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13.11.2015

10:18 Uhr

Ladetechnik

Kabellos unter Strom

VonSteffen Ermisch

Das kabellose Laden verspricht einen großen Komfortgewinn. Die Autohersteller sind jetzt in der Entwicklungsphase, nicht mehr in der Forschung. Erste Serienmodelle werden für 2017 erwartet.

In einem Pilotprojekt fahren die Busse der Linie 204 vom Zoo zum Südkreuz künftig im Elektrobetrieb. dpa

Umsteigen auf den Elektrobus

In einem Pilotprojekt fahren die Busse der Linie 204 vom Zoo zum Südkreuz künftig im Elektrobetrieb.

KölnFahrgäste der Berliner Buslinie 204 kommen seit August ungewohnt leise ans Ziel: Vier E-Busse pendeln zwischen Südkreuz und Zoologischer Garten. Auch bei Verspätungen sind die Fahrer darauf bedacht, die vorgesehenen Pausen an den Endhaltestellen strikt einzuhalten. Dort werden die Akkus geladen - kabellos: Unter der Haltestelle befinden sich elektrische Spulen, am Boden der Busse sind passende Gegenstücke angebracht.

15 Gründe, weshalb die Energiewende so kompliziert ist

Kosten

Diese zahlen die Stromverbraucher. Die Ökostrom-Umlage und Rabatte für die Industrie belasten ihre Stromrechnungen.

Fördersystem

Die Wirtschaft warnt vor Planwirtschaft und fordert ein Förder-Ende sowie Wettbewerb auch für Ökostrom-Erzeuger.

20 Jahre Garantie

Da Solar- und Windanlagen bisher 20 Jahre lang Vergütungen bekommen, kann der Strompreis erstmal nicht sinken.

Soziale Schieflage

Die Zahnarzthelferin zahlt über den Strompreis die Renditen für Solarpanele, die sich ihr Chef aufs Dach setzt.

Industrie

Sie muss entlastet werden, damit niemand abwandert. Aber wie stark? Die Bürger müssen dadurch Mehrbelastungen schultern.

Zielkonflikt

Weniger Atomstrom führt dazu, dass mehr Kohlestrom produziert wird. Der CO2-Ausstoß ist 2012 und 2013 gestiegen.

Länder-Interessen

Der Norden will mehr Windräder, der Westen fürchtet um seine Industrie, der Süden will mehr Gaskraftwerke.

Stromnetze

Große Nord-Süd-Trassen werden gebraucht, sonst gibt es im Norden viel zu viel Strom. Aber die Bürger protestieren.

Fehlende Steuerung

Bisher können quasi unbegrenzt Ökoenergie-Anlagen gebaut werden - es fehlt oft an bedarfsorientierter Planung.

Grundlast-Problem

Ohne Speicher sind wegen der je nach Wetterlage schwankenden Ökostrom-Produktion weiterhin viele Kraftwerke nötig.

Strombörse

Im Einkauf fallen dank viel Ökostrom die Preise - die Bürger spüren davon wegen der Umlagen beim Endpreis kaum etwas.

Fehlender Markt

Viele Kraftwerke rechnen sich nicht mehr - der mit viel Geld geförderte Ökostrom stellt den Markt auf den Kopf.

Überkapazitäten

Wegen des rasanten Ausbaus wird oft zu viel Strom produziert. Nie wurde so viel Strom exportiert wie 2013.

Ärger bei den Nachbarn

Polen lässt Netzsperren einbauen, auch andere Länder klagen über Preis- und Stromfluss-Unwuchten.

Wärmemarkt

Im Wärmebereich hakt es besonders stark, auch beim Energiesparen - Gebäudesanierungs-Ziele werden kaum erreicht.

Ausrüster der induktiven Ladetechnik ist die Bombardier-Tochter Primove, die auch Buslinien in Braunschweig und Mannheim elektrifiziert hat. Die Vorteile: Die Infrastruktur ist gut vor Vandalismus geschützt, die Fahrer müssen ihre Abläufe kaum ändern. Die Nachfrage wachse stetig, sagt Jérémie Desjardins, Business Leader bei Primove. „Eine Elektrobuslinie ist sehr nah dran, wettbewerbsfähig zu sein.“

Die positiven Erfahrungen mit Bussen haben auch das Interesse der Pkw-Hersteller geweckt: Nach eigenen Angaben arbeitet Primove derzeit mit einem Automobilkonzern an der Serienumsetzung. Prototypen haben neben anderen schon Mercedes, BMW und Nissan gezeigt - das kabellose Laden verspricht einen großen Komfortgewinn. „Die Autohersteller sind jetzt in der Entwicklungsphase, nicht mehr in der Forschung“, sagt Desjardins. Erste Serienmodelle erwartet er für 2017.

Die Technik hat auch das Potenzial, das Reichweitenproblem von E-Fahrzeugen zu lösen: Würden ganze Autobahnspuren mit den Spulen und passender Steuerungstechnik ausgerüstet, könnten die Akkus während der Fahrt geladen werden.

Dass das technisch machbar ist, demonstrieren Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM. Gemeinsam mit Forschungspartnern haben sie eine 25 Meter lange Versuchsstrecke gebaut. In ersten Tests gelang es dem Team relativ problemlos, einen umgerüsteten Sportwagen unterwegs mit Strom zu versorgen.

Fordernder sei noch die Suche nach wirtschaftlichen Betriebsmodellen, sagt IFAM-Forscher Felix Horch. „Einen großen Nutzen könnte das induktive Laden als Leistungsunterstützung für Lkws bei Steigungen haben“, sagt der Abteilungsleiter Elektrische Antriebe. Mit Rekuperationsbremsen könne man einen Teil der Energie bei der Talfahrt zurückgewinnen.

Das Projekt solle auch klarmachen, wie wichtig Standards für das kabellose Laden sind. "Für die Komponenten im Auto ist es egal, ob die Ladung im Stand oder während der Fahrt erfolgt", sagt Horch. Die Systeme müssten aber einheitlich auf die Infrastruktur abgestimmt sein.

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