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14.12.2015

17:13 Uhr

Karsten Schwanke zu Paris

„Der Klimavertrag ist eine Katastrophe!“

VonKarsten Schwanke

Die Erleichterung ist groß, eine Einigung gefunden: Die Staats- und Regierungschefs verständigten sich in Paris auf eine Begrenzung der Erderwärmung. Doch die Ziele greifen zu kurz, meint Wetter-Experte Karsten Schwanke.

Der Wetterexperte kritisiert die Vereinbarungen in Paris. Pressefoto

Karsten Schwanke

Der Wetterexperte kritisiert die Vereinbarungen in Paris.

Die Politiker jubeln. Sie applaudieren und atmen hörbar durch: Kein zweites Kopenhagen! Die Angst, erneut zu scheitern, saß so tief, dass auf jeden Fall unterschrieben werden musste. Klar ist es toll, dass 195 Staaten zusammen an einem Tisch sitzen – aber das Klima haben sie nicht gerettet.

Schon heute ist klar, dass wir das Zwei-Grad-Ziel nicht erreichen werden. Wollten wir dies schaffen, dürften wir (bei heutigem Wachstum des CO2-Ausstoßes) noch 13 Jahre weiterhin CO2 ausstoßen und müssten die Emissionen 2028 schlagartig auf Null herunter fahren – unrealistisch!

Die freiwilligen Vorgaben, 1,5 Grad anpeilen zu wollen, sind – gelinde gesagt – weltfremd. Nach heutigem Stand steuern wir auf 3,2 bis 5,4 Grad Erwärmung bis zum Jahr 2100 zu – und wir bewegen uns dabei mit unseren Emissionen eher am oberen Rand.

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Das in Paris beschlossene Weltklimaabkommen gilt als Meilenstein im Kampf gegen die Erderwärmung. Mehr als 190 Staaten erklärten sich bereit, weniger schädliche Treibhausgase in die Luft zu blasen.

Und dabei müssen wir gar nicht nach Indien oder China schielen: Deutschland – weltweit geachtetes Vorbild in Sachen Klimaschutz – wird seine freiwillige Vorgabe, bis 2020 den CO2-Ausstoß um 40 Prozent zu senken, mehr als deutlich verfehlen. Braunkohle spielt nach wie vor eine Rolle und soll laut NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) nicht angetastet werden – aufgrund der Angst vor Arbeitsplatzverlust. Dass der geistige und zeitliche Horizont von manchen Politikern nur bis zur nächsten Wahl reicht, wird uns und unseren Kindern teuer zu stehen kommen.

Wenn wir realistischerweise versuchen würden, die Erwärmung bei zwei oder 2,5 Grad zu begrenzen, müssten wir heute alles, was möglich ist, anpacken und strenge verpflichtende Vorgaben machen. Sofort und ohne Freiwilligkeit.

Der Autor: Karsten Schwanke ist ein deutscher Meteorologe und Fernsehmoderator. Unter anderem moderiert er die Wetternachrichten im Ersten.

Kommentare (6)

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Herr Rudolf Ott

14.12.2015, 17:39 Uhr

Lieber Herr Schwanke, als Wetterexperte schätze ich Sie sehr. Ich denke in Ihrer Ausbildung haben Sie den Unterschied zwischen Klima und Wetter kennengelernt. Sie haben auch gelernt, dass die Erde nie ein konstantes Klima hatte, wie man mir weißmachen will. Da gab es doch glatt noch zu historischen Zeiten in Nordafrika soviel Niederschlag, dass es zur Kornkammer Roms avancierte. Genauso gibt es Beweise für fast Gletscher freie Alpen in den letzten 2000 Jahren. Dass der verstärkte Eintrag an CO2 Konsequenzen haben würde, ist nicht zu bestreiten. Wenn der Klimawandel wirklich nur auf den CO2-Eintrag der letzten 200 Jahre zurückzuführen ist, dann gibt es außer der Industrie noch eine zweite Emissionsquelle: Um 1800 hatten wir ca. 0,7 Mrd Menschen, heute 7 Mrd. Und was atmen wir aus? Richtig CO2!

Herr Bernhard Ramseyer

14.12.2015, 18:00 Uhr

- Wenn wir realistischerweise versuchen würden, die Erwärmung bei zwei oder 2,5 Grad zu begrenzen, müssten wir heute alles, was möglich ist, anpacken und strenge verpflichtende Vorgaben machen. -

Da ist er wieder der "Versuch", der Labor-Versuch, das Modell. Dann zwei oder 2,5 Grad, vielleicht könnte man hinter der Nachkommastelle noch etwas manipulieren?
Und das im Jahr 2100. Wichtigtuerei?

Wenn es so schlimm ist, dass manchen Erdbewohnern das Ozeanwasser in das Schlafzimmer läuft, dann kann man nicht mit Rechenmodellen kommen, sondern muss das Haus aufstocken.

Herr Paul Kersey

14.12.2015, 18:03 Uhr

@Ott
Was heißt das jetzt?
Dass wir aufgrund Ihrer Annahmen nichts zu tun brauchen, weil wir das Klima sowieso nicht ändern können? Oder sollten wir es wenigstens versuchen, in der Hoffnung, dass wir den Temperaturanstieg auf ein Mindestmaß reduzieren können?
Ich finde Sie machen es sich mit Ihrer Theorie, die ebenso unbewiesen ist, verdammt einfach.

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