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26.11.2015

07:49 Uhr

Energiespeicher

Tschüss Eon, au revoir RWE

Sonnenbatterie sagt den Energieriesen den Kampf an. Europas führender Anbieter von Eigenheimspeichern will Besitzer von Solaranlagen und Akkus miteinander vernetzen. Das Ziel: Versorger überflüssig machen.

Christoph Ostermann und Torsten Stiefenhofer (rechts), die Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens.

2010 gegründet: Sonnenbatterie

Christoph Ostermann und Torsten Stiefenhofer (rechts), die Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens.

DüsseldorfPhilipp Schröder pfeift auf Bescheidenheit. Der 32-Jährige Manager will die Energiewirtschaft revolutionieren. Sein Ziel? Eine Stromversorgung völlig ohne konventionelle Energiekonzerne und Großkraftwerke. RWE, Eon und Co. stehen in seiner Welt auf verlorenem Posten. Spätestens in zehn Jahren, so seine These, sind sie endgültig überflüssig.

15 Gründe, weshalb die Energiewende so kompliziert ist

Kosten

Diese zahlen die Stromverbraucher. Die Ökostrom-Umlage und Rabatte für die Industrie belasten ihre Stromrechnungen.

Fördersystem

Die Wirtschaft warnt vor Planwirtschaft und fordert ein Förder-Ende sowie Wettbewerb auch für Ökostrom-Erzeuger.

20 Jahre Garantie

Da Solar- und Windanlagen bisher 20 Jahre lang Vergütungen bekommen, kann der Strompreis erstmal nicht sinken.

Soziale Schieflage

Die Zahnarzthelferin zahlt über den Strompreis die Renditen für Solarpanele, die sich ihr Chef aufs Dach setzt.

Industrie

Sie muss entlastet werden, damit niemand abwandert. Aber wie stark? Die Bürger müssen dadurch Mehrbelastungen schultern.

Zielkonflikt

Weniger Atomstrom führt dazu, dass mehr Kohlestrom produziert wird. Der CO2-Ausstoß ist 2012 und 2013 gestiegen.

Länder-Interessen

Der Norden will mehr Windräder, der Westen fürchtet um seine Industrie, der Süden will mehr Gaskraftwerke.

Stromnetze

Große Nord-Süd-Trassen werden gebraucht, sonst gibt es im Norden viel zu viel Strom. Aber die Bürger protestieren.

Fehlende Steuerung

Bisher können quasi unbegrenzt Ökoenergie-Anlagen gebaut werden - es fehlt oft an bedarfsorientierter Planung.

Grundlast-Problem

Ohne Speicher sind wegen der je nach Wetterlage schwankenden Ökostrom-Produktion weiterhin viele Kraftwerke nötig.

Strombörse

Im Einkauf fallen dank viel Ökostrom die Preise - die Bürger spüren davon wegen der Umlagen beim Endpreis kaum etwas.

Fehlender Markt

Viele Kraftwerke rechnen sich nicht mehr - der mit viel Geld geförderte Ökostrom stellt den Markt auf den Kopf.

Überkapazitäten

Wegen des rasanten Ausbaus wird oft zu viel Strom produziert. Nie wurde so viel Strom exportiert wie 2013.

Ärger bei den Nachbarn

Polen lässt Netzsperren einbauen, auch andere Länder klagen über Preis- und Stromfluss-Unwuchten.

Wärmemarkt

Im Wärmebereich hakt es besonders stark, auch beim Energiesparen - Gebäudesanierungs-Ziele werden kaum erreicht.

Schröder war bis vor Kurzem Deutschland-Chef von Tesla. Die großspurigen Ansagen hat er von Elon Musk abgekupfert, dem Chef des US-Elektroautoherstellers. Mittlerweile macht er seinem Idol aber Konkurrenz. Denn Schröder führt nun die Geschäfte der Sonnenbatterie GmbH, Europas führendem Anbieter von Batteriespeichern. Anders als Tesla stellt der Mittelständler aus dem Allgäu seine Akkuzellen aber nicht selbst her, sondern setzt vorwiegend auf Software. Und die soll nun das Ende der Energieversorger einläuten.
Schröders Schlachtplan: Alle Eigenheimbesitzer mit Solaranlage auf dem Dach und Energiespeicher im Keller sollen sich auf einer Plattform, die Sonnenbatterie am Mittwoch vorgestellt hat, vernetzen und gegenseitig mit Elektrizität versorgen. Der überschüssige Strom des einen, wird online mit einem anderen Nutzern, der gerade Strom benötigt, geteilt. Der Clou dabei: Die sonst übliche Handelsmarge entfällt. Der Strompreis, bezogen auf die einzelne Kilowattstunde, sei damit „wesentlich günstiger als beim Versorger“, sagte Schröder dem Handelsblatt. Nachsatz: „Wir brauchen die Eons und RWEs gar nicht mehr.“

Bisher war das freilich anders. Der Traum, unabhängig von den großen Atom- und Kohlestromkonzernen zu sein, hatte stets einen Haken: Er war nicht zu hundert Prozent zu realisieren. Wer sich eine Solaranlage aufs Dach schraubte und einen Batteriespeicher an die Kellerwand hängte, konnte zwar vielfach mehr als 80 Prozent seines Strombedarfs selbst herstellen. Aber gerade in den Herbst- und Wintermonaten, wenn die Sonne weit weniger lang und kräftig scheint als im Sommer, mussten viele Ökoidealisten einen Teil ihres Stroms weiterhin von den verhassten Energieversorgern beziehen.

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