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14.12.2015

17:52 Uhr

Geoengineering nach Paris

Riskante Waffen gegen den Klimawandel

VonThomas Trösch

Die ehrgeizigen Ziele des Pariser Klimagipfels lassen sich ohne drastische Eingriffe ins Klimasystem kaum erreichen. Doch das Herumbasteln des Menschen am Klima birgt Risiken, die sich noch kaum abschätzen lassen.

Durch die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen allein werden sich die Klimaziele von Paris kaum erreichen lassen. Doch drastischere Eingriffe des Menschen ins Klimasystem bergen große Risiken. dpa

Braunkohlekraftwerk Niederaussem

Durch die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen allein werden sich die Klimaziele von Paris kaum erreichen lassen. Doch drastischere Eingriffe des Menschen ins Klimasystem bergen große Risiken.

BerlinAuf deutlich unter zwei Grad möchte die Weltgemeinschaft den globalen Temperaturanstieg begrenzen – ein ehrgeiziges Ziel, das im gerade beschlossenen Klimaabkommen von Paris formuliert wird. Und ein Ziel, dass sich durch die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen allein kaum erreichen lässt. Mit dem Erfolg des Pariser Klimagipfels dürfte daher die Diskussion um drastischere Eingriffe des Menschen ins Klimasystem wieder Fahrt aufnehmen.

Die Idee klingt auf den ersten Blick verlockend: Wenn sich der Mensch in seinem Ressourcenverbrauch nicht stark genug einschränken kann, um den Klimawandel aufzuhalten, muss er eben die Erde so weit manipulieren, dass sie trotzdem ein halbwegs bewohnbarer Planet bleibt. Geoengineering heißt die Wunderwaffe, mit der das gelingen soll – eine Art letzte Ausfahrt vor dem Klimakollaps.

Ein ganzes Bündel von Vorschlägen haben Wissenschaftler in den vergangenen Jahren erarbeitet, um den verhängnisvollen Folgen der zunehmenden Freisetzung von Treibhausgasen wie CO2 entgegenzuwirken. Manches klingt nach Science Fiction – und wird es wohl auch bleiben.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

So etwa der Vorschlag des US-Physikers Lowell Wood, riesige Sonnensegel im All zwischen Sonne und Erde aufzuspannen, um einen Teil der Strahlung unseres Zentralgestirns von der Erde fernzuhalten. Schon allein die immensen Kosten einer solchen Weltraum-Installation lassen derartige Pläne auf absehbare Zeit unrealistisch erscheinen.

Generell unterscheiden Wissenschaftler zwei Arten von Geoengineering-Maßnahmen: Solche, die der Atmosphäre klimaschädliches Treibhausgas entziehen sowie solche, die der globalen Erwärmung durch Reduzierung der den Erdboden erreichenden Sonnenstrahlung entgegenwirken. Beiden Ansätzen gemeinsam ist die technologische Ausrichtung: Der Klimawandel soll durch großtechnische Lösungen beherrschbar gemacht werden, da er mittels Verhaltensänderung nicht mehr aufhaltbar erscheint.

Mit Schwefel gegen Sonnenlicht

Ein Lösungsansatz, der, so mahnen Kritiker, einer dauerhaften Lösung des anthropogenen Treibhauseffekts entgegensteht: Warum Treibhausgas-Emissionen überhaupt reduzieren, wenn wir doch die Mittel haben, die Folgen dieser Emissionen zu managen?

Ungeachtet solcher Einwände haben sich nicht nur Vordenker wie Paul J. Crutzen längst mit der praktischen Umsetzung möglicher Lösungsansätze beschäftigt. Der Chemie-Nobelpreisträger 1995 zählt zu den prominentesten Befürwortern einer Idee, die auf den russischen Klimaforscher Michail Budyko zurückgeht: Der hatte schon in den 1970er-Jahren vorgeschlagen, Schwefeldioxid in die Stratosphäre einzubringen.

Die Schwefelpartikel  sollen bewirken, dass weniger Sonnenlicht zur Erdoberfläche durchdringt. Der kühlende Effekt dieser Maßnahme lässt sich anhand von Beobachtungen nach Vulkanausbrüchen belegen: Als der philippinische Feuerberg Pinatubo im Jahr 1991 riesige Mengen Asche und Schwefel in die Atmosphäre pustete, sanken in den beiden folgenden Jahren die globalen Mitteltemperaturen in Bodennähe um bis zu 0,2 Grad Celsius.

Unkalkulierbar bleibt bei diesem Ansatz, welche Nebeneffekte ein dauerhafter künstlicher Schwefeleintrag in die Atmosphäre hätte. So zeigten sich etwa nach dem Pinatubo-Ausbruch Veränderungen in der durchschnittlichen Niederschlagsmenge über großen Landflächen. Zudem fürchten Atmosphärenforscher eine Schwächung der schützenden Ozonschicht in der Stratosphäre durch chemische Reaktionen mit den Schwefeltröpfchen.

Kommentare (25)

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Account gelöscht!

14.12.2015, 18:08 Uhr

OMG!
Nach "Klimakatastrophe" soll das Kind jetzt wohl "Klimakollaps" heißen. Was kommt als nächstes? Klimaholocaust?
Wer nimmt diesen Blödsinn noch ernst? Es geht um höhere Einnahmen, um Geschäfte, um das ganz große Geld. Die Klimalüge mag glauben wer will, aber der soll dann auch bezahlen dafür.

Herr Bernhard Ramseyer

14.12.2015, 18:11 Uhr

- So etwa der Vorschlag des US-Physikers Lowell Wood, riesige Sonnensegel im All zwischen Sonne und Erde aufzuspannen, um einen Teil der Strahlung unseres Zentralgestirns von der Erde fernzuhalten. Schon allein die immensen Kosten einer solchen Weltraum-Installation lassen derartige Pläne auf absehbare Zeit unrealistisch erscheinen. -

Das wäre doch mal wieder eine große Sache, es könnten sich die Schlauesten austoben, bringt sichere Arbeitsplätze, stützt das Rentensystem und über die Kosten sollte man sich keine Gedanken machen - irgendeine Abgabe lässt sich immer finden.

Herr Konstantin Lewe

14.12.2015, 18:20 Uhr

Ich bin dafür das wir die Regenwälder weiter abholzen und dafür genetisch verändertes Plankton in die Ozeane kippen.

Damit wir mehr CO² in O² umwandeln können.

Im Endeffekt alles nur eine Frage der richtigen Dosis Energie an der richtigen Stelle.

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