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23.09.2015

12:53 Uhr

Energiewende-Index

Ökostrom gewinnt an Schwung

VonThomas Mersch

Können die im Energiesektor bis 2020 angepeilten Ziele noch erreicht werden? Diese Frage untersucht der Energiewende-Index, der im September veröffentlich wurde. Wo wir auf Kurs sind und wo es noch schleppend verläuft.

Ein sich schnell drehendes Windrad bei Springe in der Region Hannover. dpa

Windenergie

Ein sich schnell drehendes Windrad bei Springe in der Region Hannover.

KölnDer Umbau des Energiesektors in Deutschland schreitet langsamer voran, als von der Bundesregierung angestrebt - das stellt die Unternehmensberatung McKinsey in ihrem Anfang September veröffentlichten Energiewende-Index fest. 15 Indikatoren werden untersucht, um zu ermitteln, ob die bis 2020 angepeilten Ziele noch erreicht werden können. In neun Fällen sei dies unrealistisch.

Zwar ist die Energiewende laut Index etwa beim Ausbau der Photovoltaik sowie der Transportnetze auf Kurs. Die Reduzierung von Kohlendioxidausstoß und Energieverbrauch jedoch läuft zu schleppend. Auch die Errichtung von Windparks vor der Küste gehe zu langsam voran, urteilt McKinsey-Direktor Thomas Vahlenkamp.

15 Gründe, weshalb die Energiewende so kompliziert ist

Kosten

Diese zahlen die Stromverbraucher. Die Ökostrom-Umlage und Rabatte für die Industrie belasten ihre Stromrechnungen.

Fördersystem

Die Wirtschaft warnt vor Planwirtschaft und fordert ein Förder-Ende sowie Wettbewerb auch für Ökostrom-Erzeuger.

20 Jahre Garantie

Da Solar- und Windanlagen bisher 20 Jahre lang Vergütungen bekommen, kann der Strompreis erstmal nicht sinken.

Soziale Schieflage

Die Zahnarzthelferin zahlt über den Strompreis die Renditen für Solarpanele, die sich ihr Chef aufs Dach setzt.

Industrie

Sie muss entlastet werden, damit niemand abwandert. Aber wie stark? Die Bürger müssen dadurch Mehrbelastungen schultern.

Zielkonflikt

Weniger Atomstrom führt dazu, dass mehr Kohlestrom produziert wird. Der CO2-Ausstoß ist 2012 und 2013 gestiegen.

Länder-Interessen

Der Norden will mehr Windräder, der Westen fürchtet um seine Industrie, der Süden will mehr Gaskraftwerke.

Stromnetze

Große Nord-Süd-Trassen werden gebraucht, sonst gibt es im Norden viel zu viel Strom. Aber die Bürger protestieren.

Fehlende Steuerung

Bisher können quasi unbegrenzt Ökoenergie-Anlagen gebaut werden - es fehlt oft an bedarfsorientierter Planung.

Grundlast-Problem

Ohne Speicher sind wegen der je nach Wetterlage schwankenden Ökostrom-Produktion weiterhin viele Kraftwerke nötig.

Strombörse

Im Einkauf fallen dank viel Ökostrom die Preise - die Bürger spüren davon wegen der Umlagen beim Endpreis kaum etwas.

Fehlender Markt

Viele Kraftwerke rechnen sich nicht mehr - der mit viel Geld geförderte Ökostrom stellt den Markt auf den Kopf.

Überkapazitäten

Wegen des rasanten Ausbaus wird oft zu viel Strom produziert. Nie wurde so viel Strom exportiert wie 2013.

Ärger bei den Nachbarn

Polen lässt Netzsperren einbauen, auch andere Länder klagen über Preis- und Stromfluss-Unwuchten.

Wärmemarkt

Im Wärmebereich hakt es besonders stark, auch beim Energiesparen - Gebäudesanierungs-Ziele werden kaum erreicht.

Tatsächlich produzierten Offshore-Windanlagen im vergangenen Jahr gerade einmal 1,2 Milliarden Kilowattstunden Strom - ein Anteil von 0,2 Prozent an der gesamten Erzeugung. Immerhin wächst der Beitrag: „2015 wurden mehrere neue Offshore-Windparks ans Stromnetz angeschlossen, die hohe Erträge liefern“, sagt Patrick Graichen, Direktor der Stiftungsinitiative Agora Energiewende.

Viel höher liegt die Ausbeute bei Windrädern an Land, die 2014 mit 51,2 Milliarden Kilowattstunden die ertragsstärksten Lieferanten von Ökostrom waren. Die Bedeutung nimmt noch zu. Laut Agora Energiewende produzierten Windkraftanlagen vor der Küste und im Binnenland im ersten Halbjahr 2015 schon 40 Milliarden Kilowattstunden Strom. Viele neue Windkraftanlagen an Land seien erst zum Jahresende hin ans Netz gegangen, sagt Graichen. „Und schließlich war 2015 bislang ein gutes Windjahr.“

Kann die Windenergiebranche künftig ihren Beitrag zur Energiewende mit Innovationen oder neuen Standorten erhöhen? Es ist eine der wichtigen Zukunftsfragen.

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