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06.10.2015

09:28 Uhr

KPMG-Studie

Vom Nutzen der Klimadaten

VonSilke Kersting

Eigentümer, Investoren, Kunden - alle werden kritischer und wollen Informationen zum Umgang mit dem Klimawandel. Firmen tun gut daran, sich damit zu beschäftigen, denn die Vorteile übersteigen die Kosten der Erhebung.

Unternehmen tun gut daran, sich mit Klima- und Umweltschutz intensiv auseinanderzusetzen. dpa

Eisausdehnung in der Arktis

Unternehmen tun gut daran, sich mit Klima- und Umweltschutz intensiv auseinanderzusetzen.

BerlinWie hält es die Wirtschaft mit der Umwelt? Schon vor 20 Jahren fassten die ersten Unternehmen freiwillig klimarelevante Informationen in einem Umweltbericht zusammen, später in einem Nachhaltigkeitsbericht.

Viele Unternehmen scheuen jedoch den Aufwand für die Offenlegung von Klima- und Emissionsdaten. Zu Unrecht, zeigt jetzt eine Studie der Unternehmensberatung KPMG für die Naturschutzorganisation WWF und die Nichtregierungsorganisation CDP, die sich dem Klimaschutz verschrieben hat.

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Kosten

Diese zahlen die Stromverbraucher. Die Ökostrom-Umlage und Rabatte für die Industrie belasten ihre Stromrechnungen.

Fördersystem

Die Wirtschaft warnt vor Planwirtschaft und fordert ein Förder-Ende sowie Wettbewerb auch für Ökostrom-Erzeuger.

20 Jahre Garantie

Da Solar- und Windanlagen bisher 20 Jahre lang Vergütungen bekommen, kann der Strompreis erstmal nicht sinken.

Soziale Schieflage

Die Zahnarzthelferin zahlt über den Strompreis die Renditen für Solarpanele, die sich ihr Chef aufs Dach setzt.

Industrie

Sie muss entlastet werden, damit niemand abwandert. Aber wie stark? Die Bürger müssen dadurch Mehrbelastungen schultern.

Zielkonflikt

Weniger Atomstrom führt dazu, dass mehr Kohlestrom produziert wird. Der CO2-Ausstoß ist 2012 und 2013 gestiegen.

Länder-Interessen

Der Norden will mehr Windräder, der Westen fürchtet um seine Industrie, der Süden will mehr Gaskraftwerke.

Stromnetze

Große Nord-Süd-Trassen werden gebraucht, sonst gibt es im Norden viel zu viel Strom. Aber die Bürger protestieren.

Fehlende Steuerung

Bisher können quasi unbegrenzt Ökoenergie-Anlagen gebaut werden - es fehlt oft an bedarfsorientierter Planung.

Grundlast-Problem

Ohne Speicher sind wegen der je nach Wetterlage schwankenden Ökostrom-Produktion weiterhin viele Kraftwerke nötig.

Strombörse

Im Einkauf fallen dank viel Ökostrom die Preise - die Bürger spüren davon wegen der Umlagen beim Endpreis kaum etwas.

Fehlender Markt

Viele Kraftwerke rechnen sich nicht mehr - der mit viel Geld geförderte Ökostrom stellt den Markt auf den Kopf.

Überkapazitäten

Wegen des rasanten Ausbaus wird oft zu viel Strom produziert. Nie wurde so viel Strom exportiert wie 2013.

Ärger bei den Nachbarn

Polen lässt Netzsperren einbauen, auch andere Länder klagen über Preis- und Stromfluss-Unwuchten.

Wärmemarkt

Im Wärmebereich hakt es besonders stark, auch beim Energiesparen - Gebäudesanierungs-Ziele werden kaum erreicht.

Die Studie, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wird und dem Handelsblatt vorliegt, untersucht das Verhältnis von Kosten und Nutzen für Unternehmen ab 250 Mitarbeitern. Das Ergebnis: Behauptungen, mit der Offenlegung von Umweltdaten seien unverhältnismäßig hohe Kosten verbunden, "erweisen sich als kaum haltbar". Der Nutzen, so heißt es, dürfte in den meisten Fällen die Kosten deutlich übersteigen. Unternehmen profitierten unter anderem dadurch, dass sie verstärkt auf Energieeinsparpotenziale stießen, aber auch von einem besseren Risikomanagement und verbesserten Kundenbeziehungen.

Schon aus Eigennutz müssten Firmen auf ihre Emissionen achten und sie veröffentlichen, sagt WWF-Vorstand Naturschutz Christoph Heinrich. Erstens, um wettbewerbsfähig zu bleiben, zweitens, weil sich die politischen Rahmenbedingungen verschärften. "Eigentümer, Kreditgeber, Investoren, Versicherungen, Geschäfts- und Endkunden - alle werden kritischer und fragen Informationen zum unternehmerischen Umgang mit dem Klimawandel nach", so Heinrich.

Aus Freiwilligkeit wird Pflicht: Durch die Klimaziele Deutschlands und der EU, die Emissionen von Treibhausgas bis 2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, nehmen die regulatorischen Anforderungen zu. So muss etwa in Deutschland bis Ende 2016 eine EU- Richtlinie umgesetzt werden, die eine zumindest rudimentäre Berichterstattung für börsennotierte Unternehmen ab 500 Mitarbeitern vorschreibt.

Die Wirtschaft ist besorgt: "Unternehmen tun gut daran, sich mit Klima- und Umweltschutz intensiv auseinanderzusetzen", heißt es beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Problematisch werde es aber dann, "wenn der Gesetzgeber den Unternehmen zu viel auf einmal abverlangt".

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