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30.09.2015

16:21 Uhr

Natürliche Energiequelle

Strom aus Gülle und Bioabfall

VonSteffen Ermisch

Die Biogasbranche ächzt unter der EEG-Novelle, mit der die Einspeisevergütung reduziert wurde. Der Bau von Anlagen, zuvor noch ein sicheres Investment, lohnt oft nicht mehr. Hoffnung machen Anlagen für Gülle und Bioabfälle.

Insgesamt gibt es in Deutschland 8.000 Biogasanlagen, eine Leistung um die 500 Kilowatt ist die Regel.

Insgesamt gibt es in Deutschland 8.000 Biogasanlagen, eine Leistung um die 500 Kilowatt ist die Regel.

KölnEs ist eine ungewöhnliche Allianz, die den Energiemarkt in Rehau aufmischt: In der oberfränkischen Kleinstadt betreiben die Gerberei Südleder, der Kunststoffspezialist Rehau und das Entsorgungsunternehmen Willy Böhme gemeinsam eine Bioabfallvergärungsanlage. Ende Juli in Betrieb gegangen, soll sie jährlich bis zu 30.000 Tonnen Bioabfall in Biogas und Dünger umwandeln.

Sechs Tipps für umweltschonende Geschäftsreisen

Gründliche Planung

Flugzeug-, Auto- und Bahnverkehr belasten Klima und Umwelt. Eine gründliche Planung ist daher wichtig: Lässt sich der Auswärtstermin mit anderen Terminen in der Nähe verbinden? Wenn der Mitarbeiter mehrere Tage vor Ort ist, kann er dann am Zielort übernachten, statt mehrfach an- und abzureisen? Und wenn mehrere Kollegen reisen, können sie beispielsweise Fahrgemeinschaften bilden?

Schiene oder Airline?

Wie klimafreundlich Mitarbeiter reisen, hängt stark von der Wahl des Verkehrsmittels ab. Die Bahn gilt im Allgemeinen als das Verkehrsmittel mit der günstigsten CO2-Bilanz im Vergleich zu Flugzeug und Auto. Häufig lassen sich Flüge nicht vermeiden, da die Reisenden ansonsten zu viel Zeit verlieren würden.

Aber auf vielen kürzeren Strecken, vor allem im Inland, ist die Bahn eine gute Alternative. Zudem sind Bahnhöfe in der Regel zentraler gelegen als Flughäfen, so dass sich unter Umständen lange Taxifahrten erübrigen.

Umweltfreundliche Mietwagen

Bei schlechten Flug- oder Bahnverbindungen weichen Geschäftsreisende gerne auf Mietwagen aus. Das ist zwar generell nicht die nachhaltigste Art zu reisen, jedoch verfügen manche Autovermieter inzwischen über eine "grüne Flotte", bieten also emissionsarme Modelle an, beispielsweise mit Hybridantrieb.

"Grüne" Hotels buchen

Auch Hotels haben erkannt, dass sie mit einer Öko-Strategie bei ihren Gästen punkten können. Viele werben damit, dass sie etwa ihren eigenen Strom erzeugen, Strom oder Wasser sparen, übermäßige Müllproduktion vermeiden, recycelte Materialien für ihre Ausstattung verwenden oder in ihrer Küche auf regionale Lebensmittel und Fairtrade-Produkte setzen.

Vor Ort: Carsharing, ÖPNV, Fahrräder

Oft finden Termine in der unmittelbaren Umgebung statt. Viele Geschäftsleute wollen dann trotzdem nicht auf ihren Firmenwagen verzichten und nehmen dafür sogar die stressige Parkplatzsuche in der Stadt in Kauf. Nachhaltiger wäre es, wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter dazu motivieren würden, auf den öffentlichen Nahverkehr oder mittlerweile weit verbreitete Carsharing-Angebote umzusteigen, oder ein Firmenfahrrad zu nutzen.

CO2-Reportings

Um zu analysieren, wie klimafreundlich bislang Mitarbeiter reisen, können Unternehmen CO2-Reportings erstellen lassen. Professionelle Geschäftsreisebüros bieten diesen Service an. Auf Basis dieser Datenauswertung können die Unternehmen Ziele definieren, wie weit sie ihre Öko-Bilanz verbessern wollen, sowie konkrete Maßnahmen, um diese Ziele zu erreichen.

Erfahrungen mit der Technik können die beteiligten Unternehmen vorweisen. Südleder etwa betreibt seit 2012 eine Bioenergieanlage, in der Nebenprodukte aus der Lederproduktion sowie organische Reststoffe aus der Abwasseraufbereitung vergärt werden. „Wir konnten so unsere Abfallmenge halbieren“, sagt Prokuristin Beate Haaser. „Außerdem sind wir energetisch faktisch unabhängig geworden.“ Strom und Wärme erzeugen drei Blockheizkraftwerke auf dem eigenen Gelände. Auch das Nachbarunternehmen betreibt ein Blockheizkraftwerk, das mit Biogas arbeitet. Alle Anlagen zusammen haben eine lokale Energiewende ermöglicht: Obwohl in Rehau viele Industrieunternehmen ihren Sitz haben, deckt Bioenergie schon 40 Prozent des örtlichen Strombedarfs.

Erfolgsgeschichten wie diese sind in der Biogasbranche rar geworden. Wurden im Jahr 2011 noch 1270 Anlagen gebaut, rechnet der Fachverband Biogas für dieses Jahr mit nur 60 neuen Anlagen. Der Grund: Mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die im August 2014 wirksam wurde, ist die üppige Einspeisevergütung teils deutlich reduziert worden. Der Bau von Anlagen, der zuvor noch als sicheres Investment gegolten hätte, lohnt oft nicht mehr. „Mittelfristig ist sogar ein Rückbau nicht auszuschließen“, warnt Verbandssprecherin Andrea Horbelt. Der Energiewende drohe damit auf lange Sicht ein wichtiger Baustein zu fehlen: „Das speicherbare Biogas kann einspringen, wenn Sonne und Wind keinen Strom liefern.“

Dennoch erscheint nach Experteneinschätzung in manchen Bereichen weiteres Wachstum möglich. Denn die EEG-Novelle zielt vor allem darauf ab, den umstrittenen Einsatz von Energiepflanzen wie Mais zu beschränken. Dagegen wird Strom aus kleinen Gülle-Anlagen mit bis zu 75 Kilowatt Leistung wie bisher vergütet. Verschont von Kürzungen bleiben auch Anlagen, die wie in Rehau mit Bioabfällen gefüttert werden. Mathias Zuber, Analyst beim Kölner Beratungsunternehmen Ecoprog, erwartet hier einen deutlichen Zubau. Seiner Prognose nach wird die Zahl der Bioabfallvergärungsanlagen, deren Leistung meist im Megawattbereich liege, in Deutschland binnen zehn Jahren von 200 auf 290 ansteigen.

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