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02.10.2015

10:44 Uhr

Innovationen

Die Idee allein reicht nicht

VonLisa Hegemann

Der internationale Technologiewettbewerb bei erneuerbaren Energien steigt. Im Rennen um Patente sind jetzt auch die USA, Japan, Südkorea und China mit hochinnovativen Ansätzen unterwegs. Worauf es jetzt ankommt.

An den Technologien wie Photovoltaik wird sich wenig ändern, stattdessen müssen neue Wege der Monetarisierung entwickelt werden. Reuters

Solaranlagen

An den Technologien wie Photovoltaik wird sich wenig ändern, stattdessen müssen neue Wege der Monetarisierung entwickelt werden.

BerlinWürden Patente und wissenschaftliche Publikationen als Gradmesser für Innovationen gelten, dann befände sich Deutschland auf dem Feld der erneuerbaren Energien im Sinkflug. Nach einer Boomphase in den 90er-Jahren sank der deutsche Anteil der weltweiten Patentanmeldungen deutlich. Immerhin betrug er 2014 noch gut 15 Prozent, so eine aktuelle Analyse des Innovationsindikators. Stärker noch sank der Anteil an Publikationen nach dem Jahr 2000.

Was nach schlechten Nachrichten für ein Land klingt, das bis 2022 alle Atomkraftwerke abschalten will und Innovationen braucht, relativiert sich mit Blick auf absolute Zahlen: Zählte im Jahr 2005 das deutsche Patentamt 399 Anmeldungen im Bereich der erneuerbaren Energien, waren es 2014 rund 1.600. Zwei Jahre zuvor gar 2.200.

Das sind die größten Stromverbraucher weltweit

Platz 1: China

China ist die weltweite Nummer Eins unter den Stromverbrauchern. Kein anderes Land benötigt mehr Strom. Auch bei der Stromerzeugung ist das Land an der Spitze, exportiert jedoch nicht besonders viel von seiner Energie. Im Ranking der Strom exportierenden Länder belegt die Volksrepublik nur den neunten Platz.

Platz 2: USA

Der zweitgrößter Stromverbraucher der Welt ist die USA. Fast fünf Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität waren im Jahr 2010 regenerative Energien.

Platz 3: Japan

Den dritten Platz der größten Stromverbraucher belegt Japan. Das Land ist zugleich viertgrößter Stromproduzent der Erde, vor ihm liegen nur Russland, China und die USA. Mit seinen Erzeugungen versorgt sich Japan im Gegensatz zu diesen Ländern jedoch ausschließlich selbst.

Platz 4: Russland

Fast genauso viel Strom wie Japan verbraucht Russland und liegt somit auf dem vierten Platz der weltweit größten Verbraucher. Das Land ist zudem drittgrößter Stromproduzent.

Platz 5: Indien

Der fünftgrößte Stromverbraucher der Welt ist Indien. Kein Wunder: Das Land ist nach China das bevölkerungsreichste der Welt, 1,3 Milliarden Einwohner leben dort laut Schätzungen.

Platz 6: Kanada

Auf dem sechsten Platz der größten Stromverbraucher gibt es eine Überraschung: Kanada. Dabei ist das Land relativ spärlich besiedelt, nur 34 Millionen Menschen leben dort.

Platz 7: Deutschland

Mehr als doppelt so viele Einwohner wie Kanada hat Deutschland, und ist dennoch hinter dem nordamerikanischen Land, wenn es um den Stromverbrauch geht. 545 Milliarden Kilowattstunden wurden 2011 verbraucht. Beim Export von Strom ist Deutschland hingegen fast Spitze. Im weltweiten Vergleich exportiert nur Nachbarland Frankreich mehr.

Platz 8: Frankreich

Als Stromexporteur ist Frankreich die weltweite Nummer Eins. Beim Stromverbrauch liegt das 65 Millionen Einwohner-Land dagegen nur auf dem achten Platz.

Die Franzosen setzen bei der Stromerzeugung voll auf Atomkraft. 58 Meiler waren 2011 in Betrieb. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum neun Atomkraftwerke, in Spanien acht und im Vereinigten Königreich 18.

Platz 9: Brasilien

Neungrößter Stromverbraucher ist Brasilien. In dem südamerikanischen Land leben 200 Millionen Menschen.

Platz 10: Südkorea

Südkorea ist auf dem zehnten Platz der größten Stromverbraucher der Welt. Das Land versorgt sich laut der US-Informationsbehörde CIA komplett selbst, importiert also keinen Strom. Seinen Strom erzeugte Südkorea im Jahr 2010 zu fast einem Drittel mit Atomkraft, bis 2024 soll sie fast 50 Prozent der Stromproduktion ausmachen.

Das Abrutschen im internationalen Vergleich hat einen einfachen Grund: „Deutschland hat Konkurrenz bekommen“, sagt Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie. Die USA, Japan und Südkorea lieferten der Bundesrepublik technologisch einen kräftigen Wettbewerb. Auch China sei mit „hochinnovativen Ansätzen“ in der Energietechnologie unterwegs.

Freilich kommt es beim Umbau des Energiesektors nicht nur auf Patentschutz an: „Die Energiewende ist nicht allein eine technische Revolution“, sagt Jörg Stäglich, Energieexperte der Managementberatung Oliver Wyman. Es gehe vielmehr darum, neue Geschäftsfelder mit bestehenden Technologien zu entwickeln. Als Beispiel nennt er die Photovoltaik: An der Technologie werde sich wenig ändern, stattdessen müssten neue Wege der Monetarisierung entwickelt werden.

An diesem Punkt erkennt auch Forscher Fischedick noch Nachholbedarf: „Es fehlt an innovativen Ansätzen, wie man die Technologien an den Kunden heranträgt.“ Er sieht vor allem ein Problem darin, das „Tal des Todes“ zu überwinden. Es müsse gelingen, Ideen aus der Forschung und Entwicklung tatsächlich umzusetzen und zu marktfähigen Produkten zu machen.

Aber nicht nur die Unternehmen müssten nachbessern, auch die Politik sei gefragt, sagt Stäglich: So habe sich die Förderung von Biogasanlagen oder Photovoltaik in den vergangenen Jahren immer wieder verändert. Dadurch wachse die Unsicherheit über Investitionen, das Risiko für spezialisierte High-Tech-Unternehmen steige. Für Stäglich ist klar: „Das ist nicht innovationsfördernd.“ Um Vorreiter der Energiewende zu sein, müsse die Politik eine langfristige Strategie präsentieren.

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