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04.12.2015

15:35 Uhr

Mercedes, Audi und BMW in China

„Stau-Abgabe“ könnte deutschen Autobauern schaden

VonStephan Scheuer

Als erste chinesische Stadt plant Peking die Einführung einer Maut ab 2016. Andere Stau- und Smog-geplagte Städte könnten folgen. Experten erwarten Auswirkungen auf die Absatzzahlen der Autohersteller.

Mit einer neuen Abgabe will Chinas Hauptstadt gegen die Verkehrs- und Umweltprobleme vorgehen. dpa

Stau und Smog in Peking

Mit einer neuen Abgabe will Chinas Hauptstadt gegen die Verkehrs- und Umweltprobleme vorgehen.

PekingAuf dem weltgrößten Automarkt China könnten die nächsten Verwerfungen anstehen. Als erste Stadt kündigte Peking Pläne für eine Maut an. Um den Verkehrskollaps zu bewältigen und gegen die gefährliche Luftverschmutzung vorzugehen, sei eine „Stau-Abgabe“ ab dem kommenden Jahr vorgesehen, teilte die Stadtverwaltung am Freitag an. Allerdings machte die Behörde zunächst keine Angaben, wie hoch die Maut sein und für welche Fahrzeuge sie künftig anfallen soll.

Peking sende ein Signal auch an andere Großstädte in China, meinte Professor Zhao Jian von der auf Verkehrswissenschaften spezialisierten Jiaotong-Universität in Peking. „Das wird sicherlich Auswirkungen auf die Absatzzahlen von Autos haben“, sagte Zhao dem Handelsblatt. Andere Großstädte wie Schanghai oder Guangzhou könnten dem Modell von Peking folgen.

In China hatte sich das Wachstum auf dem Automarkt in diesem Jahr deutlich verlangsamt. Im Sommer waren die Absatzzahlen in drei Monaten sogar rückläufig. Erst als die Zentralregierung zum 1. Oktober die Mehrwertsteuer für Autos halbierte, die höchstens einen Motor mit 1,6 Liter Hubraum haben, zogen die Verkaufszahlen wieder an.

Im Oktober verzeichnete der Branchenverband CAAM wieder einen Zuwachs von rund elf Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Am Freitag vermeldete Daimler einen Zuwachs von 38,7 Prozent bei den Verkäufen im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dabei profitiert die Marke Mercedes-Benz aber auch von einem Nachholeffekt, weil sie später ins Land kam und erst zuletzt stärker investierte. Insgesamt wurden in China dieses Jahr bisher rund 19 Millionen Autos verkauft.

Die Maut wäre nicht die erste Maßnahme, mit der Peking Vorreiter im Vorgehen gegen den massiven Anstieg von Autos auf Chinas Straßen ist. 2011 hatte Chinas Hauptstadt als erste Großstadt der Volksrepublik die Vergabe von Nummernschildern für spritbetriebene Fahrzeuge auf 20.000 pro Monat begrenzt. Seitdem entscheidet ein Losverfahren, wer eine Plakette für ein Auto bekommt. Elektrofahrzeuge und Plug-In-Hybride sind von den Vorgaben befreit. Städte wie Schanghai und Guangzhou begrenzten mittlerweile auch die Zulassung von Autos.

Professor Zhao hält die Regeln jedoch für falsch: „Sie sind ungerecht, unlogisch und nicht nachhaltig.“ Auch eine Maut sei nicht realistisch. Sie werde nicht wie in London oder Singapur funktionieren können, da sich der Stau über riesige Stadtgebiete erstrecke. „Eine generelle Gebühr für das Nutzen der Straßen wäre der bessere Weg“, sagte Zhao. Die Höhe der Gebühr müsste von der Zahl der Fahrzeuge in der Stadt abhängig gemacht werden.

Mit 5,6 Millionen registrierten Fahrzeugen hat Peking die größte Flotte unter allen chinesischen Metropolen. Das seien jedoch bereits viel zu viele für die Straßen von Chinas Hauptstadt. „Die Zahl sollte auf drei oder vier Millionen Fahrzeuge gesenkt werden“, forderte Zhao.

Emissionen von Autos und Fabriken gelten als die Hauptursache für den gefährlich hohen Level an Feinstaub in der Stadt. Der Smog-Level in Peking gehört zu den höchsten in ganz China. Erst vor wenigen Tagen hielt gefährlicher Feinstaub die mehr als 20 Millionen Pekinger über Tage im Würgegriff. Der Luftindex erreichte mehr als das 20-Fache des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwertes.

Vom Jahr 2017 an erwägt Peking die Einführung strengerer Emissionsstandards für Fahrzeuge. Dann soll eine neue Norm gelten, die an die Euro-5-Vorgaben in Europa angelehnt sind.

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