermisch

Das Thema Elektroauto bekommt neuen Schwung: Die Ladeinfrastruktur in Deutschland soll deutlich besser und dichter werden. Hunderte Schnellladestationen sind allein an den Autobahnen geplant.

Das Kalkül der Regierung: Wenn die Bürger im Schnitt alle 30 Kilometer an Autobahnen Strom tanken können, lassen sie Vorbehalte gegenüber E-Mobilität fallen. dpa

Der neue Porsche Mission E (Elektroauto)

Das Kalkül der Regierung: Wenn die Bürger im Schnitt alle 30 Kilometer an Autobahnen Strom tanken können, lassen sie Vorbehalte gegenüber E-Mobilität fallen.

KölnDer Tankstopp an der Autobahn soll bald auch mit dem Elektroauto zur Selbstverständlichkeit werden. Bis Ende 2017 will der Raststättenbetreiber Tank & Rast an knapp 400 Standorten Schnellladesäulen aufstellen. Nur noch 20 Minuten brauchen sie, um den Akku eines gängigen E-Autos vollzupumpen. Anfangs soll der Energieschub per Ladekabel sogar kostenlos sein.

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Kosten

Diese zahlen die Stromverbraucher. Die Ökostrom-Umlage und Rabatte für die Industrie belasten ihre Stromrechnungen.

Fördersystem

Die Wirtschaft warnt vor Planwirtschaft und fordert ein Förder-Ende sowie Wettbewerb auch für Ökostrom-Erzeuger.

20 Jahre Garantie

Da Solar- und Windanlagen bisher 20 Jahre lang Vergütungen bekommen, kann der Strompreis erstmal nicht sinken.

Soziale Schieflage

Die Zahnarzthelferin zahlt über den Strompreis die Renditen für Solarpanele, die sich ihr Chef aufs Dach setzt.

Industrie

Sie muss entlastet werden, damit niemand abwandert. Aber wie stark? Die Bürger müssen dadurch Mehrbelastungen schultern.

Zielkonflikt

Weniger Atomstrom führt dazu, dass mehr Kohlestrom produziert wird. Der CO2-Ausstoß ist 2012 und 2013 gestiegen.

Länder-Interessen

Der Norden will mehr Windräder, der Westen fürchtet um seine Industrie, der Süden will mehr Gaskraftwerke.

Stromnetze

Große Nord-Süd-Trassen werden gebraucht, sonst gibt es im Norden viel zu viel Strom. Aber die Bürger protestieren.

Fehlende Steuerung

Bisher können quasi unbegrenzt Ökoenergie-Anlagen gebaut werden - es fehlt oft an bedarfsorientierter Planung.

Grundlast-Problem

Ohne Speicher sind wegen der je nach Wetterlage schwankenden Ökostrom-Produktion weiterhin viele Kraftwerke nötig.

Strombörse

Im Einkauf fallen dank viel Ökostrom die Preise - die Bürger spüren davon wegen der Umlagen beim Endpreis kaum etwas.

Fehlender Markt

Viele Kraftwerke rechnen sich nicht mehr - der mit viel Geld geförderte Ökostrom stellt den Markt auf den Kopf.

Überkapazitäten

Wegen des rasanten Ausbaus wird oft zu viel Strom produziert. Nie wurde so viel Strom exportiert wie 2013.

Ärger bei den Nachbarn

Polen lässt Netzsperren einbauen, auch andere Länder klagen über Preis- und Stromfluss-Unwuchten.

Wärmemarkt

Im Wärmebereich hakt es besonders stark, auch beim Energiesparen - Gebäudesanierungs-Ziele werden kaum erreicht.

Tank & Rast selbst nimmt viel Geld in die Hand: „Wir rechnen mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von circa 25 Millionen Euro für Tank & Rast“, sagt Prokurist Andreas Rehm. Als die erste Säule im September an der A9 in Betrieb genommen wurde, kam auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Der Bund bezuschusst die Errichtung der Säulen und die nötige technische Infrastruktur. Das Kalkül der Regierung: Wenn die Bürger im Schnitt alle 30 Kilometer an Autobahnen Strom tanken können, lassen sie Vorbehalte gegenüber E-Mobilität fallen.

Eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigt: Neben unzureichenden Reichweiten wird bisher vor allem bemängelt, dass Laden unterwegs zu lange dauert. Vier von zehn Befragten befürchten, dass Lademöglichkeiten während der Fahrt oder am Zielort ganz fehlen. Tatsächlich ist die Infrastruktur aber gar nicht so schlecht. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zählte im April Lademöglichkeiten in immerhin 839 Städten und Gemeinden. Die Zahl der Ladepunkte ist seit Mitte 2014 um 800 auf 5.500 gestiegen.

„Es gibt noch Gebiete, die nicht ausreichend versorgt sind“, sagt Norbert Verweyen, Geschäftsführer von RWE Effizienz - das Unternehmen betreibt hierzulande mehr als 1800 öffentliche Ladepunkte. „Für viele Regionen haben wir als Energieversorger das Henne-Ei-Problem aufgebrochen, indem wir in Vorleistung gegangen sind.“ Nun gehe es darum, den Zugang zu den Säulen zu vereinfachen.

Das Problem bisher: E-Autofahrer schließen meist einen Fahrstromvertrag mit einem regionalen Versorger ab und bekommen nur für dessen Säulen eine Kundenkarte mit Funkchip. Bei anderen Anbietern funktioniert sie nur, wenn die Betreiber untereinander Kooperationen vereinbart haben.

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