Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.12.2015

15:03 Uhr

Erderwärmung

Zwei Grad sind noch zu viel

VonThomas Hanke

Vom Klimawandel bedrohte Staaten kämpfen in Paris ihren eigenen Kampf. Die meisten davon sind Archipele, Länder mit vom Anstieg der Meerespegel gefährdeten Regionen. „Für Millionen Menschen bedeutet das Leben oder Tod.“

Der nur 26 Quadratkilometer große Inselstaat Tuvalu im Pazifik ist einer der kleinsten Staaten der Welt und hat, verteilt auf neun Atolle, 10.700 Einwohner. Das Problem: Der höchste Punkt ist vier Meter über dem Meeresspiegel, im Schnitt sind es nur zwei Meter. Daher könnte angesichts des Klimawandes das Staatsgebiet im Meer versinken. dpa

Spielende auf überflutetem Platz in Tuvalu

Der nur 26 Quadratkilometer große Inselstaat Tuvalu im Pazifik ist einer der kleinsten Staaten der Welt und hat, verteilt auf neun Atolle, 10.700 Einwohner. Das Problem: Der höchste Punkt ist vier Meter über dem Meeresspiegel, im Schnitt sind es nur zwei Meter. Daher könnte angesichts des Klimawandes das Staatsgebiet im Meer versinken.

ParisDas Ringen um ein ehrgeiziges Abkommen für den Klimaschutz wird gerne als eines zwischen „reichen“ und „armen“ Staaten beschrieben. Falsch, findet Saleemul Huq aus Bangladesch: „Es ist eine Auseinandersetzung zwischen Arm und Reich, auch in den sogenannten armen Ländern.“ Huq leitet den wissenschaftlichen Beraterkreis der 43 am stärksten von den Folgewirkungen der globalen Erwärmung bedrohten Staaten.

15 Gründe, weshalb die Energiewende so kompliziert ist

Kosten

Diese zahlen die Stromverbraucher. Die Ökostrom-Umlage und Rabatte für die Industrie belasten ihre Stromrechnungen.

Fördersystem

Die Wirtschaft warnt vor Planwirtschaft und fordert ein Förder-Ende sowie Wettbewerb auch für Ökostrom-Erzeuger.

20 Jahre Garantie

Da Solar- und Windanlagen bisher 20 Jahre lang Vergütungen bekommen, kann der Strompreis erstmal nicht sinken.

Soziale Schieflage

Die Zahnarzthelferin zahlt über den Strompreis die Renditen für Solarpanele, die sich ihr Chef aufs Dach setzt.

Industrie

Sie muss entlastet werden, damit niemand abwandert. Aber wie stark? Die Bürger müssen dadurch Mehrbelastungen schultern.

Zielkonflikt

Weniger Atomstrom führt dazu, dass mehr Kohlestrom produziert wird. Der CO2-Ausstoß ist 2012 und 2013 gestiegen.

Länder-Interessen

Der Norden will mehr Windräder, der Westen fürchtet um seine Industrie, der Süden will mehr Gaskraftwerke.

Stromnetze

Große Nord-Süd-Trassen werden gebraucht, sonst gibt es im Norden viel zu viel Strom. Aber die Bürger protestieren.

Fehlende Steuerung

Bisher können quasi unbegrenzt Ökoenergie-Anlagen gebaut werden - es fehlt oft an bedarfsorientierter Planung.

Grundlast-Problem

Ohne Speicher sind wegen der je nach Wetterlage schwankenden Ökostrom-Produktion weiterhin viele Kraftwerke nötig.

Strombörse

Im Einkauf fallen dank viel Ökostrom die Preise - die Bürger spüren davon wegen der Umlagen beim Endpreis kaum etwas.

Fehlender Markt

Viele Kraftwerke rechnen sich nicht mehr - der mit viel Geld geförderte Ökostrom stellt den Markt auf den Kopf.

Überkapazitäten

Wegen des rasanten Ausbaus wird oft zu viel Strom produziert. Nie wurde so viel Strom exportiert wie 2013.

Ärger bei den Nachbarn

Polen lässt Netzsperren einbauen, auch andere Länder klagen über Preis- und Stromfluss-Unwuchten.

Wärmemarkt

Im Wärmebereich hakt es besonders stark, auch beim Energiesparen - Gebäudesanierungs-Ziele werden kaum erreicht.

Die meisten von ihnen sind Archipele, Länder mit großen, vom Anstieg der Meerespegel gefährdeten Regionen oder afrikanische Länder, die unter Trockenheit sowie extremen Wetterereignissen leiden. Am Montagnachmittag legte die Gruppe, die derzeit von den Philippinen geführt wird, ihre Anliegen und Erwartungen vor.

„Wir haben hier in Paris eine einzige Forderung: Der Temperaturanstieg muss nicht auf zwei Grad, sondern auf anderthalb Grad begrenzt werden“, sagte Huq im Konferenzzentrum von Le Bourget dem Handelsblatt. Der Unterschied sei entscheidend: „Zwei Grad oder mehr bedeutet, zu akzeptieren, dass 100 Millionen Menschen ihre Existenzgrundlage, wenn nicht ihr Leben verlieren.“

Bislang reichen die nationalen Verpflichtungen der Staatengemeinschaft nicht einmal dafür, das Ziel von zwei Grad zu erreichen, da scheint ein noch ehrgeizigerer Wert doch unmöglich? Die Frage bringt den eloquenten Professor in Rage: „Sagen Sie nicht unmöglich, sagen Sie: politisch nicht gewollt.“ Die Welt habe alles, um die 100 Millionen direkt bedrohten Menschen zu retten: „Wir haben die Finanzierung, wir haben die Technik, was wir nicht haben, ist der politische Wille.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×